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SCHIESSEREI IN REHETOBEL: "Das kann nicht sein, in einem so friedlichen Dorf"

Nach der Schiesserei in Rehetobel, bei der zwei Polizisten verletzt wurden und der Täter sich selbst tötete, prägen offene Fragen und Betroffenheit das Dorfleben.
Arcangelo Balsamo/Alessia Pagani
In diesem Haus wohnte der Schütze von Rehetobel. (Bild: Ralph Ribi)

In diesem Haus wohnte der Schütze von Rehetobel. (Bild: Ralph Ribi)

Das traurige Wetter passt zum Schauplatz: Der Wind pfeift um die Häuser, der Schnee wird aufgewirbelt, der Himmel ist wolkenverhangen. Vor dem Wohnhaus des 33-Jährigen Schützen von Rehetobel sind zwei St.Galler Kantonspolizisten im Einsatz. Mit dem Metalldetektor sucht einer von ihnen nach Munition. Es ist der Ort, an welchem sich der Schütze gestern nach stundenlangem Verhandeln mit der Polizei selbst gerichtet hatte. Im Bereich vor dem Wohnhaus ist eine Blutlache zu erkennen. Was als Hausdurchsuchung wegen einer vermuteten Hanf-Indooranlage begann, endete in einer blutigen Gewalttat mit zwei schwerverletzten Polizisten und einer Leiche. Der Täter war kein Unbekannter. Bereits 2003 war er in eine Schiesserei, damals in Heiden, involviert.

Er habe sich stets korrekt und anständig verhalten, so eine Person aus der Nachbarschaft: «Ein Mensch wie du und ich». Dementsprechend hätten sie auch keine Angst gehabt, dass ihnen etwas zustossen könne. Zu Beginn der Geschehnisse vom Dienstag seien sie noch im Haus gewesen, doch auf Anraten der Polizei verliessen sie es, noch bevor der Schütze sich selbst richtete. Wenn man sich in einem Wohnort Rehetobel nach dem 33-Jährigen erkundigt, geben viele an, ihn nicht gekannt zu haben. So auch Gemeindepräsident Peter Bischoff: «Meines Wissens war er nicht sehr bekannt im Dorf.» Eine mögliche Erklärung dafür liefert eine Passantin: «Weil der Täter in Heiden aufgewachsen ist, nehme ich an, dass er sich eher dorthin orientiert hat.»

"Er hat den Rank nie richtig gefunden"
In Heiden sieht die Sache anders aus. Dort ist der 33-Jährige Tat kein Unbekannter. Wirt und Gäste in einer Dorfbeiz erinnern sich: «Er hatte schon als Jugendlicher Probleme sich zu integrieren. Wenn man ihn in einer Gruppe sah, fiel er zwar nicht auf, doch man hatte auch nicht das Gefühl, dass er so richtig dazu gehöre.» Ausserdem sei er häufig «geträtzlet» worden von den anderen Kindern. «Er hat den Rank nie recht gefunden. Und kam relativ früh in Kontakt mit einer Waffe.» Des Öfteren habe man ihn mit seinem Töffli in Richtung Schiessstand fahren sehen, erinnert man sich. Die Restaurantbesucher versuchen nachzuvollziehen, was den Schützen zur Tat veranlasst haben könnte. «Er muss in die Enge getrieben worden sein», sagt einer. «In so einer Situation, macht man dann vielleicht Dinge, die man sonst nicht tun würde.» Allgemein beschäftigen die Besucher der Beiz viele Fragen: «Warum trugen die Polizisten keine Weste?», «In welcher Gemeinde ist nun, was genau passiert?», «Warum liess man den Verdächtigen während der Hausdurchsuchung nicht auf dem Polizeiposten zurück?», «Warum hat man ihm keine Handschellen angelegt?». Der Tenor:«Bei seiner Vorgeschichte hätte man ihn, auch nach seiner anfänglichen Bereitschaft zur Kooperation, nie aus den Augen lassen dürfen.» Von Leichtgläubigkeit seitens der Polizei ist die Rede.

In der gesamten Region herrscht vor allem eines: Betroffenheit. Viele haben Mitleid mit der Familie des 33-Jährigen. «Es tut mir unendlich leid für die Eltern und ich hoffe, dass es der Polizist, der gerade um sein Leben kämpft, schafft», so eine Passantin in Heiden. Auch der Gemeindepräsident Gallus Pfister ist mit seinen Gedanken bei den beiden Polizisten und deren Angehörigen sowie den Eltern des Schützens. «Es ist unglaublich, dass ein scheinbar kleines Delikt, in einer so dramatischen Eskalation endet.» Im Gegensatz zu den Restaurantbesuchern macht er der Polizei keine Vorwürfe. Sie habe tiptop reagiert. "Der Einsatz war vorbildlich", so Pfister. Die Gemeindemitarbeiter und die Bevölkerung erfuhren gestern nur nach und nach, vor allem aus den Onlinemedien, was sich im Appenzeller Vorderland abspielte. «Im ersten Moment dachte ich mir: 'Das kann ja nicht sein, wir leben in so einem kleinen und friedlichen Dorf'», so Peter Bischoff. «Das Wichtigste war für mich zu hören, dass der Täter lokalisiert wurde und somit keine Gefahr mehr für die Bevölkerung darstellte.»

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