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Ex-Kantonsrat Paul Schlegel mit zwei Firmen in Konkurs

Die politische Karriere des Werdenberger FDP-Kantonsrats Paul Schlegel war 2015 wegen seiner lausigen Zahlungsmoral jäh zu Ende. Nun steht er als Unternehmer vor dem Ruin und hat auch als Wiga-Messeleiter Vertrauen verloren.
Marcel Elsener, Thomas Schwizer
Im Element als leutseliger Rheintaler Netzwerker: Wiga-Messeleiter Paul Schlegel an der Eröffnungsfeier der Rhema 2018 im Mai in Altstätten. (Bild: Max Tinner)

Im Element als leutseliger Rheintaler Netzwerker: Wiga-Messeleiter Paul Schlegel an der Eröffnungsfeier der Rhema 2018 im Mai in Altstätten. (Bild: Max Tinner)

Wie lange noch? Das war im Fall des Grabser Unternehmers und FDP-Politikers Paul Schlegel seit drei Jahren die zentrale Frage. Wie lange würden die Dutzenden Gläubiger seiner Firmen die ständigen Rechnungsausstände hinnehmen, wie lange würden sich Kunden, Angestellte und vor allem Vorsorgestiftungen vertrösten lassen? Trotz seiner reumütigen Beteuerungen vermochte Schlegel das Steuer nicht herumzureissen und blieb die Liste der Betreibungen, Pfändungen und Konkursandrohungen stets lang. Vor einem Jahr platzte deshalb mehreren früheren Angestellten und Partnern der Kragen: «Nach der gelben Karte von 2015 ist nun die rote Karte fällig», meinten sie. «Es darf nicht sein, dass er wieder davon kommt.»

Nun ist, um im Bild zu bleiben, diese rote Karte gezückt worden: Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat über zwei Firmen Paul Schlegels, nämlich die Alvetia Rechts- und Unternehmungsberatungs Gmbh und die ABA Brokers Gmbh, am 27. August respektive am 12. September den Konkurs eröffnet. Dies bestätigt Roger Bernegger vom Konkursamt Buchs. Abgewickelt werden die beiden Konkursverfahren allerdings am Hauptsitz in St.Gallen. In der Region kursierende Informationen, wonach auch das Immobilienhandelsgeschäft Schlegels, sprich die Firma Swissimmopool, von einem Konkursverfahren betroffen ist, sind bislang nicht bestätigt worden.

Welcher Gläubiger den Konkurs gefordert hat, geben die Konkursbeamten nicht preis. Jedoch spricht einiges dafür, dass es die AXA Stiftung Berufliche Vorsorge war, die allein bei der Versicherungsvermittlungsfirma ABA Brokers per Ende Juni dieses Jahres Rechnungen von über 100000 Franken ausstehend hatte. Die AXA gibt sich in Sachen Schlegel und ABA Brokers bedeckt: Man gebe «aus Datenschutzgründen generell keine Auskunft zu Kundenbeziehungen», heisst es auf Anfrage in Winterthur. «Darüber hinaus können wir auch aufgrund des laufenden Verfahrens keine Angaben machen.» Das gleiche gilt für die Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St.Gallen, das zwar generelle Auskünfte über das Inkassoverfahren bei geschuldeten Sozialversicherungsbeiträgen gibt (Mahnung, Betreibung, Pfändung), aber sich «zu konkreten Kunden nicht äussern kann».

Ehemaliger Geschäftsführer warnt vor «neuer Betrugsmasche»

Paul Schlegel, der Fragen unserer Zeitung unbeantwortet lässt, versucht offensichtlich Teile seines Geschäfts zu retten. Anders ist nicht zu erklären, dass er seine Mutterfirma, die Schlegel Group AG, am 31. August in Conetta AG umbenannt hat. In einem Schreiben an alle Kunden, datiert vom 6. September, teilt er mit, dass nun die Conetta die Policen betreue. Gleichzeitig fordert er zur Unterzeichnung einer Mandatsänderung auf, die «aus rechtlichen Gründen notwendig» sei.

«Achtung, neue Betrugsmasche von Paul Schlegel», warnt René Wildhaber in einem Leserbrief an unsere Zeitung. Der Versicherungstreuhänder, als ehemaliger stellvertretender Geschäftsführer der ABA Brokers bis zu seiner Kündigung 2016 mit den Geschäftspraktiken Schlegels vertraut, spricht von «krimineller Energie» und erwägt eine Strafanzeige gegen den ehemaligen Kantonsrat und Nationalratskandidaten. Nicht nur würden die Gläubiger der beiden konkursiten Firmen «wohl ihre offenen Forderungen ans Bein streichen» müssen, meint Wildhaber. Vielmehr sei der «Gipfel», dass Schlegel einfach seine Gruppe umbenenne und neu starte. Und «sogar so weit geht, dass er ehemaligen Kunden, die ihr Mandat gekündigt haben und nun über seriöse Broker betreut werden, anschreibt.» Wildhaber warnt vor diesen «Machenschaften» und folgert: «Es ist erstaunlich, mit wie viel Arglist Schlegel erneut versucht, Leute über den Tisch zu ziehen. Ein solcher Mensch gehört hinter Schloss und Riegel.»

Das Konkursamt St.Gallen hat von den Mandatsänderungen noch keine Kenntnis. Doch wenn es Hinweise gebe, dass ein Schuldner vor dem Konkurs Aktiven verschieben wolle, werde man entsprechende Schritte unternehmen, sagt der Konkursbeamte Arthur Kollegger. Gefragt wäre dann eine Pauliana, was keine Anspielung auf Schlegels Vorname ist, sondern gemäss römischem Recht eine – paulianische – Anfechtungsklage: Mit diesem Mittel werden Rechtshandlungen, mit welchen der Schuldner vor seinem Konkurs auf Kosten eines oder mehrerer Gläubiger Vermögenswerte an Dritte übertragen hat, angefochten.

Ob das Konkursverfahren durchgefährt werden kann oder mangels Aktiven eingestellt werden muss, kann das Konkursamt zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Letzteres, ein Vollverlust, würde nicht nur Einzelpersonen und Firmen, sondern im Fall der Sozialversicherungsanstalt auch den Staat Geld kosten.

Gastroberater Müller-Tschirky soll Schlegels Messe retten

Die Konkurseröffnungen treffen den Unternehmer Schlegel im Moment, da er augenscheinlich das Vertrauen des Werdenberger Gewerbes verloren hat – aller Verdienste und anerkannter Netzwerk-Fähigkeiten zum Trotz. In seiner Heimatregion war der jahrelang populäre «Mister Wiga» jüngst mehrfach in den Schlagzeilen: Die Gewerbevereine Buchs und Grabs fordern, dass Messeleiter Paul Schlegel aus dem Verwaltungsrat und dem Aktionariat der Wiga, der überregional bedeutenden Wirtschafts- und Gewerbeausstellung in Buchs, ausscheiden müsse. Namentlich Rolf Pfeiffer, Präsident von Wirtschaft Buchs, und Päuli Kohler, Präsent der Werdenberger Wirtschaftsorganisation und der IG Grabs, misstrauen nicht nur Schlegel, sondern auch dem erneuerten Verwaltungsrat der Wiga. Die Führungsleute der Wigab AG – die Gastroleute Christine Hug-Stauffacher und Josef Müller-Tschirky sowie Rechtsanwalt Roland Lippuner (Aktionär) – seien mit dem bisherigen Alleininhaber verbandelt und hätten wenig zur Vertrauensbildung unternommen. So fehlten nach wie vor die Handelsregistereinträge und die Offenlegung der Buchhaltung, ausserdem warteten Gewerbetreibende noch auf Zahlungen von der Wiga 2017.

Josef Müller-Tschirky weist diese Vorwürfe zurück: «Wir haben alle Forderungen erfüllt.» Der frühere Präsident des St.Galler Gastroverbands, der Schlegel als politischer Fürsprecher für seine Branche schätzen gelernt hat, hält seinem Parteikollegen weiterhin die Stange. Als Messeleiter sei Schlegel «hoch anerkannt», und als sein Gastroberater auf Mandatsbasis (etwa «Schäfli» Grabs) habe er «nie ein Problem» gehabt, sagt Müller-Tschirky. Er wolle helfen, die Wiga in Ordnung zu bringen und habe keinen Einblick in die anderen Firmen Schlegels. «Ob die Schlammschlacht berechtigt oder unberechtigt ist, kann ich nicht beurteilen», sagt der Gastroberater. Doch könnten die geschäftlichen Probleme auch eine Folge dessen sein, «dass ihm auf breiter Basis Kredit und Vertrauen entzogen worden ist».

Den Teufelskreis kann Schlegel, auch schon als «Hansdampf in allen Gassen» und «Stehaufmännchen» bezeichnet, nur selber durchbrechen. Indem er ein für alle Mal reinen Tisch macht. Dass der Kantonsratspräsident von 2014 nach wie vor an seine geschäftlichen Fähigkeiten glaubt, belegen die erst im vergangenen Mai bezogenen neuen Brokerfirmenbüros im repräsentativen Haus «Atrium» in Buchs. Dass ihn die Stadt als Vermieterin bereits betreiben musste, ist dann wiederum die Kehrseite.

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