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Glosse

Schäfli ungeschoren: Der Schlüsselbund fürs Bundesratsleben

Das RAV verschärft die Vorschriften für Arbeitssuchende: Jobs sind grundsätzlich immer anzunehmen, ganz egal, was einem angeboten wird, ganz unwesentlich, ob man dafür qualifiziert ist, und ganz nach dem nationalen Vorbild der neuen Bundesräte, die den Job in einem ungeliebten Departement nicht ausschlagen dürfen.
Roland Schäfli
(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Bundesräte müssen die Departemente nehmen, die man ihnen gibt. Selbst ihre Wahlfeier erhielten sie nicht zu Hause, sondern in den Kantonen, die man ihnen zuwies. Die Bundesräte übernehmen von ihren Vorgängern den Schlüsselbund fürs Amtszimmer. Viola Amherd (VA) entschuldigt sich beim Uniformierten, der sie zum VBS-Büro geleitet, aus Militärunkenntnis kenne sie leider seinen Grad nicht. Der Mann erklärt, er sei ein Bundesratsweibel.

Simonetta Sommaruga (SS) übergibt feierlich die EJPD-Augenbinde an Karin Keller-Sutter (KKS). Nicht, weil sie nun Justitia verkörpere, sondern weil man in diesem Departement vieles nicht sehen wolle. KKS findet in der Ablage «Eingang» rund 1000 unbearbeitete Dossiers von renitenten Asylbewerbern und im «Ausgang» zwei Ausschaffungen.

VA erwischt Guy Parmelin (GP) bei seiner Fahnenflucht: Er wollte die Standarte mitzügeln. Da sie ausser beim Versand eines Fresspäcklis noch nie mit Militär zu tun hatte, hätte sie gern alle schriftlichen Dossiers. Er hat sie bereits alle zu Papierfliegern verarbeitet. Ob er das Porträt seines Grossvaters nicht mitnehme? Nein, ruft er beim Wegrennen, er wolle das Bild von General Guisan nicht mehr.

Doris Leuthard (DL) gibt SS die UVEK-Betriebsanleitung. Es sei wie der Aescher: zu viele Kunden auf zu schlechter Infrastruktur. Sind dies die Schalthebel der Macht? Nein, sagt DL, von hier aus müsse sie bei Stellwerkstörung im Bahnhof Olten die Weiche stellen. SS stellt sich ein Windrädchen auf den Tisch, da sie mit viel Gegenwind rechnet.

Ignazio Cassis (IC) hat sein Büro zwischen das der SVP-Bundesräte verlegt, weil er doch die Mitte vertrete – die Mitte der SVP. Der Weg zum EDI-Office liegt neu am Gang, der «Alleingang» heisst.

Im WBF-Büro: GP übernimmt Johann Schneider Ammanns (JSA) Schlafmaske für den kleinen Powernap und beginnt umgehend, die Standortattraktivität durch Tapetenwechsel zu verbessern. Den Bundesordner «Agroscope Tänikon» hat JSA noch im Zero-Waste-Papierkübel entsorgt.

Da das VBS 23 Jahre in SVP-Hand war, muss VA erst mal alle Fingerabdrücke abwischen. GP hat auf der Wand Strichli gemacht, wie oft er bis zum Zügeln noch schlafen muss. Auf dem Computer hinterliess er eine Warnung: «Achtung vor Cyber-Angriffen! Jede Woche Passwort ändern! Und alle drei Jahre das Departement!»

SS lässt als erste Amtshandlung eine Drehtür einbauen. Da Windenergie-Gegner im Stundentakt rotieren, wird deren nervöse Energie in sauberen Strom umgewandelt. Ob sie auch für Serien zuständig sei, fragt ein Mitarbeiter. Ja, als Medienministerin sei sie auch für Serien zuständig. Gut, sagt der Mitarbeiter, denn wir haben bei der SBB eine Pannenserie.

VA findet auf ihrer To-Do-Liste ganz oben «Bodluv». Bodenluftabwehr ist endlich etwas, das sie aus dem Wallis kennt: im Hochsitz in der Luft die Wölfe am Boden abwehren.

IC beklagt sich bei der Postministerin SS, die interne Post war nicht pünktlich bis 12.30 Uhr im Fächli, er erwarte dringende Mitteilungen der SVP.

Zuletzt werden die Dienstfahrzeuge übergeben. SS erhält den Tesla von DL; es reute sie, die Vignette schon gekauft zu haben. JSA überträgt GP seine Vielflieger-Meilen. Der überlässt seinerseits VA ein gepanzertes Fahrzeug für Truppentransporte, den «Schüpa». VA erwidert, sie verstehe nichts vom Militär, aber sie habe doch schon einen Jupe aa?

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