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Für drei Millionen Franken: Das Schloss Hauptwil ist zu haben

Wieder ein exklusiver Immobilienhandel im Oberthurgau: Nach dem herrschaftlichen Anwesen in Oetlishausen soll auch das Schloss im Thurgauer Wakker-Dorf Hauptwil den Besitzer wechseln.
Georg Stelzner
Das Schloss Hauptwil soll für drei Millionen Franken den Besitzer wechseln. (Bild: Larissa Flammer)

Das Schloss Hauptwil soll für drei Millionen Franken den Besitzer wechseln. (Bild: Larissa Flammer)

Nur wenige Ortschaften können in dieser Hinsicht mit Hauptwil schritthalten: Auf einem Hügel unweit des Dorfzentrums thront majestätisch und unübersehbar ein geschichtsträchtiges und denkmalgeschütztes Schloss. Dass es verkauft werden soll, erstaunt nicht, nachdem der Altersheimbetrieb vor eineinhalb Jahren eingestellt worden ist und das Gebäude im Begriffe ist, in einen Dornröschenschlaf zu versinken.

In absehbarer Zukunft könnte jetzt aber ein neues Kapitel in der 350-jährigen Geschichte des Schlosses aufgeschlagen werden. Seit einigen Tagen ist die Liegenschaft nämlich auf dem Markt. Wer sie erwerben möchte, wird rund drei Millionen Franken hinblättern müssen. Werner Fleischmann, von der Di-Gallo-Gruppe mit dem Verkauf des Anwesens betraut, ist guter Dinge:

«Ich bin überzeugt, dass sich für dieses Bijou eine Käuferschaft finden lässt.»

Fleischmann, der einst die örtliche Filiale der Raiffeisenbank geführt und in Hauptwil gewohnt hat, versichert, mit dem Verkauf zur positiven Entwicklung des Dorfes beitragen zu wollen. Der Umstand, dass das Schloss an den meistbietenden Interessenten veräussert werden soll, stelle dabei keinen Widerspruch dar, «weil beim Verkauf auf ein passendes Nutzungskonzept grosser Wert gelegt wird».

Nur auf den ersten Blick ein Schnäppchen

Ein vitales Interesse am Schicksal des Schlosses hat seit jeher die Standortgemeinde. «Das Schloss hat für uns eine grosse Bedeutung», betont Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus und meint damit nicht nur den ideellen Wert. In der Gemeinde gebe es fast keine Baulandreserven mehr, gibt Gehring zu bedenken. Auch deshalb sei das Schloss mit seinen rund 50 Zimmern ein interessantes Objekt.

Gehring lässt eine Präferenz für eine differenzierte Nutzung erkennen: Wohnungen im L-förmigen Nebengebäude, Dienstleistungsbetriebe in den Ober­geschossen und Gastronomie im Parterre des Schlosses.

«Der Kauf des Schlosses ist für uns eine Nummer zu gross.»

Der Idee, dass sich die Gemeinde beim Verkaufspoker beteiligen könnte, erteilt Gehring eine klare Absage. Dabei sei es nicht einmal der Preis allein, der dagegen spräche. Eine wichtige Rolle spielten auch die nötigen Investitionen und die künftigen Unterhaltskosten. Fleischmann pflichtet dem Gemeindepräsidenten bei: «Ein Käufer wird zusätzlich zum Kaufpreis noch viel Geld in die Hand nehmen und auf die Anforderungen der Denkmalpflege achten müssen.»

Türmli ist eine Option

Für die Gemeinde käme laut Gehring allenfalls ein Erwerb des Türmlis in Frage. Das Wahrzeichen und Wappensujet der Gemeinde könnte für gewisse Zeremonien und gesellschaftliche Anlässe verwendet werden. Dass sich die Gemeinde das Schloss auch noch in anderer Form zunutze machen könnte, schliesst Gehring nicht a priori aus: «Wenn vom neuen Eigentümer ein überzeugendes Nutzungskonzept vorgelegt wird und sich die Chance für Synergien eröffnet, werden wir für Gespräche offen sein.»

Den Entscheid, wer bei den Verkaufsverhandlungen den Zuschlag erhält, kann die Gemeinde nicht beeinflussen. Da sich das Schloss in der Dorfzone befindet, ist eine gewerbliche Nutzung zulässig. Gehring äussert ein Anliegen:

«Auf jeden Fall wünschen wir uns, dass zumindest ein Teil des Areals auch in Zukunft öffentlich zugänglich ist.»

Symbol für den sozialen Aufstieg einer Familie

Das Schloss Hauptwil wurde in den Jahren 1664 bis 1666 von Hans Jakob Gonzenbach erbaut. Die Brüder Hans Jakob und Bar- tholome Gonzenbach waren im Leinwandhandel tätig und gehörten damals zu den reichsten Schweizer Kaufmannsfamilien. Sie setzten mit dem Schloss den erreichten sozialen Status für alle sichtbar auch in der Architektur um. Das Gebäude erfüllte meh­rere Funktionen. In erster Linie war es Wohn-, Gerichts- und ­Geschäftssitz, darüber hinaus ­beherbergte es im Keller auch eine Kapelle. Mit dem Niedergang der Gonzenbachs verblasste der Glanz des Schlosses. Ab 1879 befand es sich im Eigentum der Färberfamilie Brunnschweiler und diente bis 1919 als Erholungsheim. Dann betrieb die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Thurgau auf dem Anwesen eine Haushaltungsschule. Ab 1953 wurde das Schloss als Betreuungs- und Pflegezentrum genutzt. Die heutige Eigentümerin führte den Betrieb bis Mitte 2017 weiter. (st)

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