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Schiesssportzentrum Teufen deponiert die Bilanz

Sechs Jahre nach der Eröffnung des Schiesssportzentrums Teufen hat die Generalversammlung der Genossenschaft am Mittwoch beschlossen, die Bilanz zu deponieren. Vizepräsident Heinz Bolliger will das Zentrum dennoch retten.
Margrith Widmer
Das Schiesssportzentrum steht von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. (Bild: Ralph Ribi)

Das Schiesssportzentrum steht von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. (Bild: Ralph Ribi)

«Ich gebe noch nicht auf», sagt der Vizepräsident des Schiesssportzentrums (SSZ) und frühere Nationaltrainer vom Schweizerischen Schiesssportverband, Heinz Bolliger. «Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, dass das SSZ nicht geschlossen wird. Ich werde dem Konkursrichter ein Betriebskonzept vorlegen, damit das SSZ weiterhin Umsatz generieren kann.»

Unterstützt wird er von der Ausserrhoder Kantonspolizei. Sie sammelt Daten der geplanten Schiessausbildungen für das Betriebskonzept: «Die Kantonspolizei hat klar signalisiert, dass sie weiterhin Interesse an einem Weiterbetrieb de SSZ in Teufen hat.» Auch die Polizeikorps der St.Galler Kantons- und Stadtpolizei, der Innerrhoder Kantonspolizei und der Polizeischule Ostschweiz trainieren am SSZ.

Liquiditätsprobleme

Die SSZ-Generalversammlung beschloss mit 21 zu 14 Stimmen wegen Liquiditätsproblemen und Nichtgewährleistung der Unternehmensführung die Bilanz zu deponieren. Damit werde eine Überschuldung vermieden, sagt Finanzchef Hermann Blöchlinger. Zur Zeit ist das SZZ mit 150 000 Franken verschuldet; allein die Forderungen der Gemeinde betragen 100 000 Franken.

Heinz Bolliger suchte seit Monaten vergeblich einen neuen Präsidenten, zumal ihm beschieden worden war, «ein einheimisches Flaggschiff» wäre besser als jemand aus dem Kanton Zürich. Hermann Blöchlinger und Sekretär Urs Stähli traten aus dem Verwaltungsrat zurück. Heinz Bolliger stellte sich als Vizepräsident zur Verfügung; Bolliger, Heinz Rusch, Schwellbrunn, Präsident Vögelinsegg-Schiessen und Aktuar des Kantonalschützenverbands, sowie Heinz Meili, Präsident des Zürcher Schiesssportverbands, bilden den Verwaltungsrat.

«Traurig, traurig, traurig»

Heinz Bolliger plante eine Initiative, wonach die Gemeinde verpflichtet worden wäre, das Darlehen von 800 000 Franken in ein zinsloses Darlehen umzuwandeln, auf die Amortisation von 20 000 Franken pro Jahr zu verzichten und einen Betriebsbeitrag zu leisten. Damit hätten die Stimmberechtigten über die Zukunft des SSZ entscheiden können. Die GV lehnte seinen Antrag ab - 150 Unterschriften wären nötig gewesen.

2019 findet in Teufen das Kantonal-Schützenfest statt. Im SSZ soll die Disziplin 50-Meter-Gewehr geschossen werden. Die Schiesspläne stehen. «Das wäre eine Riesenblamage für Teufen», so Bolliger.

Das SSZ-Debakel

2012 wurde die in Schützenkreisen hoch gelobte Indoor-Anlage mit 10-, 25- und 50-Meter-Ständen für Luftdruck-, Kleinkaliber-, Pistole- und Combat-Schiessen eröffnet. Das SSZ wurde als erster Label-Standort der Schweiz durch den Schweizer Schiesssportverband (SSV) zertifiziert.

Geringer Glamour-Faktor

Bereits 2012 geriet das SSZ unter der ursprünglichen Verwaltung wegen massiver Baukostenüberschreitung in die Bredouille: Statt 1,85 Millionen kostete der Bau 3,15 Millionen Franken. Dabei hatte die Gemeinde offensichtlich übersehen, dass der Glamour-Faktor des Schiessens nicht so hoch ist wie jener des Fussballs. Die ursprüngliche Verwaltung rechnete mit 270 000 Franken Umsatz; erzielt wurden 120 000 Franken.

Die Gemeinde Teufen verpflichtete sich im Baurechtsvertrag, für 100 Jahre sämtliche Strom-, Wasser- und Abwasserkosten sowie einen Teil der Reinigungskosten zu übernehmen. Samt Darlehen und weiteren Beiträgen engagierte sie sich mit rund 3,2 bis 4,3 Millionen Franken.

Rückkauf-Angebot

Im April 2013 schlug die Gemeinde der Genossenschaft vor, das für sie ungünstige Baurecht für 660 000 Franken zurückzukaufen. Die Genossenschaft hätte das SSZ dann von der Gemeinde mieten können. Die Genossenschaft lehnte dieses Angebot zwei Mal ab.

Im Juni 2013 sanierte sich das SZZ «aus eigener Kraft». Die Zürcher Schiessportlegende Heinz Bolliger - er war 20 Jahre lang Nationaltrainer - steuerte 300 000 Franken bei - und übernahm das Vizepräsidium.

Die privaten Darlehensgeber verzichteten auf Zinsen und Amortisation - die Gemeinde nicht - sie schickte Rechnung um Rechnung und drohte mit Betreibung. Dazu kam es allerdings nicht.

Aber: Als Bolliger der Gemeinde eine Halbierung der Vertragsdauer auf 50 Jahre vorschlug, weigerte sich die Gemeinde.

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