SCHLAFSTELLE: Hunderte von Rabenkrähen

Die Szenerie erinnert an den Hitchcock-Film «Die Vögel»: Nacht für Nacht suchen sich Hunderte Rabenkrähen auf grossen Bäumen in Buchs einen Platz.

Katharina Rutz
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Katharina Rutz

ostschweiz@tagblatt.ch

Insgesamt müssen es laut den Beobachtungen von Edith Altenburger gegen tausend Raben sein, die sich diesen Winter auf hohen Bäumen der Stadt Buchs in der Dämmerung ihren Schlafplatz suchen. «Sie schlafen auf den Bäumen auf dem Areal Chez Fritz, entlang der Autobahn oder beim alten Postgebäude», sagt Altenburger, Obfrau Natur- und Vogelschutz des Ornithologischen Vereins Buchs. Sich in Schwärmen zusammenzufinden und gemeinsam zu übernachten, ist für Rabenvögel normal.

Rabenkrähen leben entweder als Brutpaar in einem Revier oder in einem Schwarm aus Nichtbrütern und Jungvögeln. Die Schlafplätze suchen sie aber dennoch gemeinsam auf. Nur wenn sie brüten, bleiben auch die Reviervögel bei ihrem Nest. «Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so viele waren», sagt Markus Kaufmann, Stadtschreiber von Buchs. Die Raben hinterlassen aber auch ihren Kot. Bei der Stadt Buchs ging deswegen erst eine einzige Reklamation ein. «Die Vögel sollten auf keinen Fall gefüttert werden, dies würde sie noch mehr anziehen», betont Kaufmann. Weitere Massnahmen seien bei Rabenvögeln in der Stadt schwierig oder unmöglich umzusetzen.

Eine intensivere Jagd dezimiere die Rabenvögel kaum, schreibt die Vogelwarte Sempach in ihrem Merkblatt «Elstern und Rabenkrähen im Siedlungsraum».

Die Jagd sei sehr aufwendig, weil die Vögel dank ihrer hohen Intelligenz die Jäger und deren Fahrzeuge nach kurzer Zeit individuell erkennen und rechtzeitig das Weite suchen. Im Siedlungsraum sei die Jagd wegen Sicherheitsüberlegungen untersagt, heisst es dort weiter. Reviere von ausfallenden Brutpaaren werden aus der grossen Reserve der Schwärme zudem sofort wieder besetzt.

Raben haben Siedlungsraum für sich entdeckt

Seit Anfang der 1990er-Jahre steigen die Elster- und Rabenkrähenbestände in der Schweiz deutlich an. «Die heutige Landwirtschaft begünstigt dies, da auf den abgeernteten Feldern immer noch viel zu fressen für die Rabenvögel zurückbleibt», sagt Edith Altenburger.

Aber auch den Siedlungsraum haben die Raben entdeckt. Sie finden in Buchs Brutplätze und genügend Nahrung. Nach Altenburger gibt es im Gebiet Ceres und in den dortigen Auenwäldern seit Jahren viele Krähen. Dort findet aber momentan die Renaturierung des Binnenkanals mit viel Bautätigkeit und unter den Augen vieler Zuschauer statt. Davon könnten sich die Tiere gestört fühlen, vermutet Altenburger. Mit Sicherheit sagen könne man dies jedoch nicht.