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Das Schloss Werdenberg gehört dem Kanton St.Gallen und ist öffentlich zugänglich. Im Museum wird eine Dauerausstellung gezeigt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Schloss Werdenberg gehört dem Kanton St.Gallen und ist öffentlich zugänglich. Im Museum wird eine Dauerausstellung gezeigt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wem die Schlösser der Ostschweiz gehören und was hinter den Mauern vorgeht

Zwei Drittel der Ostschweizer Schlösser, Burgen und Ruinen gehören Privaten. Dennoch sind viele öffentlich zugänglich. Ein Blick in die Grund- und Geschichtsbücher.
Linda Müntener

Ein solcher Eintrag findet sich nicht alle Tage in den Handänderungen. In Salez hat das Grundstück Nr. 1780 den Besitzer gewechselt, vermeldet die Gemeinde Sennwald. Es handelt sich um das Schloss Forstegg. Zwei Wohnhäuser, Remise, Scheune, Schopf, Wald, Acker, 19'077 Quadratmeter Fläche, gekauft von Jürgen Pierburg. Ein deutscher Industrieller, milliardenschwer, medienscheu, der unlängst durch den Rosenkrieg mit seiner Noch-Ehefrau in der Boulevardpresse Schlagzeilen gemacht hat. Gut möglich, dass er sich hinter den Steinmauern des mittelalterlichen Anwesens zurückziehen will.

Zwei Drittel der Schlösser gehören Privaten

Der Milliardär wird Schlossherr und ist damit nicht alleine. Von 49 Ostschweizer Schlössern, Burgen und Ruinen auf der Tagblatt-Karte gehören 33 Anwesen Privaten. 16 Schlösser sind in öffentlicher Hand:

Für Infos zu den Besitzverhältnissen auf die Symbole klicken. Quellen: Kanton Thurgau GIS, Kanton St.Gallen, Gemeinden.

Obwohl die Mehrheit in privater Hand ist, stehen viele Schlösser und Burgen der Öffentlichkeit zur Verfügung – sei es als Veranstaltungsort, Kulturlokal, Hotel, Restaurant oder Museum. Nur in einzelnen Anwesen werden Wohnungen vermietet oder sie dienen ihren Schlossherrinnen und Schlossherren als Residenz.

Jedes Schloss hat seine Geschichte. Hier sind acht Ostschweizer (Pracht-)Bauten und ihre Besonderheiten:

1. Schloss Hagenwil – die einzige Wasserburg

Das Schloss Hagenwil in Amriswil gehört zu den besterhaltenen Wasserburgen der Schweiz und ist die einzige Wasserburg in der Ostschweiz. Kurz nach der Klosterauflösung 1802 erwarb der damalige Verwalter und Gemeindeammann Benedikt Angehrn das Schloss. Seither ist es im Familienbesitz, mittlerweile in der siebten Generation.

Das Schloss Hagenwil ist die einzige Wasserburg der Ostschweiz. (Bild: Beat Belser)

Das Schloss Hagenwil ist die einzige Wasserburg der Ostschweiz. (Bild: Beat Belser)

Die Familie betreibt im Schloss, das Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, ein Restaurant. Der Förderverein setzt sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz ein. Diesen Monat starten die Arbeiten für die Sanierung des Schlosshofes.

2. Schloss Sonnenberg – die Baustelle

Das Schloss Sonnenberg bei Stettfurt ist immer noch im Umbau. (Bild: Donato Caspari)

Das Schloss Sonnenberg bei Stettfurt ist immer noch im Umbau. (Bild: Donato Caspari)

Auch das Schloss Sonnenberg in Stettfurt wird saniert. Wie lange das noch dauert, weiss niemand genau. Der österreichische Multimillionär Christian Baha hat das Grundstück im Jahr 2007 gekauft. Seither wird renoviert. So hat das Schloss auch schon den wenig schmeichelhaften Übernamen «Schloss Kranenberg» erhalten.

Kritik am Bau-Schloss-Herren gab's nicht nur aus der Bevölkerung, die sich um die Bausubstanz sorgt, sondern auch von der Gewerkschaft Unia. Sie prangerte den Multimillionär an, da er nicht die vorgeschriebenen Löhne für seine Arbeiter zahle. Und die regionalen Firmen störten sich daran, dass angeblich Bautrupps aus Osteuropa die Arbeiten im Schloss erledigten. Heute setze er wieder auf regionale Firmen, lässt er über seine Sprecher verlauten. Das Baugerüst steht nach wie vor.

3. Ruine Ramschwag – das Sorgenkind

Der Mörtel bröckelt, die Mauer löst sich ab, das Fundament ist unsicher. Königlich mutet die Ruine Ramschwag längst nicht mehr an. Die einst prächtige Burganlage aus dem 11. Jahrhundert muss saniert werden. Dringend. Doch dafür fehlt das Geld. 750'000 bis 800'000 Franken würde eine Sanierung kosten. Knapp die Hälfte müsste die Gemeinde Häggenschwil selber tragen. Dagegen regt sich Widerstand.

Wird die Ruine Ramschwag gerettet? Eine Frage des Geldes. (Bild: Benjamin Manser)

Wird die Ruine Ramschwag gerettet? Eine Frage des Geldes. (Bild: Benjamin Manser)

Deshalb hat die Gemeinde unlängst ein Crowdfunding auf der Plattform Lokalhelden.ch gestartet. Zudem wurden laut Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring Stiftungen kontaktiert und Anträge um finanzielle Unterstützung eingereicht. Ziel ist, den Gemeindebeitrag auf unter 200'000 Franken zu reduzieren.

Im Jahr 2013 hatte die Gemeinde die Ruine gekauft – und der Gemeinderat nach den Verhandlungen mit der Besitzerfamilie symbolisch um die Baute gejasst. Ob er sich diesmal verzockt, entscheidet sich im kommenden Jahr. Dann will er der Bevölkerung den Kredit vorlegen.

4. Schloss Sulzberg – der Ladenhüter

Ist es die nahe gelegene Autobahn? Der geplante A1-Zubringer? Oder vielleicht doch die Preisvorstellung von 9,5 Millionen Franken? Irgendetwas schreckt potenzielle Käufer des Schlosses Sulzberg in Untereggen ab. Das «Möttelischloss», wie es im Volksmund auch genannt wird, steht schon seit Jahren zum Verkauf. Getragen wird es von einer Schweizer Aktiengesellschaft.

Das «Möttelischloss» steht seit Jahren zum Verkauf. (Bild: Archiv)

Das «Möttelischloss» steht seit Jahren zum Verkauf. (Bild: Archiv)

Sechs Wohnungen befinden sich im Schloss, von 2,5- bis 8,5-Zimmern, inklusive 20 Meter hohem Bergfried. Laut dem Luxus-Immobilienportal Fine Swiss Properties wäre das Schloss durch die Mieteinnahmen praktisch selbsttragend. Fehlt nur noch eine neue Schlossherrin oder ein neuer Schlossherr.

5. Schloss Eugensberg – der Verkaufsschlager

Zum Schloss Eugensberg in Salenstein gehören unter anderem ein Tennisplatz und ein Schwimmbad. (Bild: Donato Caspari)

Zum Schloss Eugensberg in Salenstein gehören unter anderem ein Tennisplatz und ein Schwimmbad. (Bild: Donato Caspari)

Ganz anders das Schloss Eugensberg: Für das luxuriöse Anwesen, das nach dem Konkurs seines Vorbesitzers Rolf Erb unter den Hammer kam, hatten sich im vergangenen Jahr schon kurz nach der Ausschreibung ein Dutzend Interessenten gemeldet. Schliesslich ging das Schloss an den Meistbietenden: den deutschen Internetmillionär Christian Schmid. Mehr als 36 Millionen Franken hat er für das Schloss in Salenstein geboten. Dafür gibt's sechs Wohnräume, elf Schlaf- und fünf Badezimmern, ein Schwimmbad sowie einen Tennisplatz auf einer Fläche, grösser als 100 Fussballfelder.

Auch die Bevölkerung soll etwas davon haben. Der neue Schlossherr habe sich zum Ziel genommen, die Ruine Sandegg mit ihrer Aussichtsplattform zu sanieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, teilte der Kanton nach dem Verkauf mit.

6. Schloss Oberberg – die Hochzeitskulisse

In der Kapelle auf Schloss Oberberg haben sich schon zahlreiche Brautpaare das Ja-Wort gegeben. (Bild: Michel Canonica)

In der Kapelle auf Schloss Oberberg haben sich schon zahlreiche Brautpaare das Ja-Wort gegeben. (Bild: Michel Canonica)

Eine klassische Märchenhochzeit im Schloss. In der Ostschweiz können sich Brautpaare diesen Wunsch an mehreren Orten erfüllen. Im Schloss Oberberg sagt es sich offensichtlich besonders gut «Ja». Das Anwesen ist ein beliebt für zivile und kirchliche Trauungen. Die Bot Künzle Stube im Anwesen ist ein offizielles Trauzimmer der Stadt Gossau, zum Schloss gehört eine eigene Kapelle. Hier können sich Heiratswillige von Mittwoch bis Samstag das Ja-Wort geben.

7. Schloss Werdenberg – das Kulturschloss

Die letzte Bewohnerin des Schlosses Werdenberg war Frieda Hilty. 1956 schenkte sie das Gebäude samt Ausstattung dem Kanton St.Gallen. Seither ist es öffentlich zugänglich. In zwei Museen können Besucherinnen und Besucher eine zusammenhängende Dauerausstellung besichtigen.

Das Schloss Werdenberg als Kulisse der Schloss-Festspiele. (Bild: Michel Canonica)

Das Schloss Werdenberg als Kulisse der Schloss-Festspiele. (Bild: Michel Canonica)

Während der Saison von April bis Oktober werden Führungen durch die Museen, das Städtchen Werdenberg sowie Erlebnisse für Kinder und Familien angeboten. Das Schloss fungiert ausserdem als Kulisse der Schloss-Festspiele, zu Pfingsten findet die Schlossmediale Werdenberg satt – ein zehntägiges internationales Festival für Musik und audiovisuelle Kunst.

8. Ruine Freudenberg – die Sagenumwobene

In der Ruine Freudenberg soll eine Jungfrau auf ihren Erlöser warten.(Bild: PD)

In der Ruine Freudenberg soll eine Jungfrau auf ihren Erlöser warten.(Bild: PD)

Glaubt man der Sage, wurde einst eine wunderschöne Jungfrau in die Ruine Freudenberg verbannt. Dort warte sie bis heute sehnlichst darauf, von einem jungen Mann erlöst zu werden. Der Erlöser soll nicht nur mit ihrer Liebe, sondern auch mit einem sagenhaften Schatz belohnt werden. Dieser liege in der Ruine verborgen. Wer danach suchen will, kann loslegen. Die Anlage gehört seit 1985 der Gemeinde Bad Ragaz und darf frei besichtigt werden. Besser aber, man(n) sucht nicht im Monat Juni – dann findet auf der Anlage das Quellrock Open Air statt.

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