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Das «Schlupfhuus» vor dem Aus: Die Notunterkunft für Kinder und Jugendliche muss schliessen

Der Kanton St.Gallen und die Trägerschaft sind sich nicht einig geworden. Nun macht das «Schlupfhuus» zu, ein Angebot für Kinder und Jugendliche in Not. Die SP-Grünen-Fraktion reagiert mit Unverständnis.
Noemi Heule, Tim Naef
Bis Frühling 2020 wird das «Schlupfhuus» seine Dienstleistungen weiterhin erbringen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bis Frühling 2020 wird das «Schlupfhuus» seine Dienstleistungen weiterhin erbringen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Türen des «Schlupfhuus» standen bisher immer offen, jeden Tag, 24 Stunden, 18 Jahre lang. Im Frühling 2020 sollen sie geschlossen werden, endgültig. Das Angebot für Kinder und Jugendliche in Not, das bisher von der Stiftung Ostschweizer Kinderspital getragen wurde, wird in seiner jetzigen Form nicht weitergeführt, wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte. Weil «ein wirtschaftlicher Betrieb für dieses kleine unabhängig Angebot immer schwieriger wurde», wie es in der Mitteilung heisst.

Der Kanton führt ein «jährlich resultierendes Defizit» ins Feld, das er langfristig nicht abdecken könne. Im vergangenen Jahr waren das rund 300'000 Franken, wie Stiftungspräsident Arno Noger sagt. Das Defizit war vom Kanton übernommen worden, der gemäss Sozialhilfegesetz auch für einen Drittel der Kosten aufkommt. Zwei Drittel der Betreuungskosten werden von den Wohngemeinden übernommen. Auch sie beklagten sich über hohe Kosten.

Die Auslastung der acht Betten schwankt

Grund dafür sei, dass sich das Umfeld der Notunterkunft über die Jahre verändert habe, so Noger. Die Aufenthaltsdauer sei tendenziell kürzer geworden. Die Kesb versuche, gefährdete Kinder und Jugendliche in der Nähe ihres Wohnorts statt in St.Gallen zu platzieren. Das «Schlupfhuus» mit seinen acht Betten war deshalb oft unterbelegt. Oder plötzlich wieder überbelegt, da die Auslastung nicht vorhersehbar sei. In der Mitteilung ist von «starken Auslastungsschwankungen» die Rede.

Pro Betreuungsfall seien deshalb die Kosten massiv gestiegen, da unabhängig von der Anzahl belegter Betten eine 24-Stunden-Betreuung garantiert werden müsse. Die Ausgaben mit zusätzlichen Sparmassnahmen zu reduzieren, sei unmöglich, sagt Noger.

Nachfolgelösung ist noch völlig offen

Bis im März 2020 soll der Betrieb weitergeführt werden, wenn möglich mit den bisherigen Mitarbeitern, die mit Bedauern auf den Entscheid des Kantons reagiert hätten. Arno Noger betont:

«Für die Jugendlichen, Kinder, Eltern und Behörden ändert sich bis dahin nichts.»

Nichts ändern soll sich auch für das Beratungszentrum In Via und das Angebot für Weiterbildung und Prävention, die ebenfalls vom Kinderschutzzentrum betrieben werden, wie es in der Mitteilung heisst.

«Es braucht im Kanton weiterhin ein Notfallangebot für Kinder und Jugendliche.»

Das sagt Christina Manser, Leiterin des kantonalen Amtes für Soziales. Deshalb sucht der Kanton nach einer Nachfolgelösung. «Dabei sollen nach Möglichkeit Synergien mit einem bestehenden Leistungserbringer im Sozialbereich genutzt werden», heisst es in der Mitteilung.

Konkret soll das Schlupfhuus künftig an eine bestehende Institution, etwa ein Heim, angegliedert werden, das ohnehin eine 24-Stunden-Betreuung unterhält. Wie diese Lösung aussieht, ist aber noch völlig offen.

Überraschung, Unverständnis, Befremden

Die SP-Grünen-Fraktion reagierte prompt auf die Nachricht zur «Schlupfhuus»-Schliessung. In einer Medienmitteilung spricht sie von «Befremden, Überraschung und Unverständnis». Noch in der November-Session hat der Kantonsrat im Rahmen des Nachtrages zum Sozialhilfegesetz über die Finanzierung des «Schlupfhuus» beraten, das fortan dem Frauenhaus gleichgestellt werden sollte.

In der Botschaft schrieb die Regierung: «Das ‹Schlupfhuus› ist das einzige seiner Art in der Ostschweiz. Die Notwendigkeit, dass in der Region ein solches besteht, ist unbestritten». Allerdings war bereits damals von «Optimierungsmöglichkeiten» die Rede. In der Mitteilung von SP und Grünen, heisst es:

«Dass Optimierung am Ende aber Schliessung bedeutet, damit hat niemand gerechnet.»

Insbesondere das Vorgehen stösst auf Unverständnis. «Es ist nicht opportun, ohne Sicherheit für die Zukunft die bisher bewährten Strukturen aufzugeben.» Die Fraktion fordert die Regierung auf, die Leistungsvereinbarung mit der Stiftung Ostschweizer Kinderspital fortzuführen und kündigt eine einfache Anfrage im Rat an.

Seit 18 Jahren in Betrieb

Im «Schlupfhuus» St.Gallen finden Kinder und Jugendliche rund um die Uhr notfallmässig eine Unterkunft, etwa bei Fällen von Gewalt in der Familie oder in anderen Krisensituationen. Das Angebot des Kinderschutzzentrums hat acht Plätzen. Getragen wird das Kinderschutzzentrum durch die Stiftung Ostschweizer Kinderspital. Die Notunterkunft steht seit über 18 Jahren rund um die Uhr für die notfallmässige und temporäre Aufnahme von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. (tn)

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