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Scharmützel um alte Lehrmittel

Um den Lehrplan 21 ist nach der Einführung ruhig geworden. Jetzt kommt dennoch Kritik aus dem Kantonsrat. Unter anderem geht es um fehlende Lehrmittel. Doch die Lehrer haben andere Sorgen.
Andri Rostetter
Die Politik bemängelt alte Lehrmittel, doch der Lehrerverband hat andere Sorgen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Politik bemängelt alte Lehrmittel, doch der Lehrerverband hat andere Sorgen.
(Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Schon bald vier Jahre ist es her, seit das St. Galler Amt für Volksschulen den Startschuss für den Lehrplan 21 gegeben hat. Im Oktober 2015 machten sich die Schulen daran, das Projekt umzusetzen. Das Ziel: Die 21 Deutschschweizer Kantone sollen ihre Volksschule mit dem gemeinsamen Lehrplan harmonisieren – ein Heilmittel gegen den pädagogischen Kantönligeist sozusagen. Das Projekt wurde zum Erfolg. Die Einführung gilt als gelungen, aus der Lehrerschaft sind kaum Klagen zu hören.

Kritik kommt nun von anderer Seite: Im St. Galler Kantonsparlament wurde eine Interpellation eingereicht, die einen Rückstand des Kantons bei der Einführung des Lehrplan 21 diagnostiziert. Bis heute gebe es Lücken in der Umsetzung, heisst es darin. In verschiedenen Bereichen fehlten Vorgaben, in gewissen Fächern gar die passenden Lehrmittel. So sei etwa das Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) bereits eingeführt worden, das Lehrmittel soll aber erst im Lauf dieses Jahres verfügbar sein. Andere Kantone hätten zudem für die Beurteilung klare Vorgaben erstellt und diese bei der Einführung des Lehrplans zur Verfügung gestellt. Im Kanton St. Gallen werde dagegen noch immer mit dem Konzept «Fördern und Fordern» aus dem Jahr 2008 gearbeitet. Die Interpellanten stören sich auch daran, dass die Absenzen nicht mehr im Zeugnis aufgeführt werden können.

«Unkoordiniertes Vorgehen»

Der Fragenkatalog der Interpellation listet die Versäumnisse Punkt für Punkt auf. An einer Stelle heisst es etwa: «Warum wurden wichtige Instrumente und Lehrmittel nicht vor der Einführung des Lehrplan 21 bereitgestellt? Hätte diese Vorleistung nicht die Arbeit der Lehrpersonen massiv unterstützt und begleitet?» An anderer Stelle werden die Kosten thematisiert: «Ist sich die Regierung bewusst, welche Kosten bei den Schulträgern durch das teils unkoordinierte Vorgehen entstanden sind?»

Der Vorstosst ist nicht nur breit abgestützt, er kommt auch direkt aus dem schulischen Umfeld. Eingereicht wurde er von den Kantonsräten Raphael Frei (FDP), Ruedi Blumer (SP), Sandro Wasserfallen (SVP) und Luzia Krempl-Gnädinger (CVP). Zwei Protagonisten sind vom Fach: Frei und Wasserfallen sind Oberstufenlehrer, Frei arbeitet zudem als Schulleiter. 48 Ratsmitglieder haben das Papier mitunterschrieben, darunter weitere Ratsmitglieder mit beruflicher Verbindung zur Schule – etwa der Rorschacher SP-Kantonsrat und Schulpräsident Guido Etterlin.

«Dramatik ist nicht nachvollziehbar»

Im Kantonalen Lehrerverband (KLV-SG) hat man den Vorstoss mit Überraschung zur Kenntnis genommen. Denn mit dem Verband abgesprochen war er nicht, wie Co-Präsident Daniel Thommen durchblicken lässt. Probleme mit dem Lehrplan 21 sieht Thommen ohnehin keine – zumindest keine gravierende. «Die Dramatik, die in diesem Vorstoss transportiert wird, ist nicht nachvollziehbar», sagt er. Klar gebe es bei einem solchen Projekt immer Optimierungsbedarf. «Aber Lehrer sind Profis, die wissen sich zu helfen.»

Thommen sieht die Lehrplan-Einführung in der Summe als Erfolgsgeschichte. Der Lehrerverband sei stets mit einbezogen worden, der Prozess transparent gewesen. «Wir dürfen dem Bildungsdepartement ein Kränzchen winden.» Und wie tönt es an der Basis? «Wir haben keine Klagen, was diese Vorstösse betrifft. Das heisst für uns: Es läuft. Hingegen sehen wir bei ERG durchaus Handlungsbedarf.» Gemeint ist das Fach Ethik, Religion und Gemeinschaft.

Laut Thommen drückt die Lehrer der Schuh an einem ganz anderen Ort: Das Lohnniveau ist nach wie vor nicht dort, wo es der Lehrerverband gern hätte. «Seit 2011 hat es keine generelle Lohnentwicklung mehr gegeben.» Es gehe den Lehrerinnen und Lehrern nicht ums Jammern, sondern um die Wertschätzung. «Wir haben zur Gesundung der Staatsfinanzen beigetragen, wir haben alle Sparrunden mitgetragen. Aber zurückgekommen ist bis jetzt nichts», kritisiert Thommen. «Das sagen wir nicht als Lehrerverband – sondern als Teil des Staatspersonals.» Der Verband sähe es deshalb lieber, das Kantonsparlament setzte in diesem Bereich ein deutliches Zeichen, statt sich in Scharmützel um alte Lehrmittel zu werfen.

Noch offen ist, wann sich die Kantonsregierung zum Vorstoss äussert. Die nächste Möglichkeit hat sie in der Junisession nach Pfingsten.

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