Schluss mit Winterzauber

In der Nacht auf Sonntag haben Regenfälle und Schnee-Schmelzwasser in der Ostschweiz für zahlreiche Überflutungen gesorgt. Im Kanton Thurgau trat die Thur über die Ufer. In Uznach kam es zu einem Rohrbruch im Wasserkraftwerk.

Ives Bruggmann
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In Berneck lösten sich Steine und fielen auf einen Fussweg. (Bild: Kapo SG)

In Berneck lösten sich Steine und fielen auf einen Fussweg. (Bild: Kapo SG)

So schnell und in solch grossen Massen der Schnee gefallen war, so schnell ging es auch, bis er wieder dahinschmolz. Und nicht nur das: Die grossen Wassermengen, die durch die Regenfälle und das Schnee-Schmelzwasser entstanden, führten am Wochenende zu Dutzenden Überflutungen.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen gingen rund 30 Meldungen zu überfluteten Kellern, Geschäften und Ställen ein. Das Wasser stammte vielfach aus überlaufenen Bächen, wie die Polizei gestern mitteilte. Die Feuerwehr musste Strassen und Wege von geknickten Bäumen und herabgefallenen Ästen, aber auch von Schnee, Steinen und Geröll befreien. Insgesamt rückte die Feuerwehr rund 60mal aus.

In Uznach ist es laut Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli zu einem Rohrbruch in der Leitung des Wasserkraftwerks gekommen. Oberhalb von Berneck hätten sich zudem Steine aus einer Felswand gelöst. «Die Gesamtsituation hat sich jedoch am Morgen beruhigt. Am Nachmittag sind lediglich noch drei Überflutungen gemeldet worden», sagte Rezzoli. Grössere Flüsse seien nicht über die Ufer getreten. «Der Wasserpegel der Sitter war relativ hoch. Der Fluss ist aber nicht über die Ufer getreten.»

Polizei sperrte Fussgängerwege

Dies geschah jedoch im Kanton Thurgau, wo die Sitter bekanntlich in die Thur fliesst. Bei Frauenfeld trat das Wasser an mehreren Stellen über die Ufer in das sogenannte Thurvorland. Die Gefahr, dass das Wasser bis in die Wohngebiete vordringt, bestand aber nicht. Dennoch sperrte die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen die Fussgängerwege entlang der Thur ab. Im Verlaufe des Sonntags sank der Wasserpegel fortlaufend, so dass die Sperre um 13.30 Uhr wieder aufgehoben werden konnte. «Am frühen Sonntagmorgen, zwischen vier und acht Uhr, floss in der Thur gemäss den Meldungen des Amts für Umwelt am meisten Wasser. Danach ging der Pegel stetig zurück», sagte Sprecher Daniel Meili von der Kantonspolizei Thurgau. Bei der Notrufzentrale seien zudem rund 40 Schadensmeldungen eingegangen. In den meisten Fällen musste die Feuerwehr wegen überfluteter Keller oder Strassen ausrücken.

Wagen aus Schienen gehoben

Die beiden Appenzeller Halbkantone Ausserrhoden und Innerrhoden wurden von Überflutungen gemäss Auskünften der Kantonspolizeien verschont. In Wasserauen sorgte aber der Wind für grossen Schaden. In der Nacht auf Sonntag hob eine starke Windböe des «Laseyerwindes» einen im Bahnhof abgestellten historischen Wagen aus den Schienen. Der zwölf Tonnen schwere Nostalgie-Wagen aus dem Jahr 1886 erlitt beim Sturz vom Bahndamm auf den darunterliegenden Parkplatz Totalschaden. Personen und andere Fahrzeuge waren keine betroffen, wie die Appenzeller Bahnen mitteilten. Das Phänomen des «Laseyer» sei dem Unternehmen bekannt. Bereits 2007 wurde ein Bahnwagen durch diesen Wind aus den Schienen gehoben.

In Wasserauen hob der Wind einen Wagen aus den Schienen. (Bild: pd)

In Wasserauen hob der Wind einen Wagen aus den Schienen. (Bild: pd)

Der Weg zum Thurdamm musste beidseitig gesperrt werden. (Bild: Stefan Hilzinger)

Der Weg zum Thurdamm musste beidseitig gesperrt werden. (Bild: Stefan Hilzinger)