Schlechte Prüfungsresultate in St.Gallen: Angehende Jäger brauchen mehr Bezug zur Praxis

Im Kanton St.Gallen bestanden dieses Jahr nur knapp zwei Drittel der Kandidaten die Jagdprüfung. Jetzt zeigt eine Umfrage: Den Interessenten fehlt oft der praktische Bezug zur Jagd. Die zuständige Kommission nimmt auch die Jagdgesellschaften in die Pflicht.

Adrian Vögele
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Bild: Luca Linder

Bild: Luca Linder

Es war das schlechteste Resultat seit Jahren: Nur knapp zwei Drittel aller Kandidaten bestanden die St. Galler Jagdprüfung im vergangenen Juni. In den vorangehenden Jahren hatte die Erfolgsquote jeweils bei rund 85 Prozent gelegen. Die Kommission für die Grundausbildung der St. Galler Jägerschaft (GAJ) versprach, der Sache auf den Grund zu gehen: Die Resultate der mündlichen Theorieprüfung würden vertieft ausgewertet.

Nun liegen die Ergebnisse der Umfrage vor. Sämtliche 47 Kandidatinnen und Kandidaten des Prüfungsjahrgangs 2018 wurden befragt, 83 Prozent nahmen an der Umfrage teil. «Die Auswertung der Antworten hat gezeigt, dass der Kursbesuch allein nicht genügt, um die Prüfung bestehen zu können», heisst es im Fazit der GAJ. «Nur wer auch Herzblut ­investiert und die Zusammenhänge zwischen der vermittelten Theorie und der Praxis verstehen will, kann auch eine gute Prüfung ablegen.»  

Auch Jagdgesellschaften sind in der Pflicht

Die Umfrage zeigt, dass manchen Jungjägerinnen und Jungjägern der Praxisbezug fehlt. «Personen, die keinen Anschluss an eine Jagdgesellschaft haben oder keine Bezugsperson zur Jagd haben, weisen eine höhere Durchfallquote auf, als Kandidatinnen und Kandidaten mit entsprechender praktischer Erfahrung. Jagdliche Vertrautheit ist also ein klarer Vorteil für die Prüfung», heisst es im Fazit der GAJ. Einen wachsenden Anteil der Interessenten für die Jagdprüfung fehle das Vorwissen, da sie keinen Anschluss an ein Revier hätten. Hier nimmt die GAJ allerdings nicht nur die Jungjäger in die Pflicht. So habe sich diesen Sommer ein Jungjäger gemeldet und geschildert, dass er in einem Revier Anschluss suchte, aber eigentlich nicht erwünscht war. «Es wurde ihm faktisch die Möglichkeit verwehrt, Erfahrungen sammeln zu können.» Die Kommission ruft deshalb die St. Galler Jagdgesellschaften dazu auf, sich regelmässig den ­interessierten Jungjägerinnen und Jungjägern anzunehmen. «Nachwuchs ist für alle Reviere wichtig.»

Verständnislücken früher erkennen

Auch die Ausbildner müssen sich laut GAJ auf die veränderte Situation einstellen: Jagdliches Vorwissen dürfe nicht mehr einfach so angenommen werden. «Es wird darum gehen, vermehrt Begrifflichkeiten zu erklären und das Vokabular den Kandidatinnen und Kandidaten näherzubringen. Die Prüflinge sollen in der Ausbildung stärker eingebunden werden, damit Verständnislücken im Unterricht erkannt werden.
Die Umfrage dient auch als Qualitätskontrolle für die Jagdausbildung als Ganzes. Es zeige sich, dass die dreistufige Ausbildung mit dem Schiessen, den obligatorischen und den freiwilligen Kursen zielführend sei, schreibt die GAJ. Der nächste grosse Schritt sei die Umstellung auf ein neues Lehrmittel: Das schweizweit einheitliche Buch «Jagen in der Schweiz – auf dem Weg zur Jagdprüfung» wird den bisherigen «St Galler Ausbildungsordner» ablösen. Die Interessenten, die sich bis Ende 2018 für den Lehrgang 2019/2020 anmelden, werden nach neuem System ausgebildet.