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«Schmerz bis auf die Knochen»

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland spricht einen 44-jährigen Kurden schuldig. Er hatte seine Frau beschimpft, bedroht, geschlagen und vergewaltigt. Dafür geht er jetzt vier Jahre ins Gefängnis.
Reinhold Meier
Die Taten hatten sich schrittweise gesteigert. (Symbolbild: Fotolia)

Die Taten hatten sich schrittweise gesteigert. (Symbolbild: Fotolia)

Die Tortur der über zehn Jahre jüngeren Frau hatte laut Anklage vor Jahren begonnen und sich dann stets gesteigert. Erst hatte der Gatte sie bedroht, er werde ihr das Leben zur Hölle machen, ihr das gemeinsame Kind wegnehmen, ja, es werde Blut fliessen, «beim Schwur auf Allah». Dann wurde er tätlich, erst gelegentlich, später immer öfter. Schliesslich habe er sie auch vergewaltigt, zuletzt teils jeden zweiten Tag. Körperlich war ihm die Frau weit unterlegen. Das muslimische Paar stammt aus traditionellen Verhältnissen weit südlich des Kaukasus.

Der Mann war vor zwei Jahrzehnten als Flüchtling in die Schweiz gekommen und hatte die Frau vor zehn Jahren zur Hochzeit nachgeholt. Die Ehe war von den Eltern in der Heimat arrangiert worden. Die Staatsanwaltschaft forderte sechseinhalb Jahre Haft für den Mann sowie einen zehnjährigen Landesverweis. Die Privatklägerin wollte zudem 30000 Franken Genugtuung sowie die Haftung für alle Folgekosten. Ganz anders sah es die Verteidigung. Sie hielt allein die Beschimpfungen für erwiesen. Eine Strafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken sei angemessen. Von den übrigen Vorwürfen sei nichts bewiesen, es sei auch nichts passiert und nichts eingestanden. Darum sei der Mann hier freizusprechen. Er fordere für entgangen wirtschaftlichen Schaden und Genugtuung 180000 Franken.

Bis ins Detail erinnert

Das Gericht widmete der Befragung des Paares viel Aufmerksamkeit. Dabei präsentierte sich die Frau zunächst eher leise und unsicher, später durchaus bestimmt und emotional, der Mann hingegen in der Sache durchwegs ratlos und ausweichend, sonst eher selbstgewiss. Er sei komplett unschuldig, in einer guten Familie aufgewachsen, vergewaltige nicht und habe von der Mutter gelernt, die Ehefrau als Halbgott zu verehren. Der Sex sei einvernehmlich gewesen und schon wegen des Altersunterschiedes eher von ihr als von ihm ausgegangen. Seine Frau verstehe es einfach, ihn reinzureiten und zu provozieren bis er «mal ein schlechtes Wort» sage. Das tue ihm leid. Mehr sei nicht gewesen.

Die Frau vermochte sich jedoch bis in unscheinbare Details hinein an einzelne Taten zu erinnern. Dabei betonte sie, sie habe ihren Mann nach der arrangierten Hochzeit mit der Zeit durchaus liebgewonnen. Er könne auch anständig und hilfsbereit sein. So habe es ein einvernehmliches Beisammensein und schliesslich ein gemeinsames Kind gegeben. Bis er eben immer brutaler geworden sei, wütend und aggressiv und sich dabei gar auf Allahs Recht berufen habe. «Er hat eine dunkle Seite.» Zunächst hätten die Familien versucht, das zu klären. Es habe Einflussversuche gegeben. Aber irgendwann habe sie es nicht mehr aushalten können. «Ich hatte Schmerzen bis auf die Knochen.»

Mehrfach nachgefragt

Das Gericht fragte mehrfach beim Beschuldigten nach, wie er sich denn die schweren Anschuldigungen seiner Frau erkläre. In der stets darauffolgenden Stille bot er abwechselnd zwei Theorien an. Demnach könne eine Frau nicht «sauber» aus einer Ehe kommen, ausser der Mann sei schwer schuldig, erklärte er. Darum unterstelle sie ihm schwerste Straftaten, um selbst gut dazustehen. Oder sie habe halt einen anderen. Auf diesen Anwurf reagierte die Frau spontan und vernehmbar.

In allen Punkten schuldig gesprochen

Gleichwohl blieb letztlich der schale Eindruck, der Angeklagte reagiere stets nur pauschal auf sehr detaillierte Vorwürfe. Das Gericht sprach ihn schliesslich in allen Punkten schuldig. Es schickt ihn vier Jahre in den Knast. Er muss danach die Schweiz und den Schengenraum, also praktisch ganz Europa, für sieben Jahre verlassen. Der Frau hat er 20000 Franken Genugtuung zu zahlen, an Verfahrenskosten kommen weitere 51000 Franken auf ihn zu.

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