Schatzkammer Natur auf Rädern

Mit einem Marktwagen wollen das Naturmuseum St. Gallen, das Landwirtschaftliche Zentrum Salez und der WWF St. Gallen im UNO-Jahr der Biodiversität die Schönheiten der Natur aufzeigen und falsche Bilder korrigieren.

Christoph Zweili
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Die Öffentlichkeit hat ein falsches Bild vom Zustand der Natur in der Schweiz. Laut Umfragen meint ein Grossteil, dass es der Natur gut geht. Die Realität sieht anders aus: Seit 1850 sind mehr als 70 Prozent der Auen, 90 Prozent der Moore und 95 Prozent der Trockenwiesen und -weiden verloren gegangen.

Auf Märkten und Messen

«Mit der fahrenden Schatzkammer wollen wir im UNO-Jahr der Biodiversität auf Märkten und Messen in der Region St. Gallen-Appenzell für die Schönheiten der Natur werben.

Wenn es gelingt, Betroffenheit auszulösen und lokale Initiativen anzustossen, um die Artenvielfalt zu fördern, ist das Ziel erreicht», sagt Projektleiter Jonas Barandun zum Kampagnenstart im Botanischen Garten. Im umgebauten Marktwagen riechen die Besucher an ätherischen Ölen, ertasten Samen oder ordnen Tierstimmen zu. Der WWF macht auf Anfrage Schulbesuche zu Auerhuhn, Fledermaus, Biber oder Bartgeier. Das Landwirtschaftliche Zentrum bietet Kurse für Schüler und Landwirte an.

Die Kampagnen-Webseite will nicht nur Veranstaltungen, Kurse und Exkursionen aufzeigen, sondern auch Plattform für den Dialog mit Fachleuten und für Projekte und Ideen sein, etwa seitens der Schulen. In Blogs, die im Laufe des Jahres aufgeschaltet werden, sollen auch wunde Punkte angesprochen werden – beispielsweise, wie viel wir für eine intakte Natur zu zahlen bereit sind.

«Kreatives Feld für Gemeinden»

Der St. Galler Regierungspräsident Josef Keller verweist auf die Anstrengungen zum Schutz von Arten und Lebensräumen im Kanton. Die Region Werdenberg mit zehn Moorlandschaften von nationaler Bedeutung gehört zu den botanisch reichhaltigsten der Schweiz. 81 von 85 St. Galler Gemeinden verfügen über eine rechtskräftige Schutzordnung, die den Schutz von Biotopen, Arten und Landschaften verbindlich regelt. Die St. Galler Bauern erhalten rund acht Mio. Franken, um das Kulturland zu pflegen und zu schützen.

«Die Möglichkeiten der Gemeinden sind weit grösser als die gesetzlichen Pflichten. Sie eröffnen ein kreatives Feld zur Förderung der Biodiversität», sagt Beat Tinner, Präsident der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten.

Hochmoor Salomonstempel, Trockenmauern in Wartau, Auenweiher Eselsschwanz, Amphibienlebensräume in Kirchberg, Biberaktion in Jonschwil: die Liste von Naturschutz-Projekten im Kanton ist lang.

Biodiversität könne nur im Zusammenspiel von Ökologie, Natur, Forst, Wasserbau und Landwirtschaft umgesetzt werden, sagt Beat Tinner. Laut Patrick Roth, Co-Präsident von WWF St. Gallen, ist die Freiwilligenarbeit bei der Umsetzung wichtig – «Natur- und Umweltschutz rangiert auf Platz drei hinter Sport und Sozialem».

www.schatzkammer-natur.ch

Die vordergründig schönen Facetten der Natur trügen: Bei der Biodiversität hat die Schweiz keinen Podestplatz. (Bilder: pd)

Die vordergründig schönen Facetten der Natur trügen: Bei der Biodiversität hat die Schweiz keinen Podestplatz. (Bilder: pd)

Aktuelle Nachrichten