Schädlinge
Stellenweise sieht der Boden aus wie Emmentaler: Es gibt zu viele Mäuse im Thurgau

Der strenge Winter kommt den Thurgauer Bauern gelegen. Sie hoffen, dass er die Mäuseplage eindämmt. Genau weiss man das aber erst im Frühling.

Ida Sandl
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Klein, aber schädlich: Die Feldmaus.

Klein, aber schädlich: Die Feldmaus.

Bild: Bernd Stuhlmann

Man mag sie herzig finden oder ekelig: Mäuse sind für viele Bauern ein Problem. Eine regelrechte Mäuseplage hat der Thurgau gerade erlebt. «Auf manchen Feldern kommen bis zu 300 Tiere auf eine Hektare», sagt Florian Sandrini, er leitet die Abteilung Pflanzenbau und Umwelt am BBZ Arenenberg.

Florian Sandrini ist Leiter der Abteilung Pflanzenbau und Umwelt am BBZ Arenenberg.

Florian Sandrini ist Leiter der Abteilung Pflanzenbau und Umwelt am BBZ Arenenberg.

Bild: Reto Martin

Je mehr Mäuse, umso grösser der Schaden, den sie anrichten. «Ab 100 Mäusen pro Hektare wird die Bekämpfung im Grünland schwierig», sagt Sandrini. Sie nagen an den Wurzeln der Gräser. Bei sehr starkem Befall sehe der Boden aus wie Emmentaler. Entsprechend kleiner fällt die Ernte aus.

Nicht alle Regionen sind gleich betroffen: Die Gegend um Tänikon bei Aadorf sei seit Jahren geradezu ein Paradies für Mäuse. Auch hier fällt Sandrini ein Phänomen auf: der Mäusezyklus. Hat die Mäusedichte eine Spitze erreicht, bricht sie zusammen. In Tänikon von 300 Mäusen pro Hektare auf 150, also immer noch viel zu viele. Die Population sinke aber weiter, was hoffen lasse.

Mehr Mäusefallen und Mäusegift verkauft

Die Thurgauer Landi-Filialen haben die Mäuseplage ebenfalls gespürt. Es seien mehr Fallen und es sei auch mehr Mäusegift verkauft worden, sagt Sandra Grossenbacher, Mediensprecherin von Landi Schweiz.

Klagen über Schäden, die Mäuse angerichtet haben, sind auch Jürg Fatzer zu Ohren gekommen. Er ist Geschäftsführer des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. Dazu hat er selber beobachtet, dass es mehr Mäuse gibt. Fatzer hat dafür eine Erklärung: Es fehlen die Füchse. Im vergangenen Jahr habe er fast keinen Fuchs mehr beim Mäusejagen gesehen.

Fehlen die Räuber, vermehrt sich die Beute

Roman Kistler, Amtsleiter Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Thurgau.

Roman Kistler, Amtsleiter Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

«Ein gewisser Zusammenhang besteht schon», sagt Roman Kistler, der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwalter. Der Fuchsbestand sei tatsächlich eingebrochen. Die beiden Krankheiten Staupe und Räude hätten viele Füchse dahin gerafft. Sorgen macht sich Kistler aber deshalb nicht. Die Natur regelt auch hier vieles von selber. Ist der Tisch mit Beute reichlich gedeckt, wird auch die Zahl der Räuber wieder steigen. Sprich, viele Mäuse geben auch wieder mehr Füchse.

Vor allem dürfte der vergangene milde Winter den Mäusen zu Gute gekommen sein. Sandrini sagt:

«Das warme Wetter hat ihnen wohl ein bis zwei Würfe mehr ermöglicht.»

Dabei sei die Population stellenweise bereits vorher hoch gewesen.
Dieser Winter ist streng und dass es schon im Herbst kalte Nächte gegeben hat, sei vielversprechend. Allerdings wird man erst im Frühling genau wissen, wie gut die Mäuse durch den Winter gekommen sind. Einen Kurs zur Bekämpfung von Mäusen hat das BBZ jedenfalls für Frühjahr schon mal auf dem Plan. Unter dem Vorbehalt, dass dies wegen Corona überhaupt möglich ist.

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