«Schlössli», Sax: Wo konstant hohe Qualität residiert

Wir gestehen: Häuser, die auf eine lange und meistens bewegte Geschichte zurückblicken, ziehen uns immer wieder besonders an. Deshalb war es an der Zeit, dem «Schlössli», Sax, einen Besuch abzustatten.

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Wir gestehen: Häuser, die auf eine lange und meistens bewegte Geschichte zurückblicken, ziehen uns immer wieder besonders an. Deshalb war es an der Zeit, dem «Schlössli», Sax, einen Besuch abzustatten. Die einstige Residenz des gleichnamigen Adelsgeschlechts thront seit 2002 in neuem Glanz über dem Rheintal – wenn auch nicht so hoch wie das weiter oben gelegene einstige Stammschloss derer von Hohensax.

Doch keine Bange: So lang wie «Sax», der jüngste 450-Seiten-Roman von Adolf Muschg über Johann Philipp von Hohensax, soll dieser historische Exkurs nicht werden. Es gibt Kurzweiligeres zu berichten!

Hochstehende Gastlichkeit

Denn zum äusseren Glanz des 2002 letztmals umgebauten Schlössli – einigen idealistischen Rheintalern sei Dank! – gesellt sich der innere: Eine kulinarisch hochstehende und trotzdem herzlich-unversnobte Gastlichkeit.

Dafür zeichnet seit acht Jahren das Gastgeberpaar Diana und Peter Pfiffner verantwortlich: der von Beginn weg mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Koch und die ebenso kompetente wie freundliche Dirigentin des tadellosen und speditiven Service.

Mittelmeer meets Fernost

Nähert man sich am Abend dem imposanten, 1551 errichteten Bauwerk, so locken von weitem die Lichter des historischen Rittersaals – doch der ist mit seinen gegen 100 Plätzen für grössere Gesellschaften bestimmt.

Aber auch in der Gaststube und im Freiherrenstübli ist die Liebe zum Detail zu spüren, die bei der Restauration des zwischenzeitlich fast zerfallenen Gemäuers geherrscht hat. Eine sowohl Auge wie Gaumen erfreuende Tomaten-Mozzarella-Terrine auf Linsen stimmt auf die bevorstehenden Genüsse des Schlossmenus ein: Ganz hervorragend gleich der geräucherte Schwertfisch im Crêpesmantel mit Sauerrahm-Pommerysenf, Feigen und eigener Frühlingsrolle – Mittelmeer mit einer asiatischen

Brise! Auch die Kürbis-Ingwer-Crèmesuppe mit Zitronengras-Eis (von Kürbiskernen umgeben) war eine gelungene Kreation etwas abseits vom kulinarischen Mainstream, ohne den Gast mit wilden Experimenten zu vergraulen.

Ein schöner Rücken entzückt…

Von grosser Zartheit war sodann der Rehrücken mit Holunderquittensauce, Rotkraut, Marroni und Wirsingpizokels – ein Wildgericht auf höchstem Niveau! Da mussten die Fischgerichte, die uns ebenfalls gelockt hätten, für einmal hintanstehen.

Perfekt zum Abschluss auch die Variation von Zwetschge und Sauerrahm mit gebrannter Vanille-Toncabohnen-Crème.

Die Weinkarte enthält zahlreiche interessante Gewächse zu ausgesprochen christlichen Preisen. Auch einige offene Weine sind im Angebot – wir begannen mit einem Fläscher Riesling x Sylvaner von Hermann (7.–/dl) und liessen das Wild von einem Neusiedler Zweigelt Classique von Porkel (9.–/dl) begleiten, beide dem kulinarisch Gebotenen durchaus angemessen.

Gottlieb F. Höpli

Landgasthof «Schlössli», Sax Gaditsch, 9468 Sax Peter und Diana Pfiffner-Kindle Tel. 081 750 40 90 info@schloesslisax.ch www.schloesslisax.ch Platzangebot: Gaststube 20, Freiherrenstübli/Grotto 40, Rittersaal 90, Terrasse 40–50 Plätze Öffnungszeiten: Restaurant Montag und Dienstag geschlossen, Hotel (7 DZ, 1 Hochzeitssuite und 1 Appartement) immer geöffnet Karte: monatlich wechselnde Menus (88 und 94 Franken), à la carte 18–48 Fr.