Schadenfälle
Haben Sie Ihre Balkontöpfe und Gartenmöbel gut gesichert? Nein? Das könnte passieren

Ein Windstoss und schon kippt der Blumentopf auf dem Fenstersims im vierten Stock um. Schäden oder verletzte Personen sind wahrscheinlich – doch wer kommt für den Schaden auf und wie sieht das rechtlich aus?

Jolanda Riedener
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Es war einmal ein Basilikum: Überresten des Tontopfs und Totalschaden an einem Auto.

Es war einmal ein Basilikum: Überresten des Tontopfs und Totalschaden an einem Auto.

Bild: Jolanda Riedener (November 2016)

Ein Abend wie immer. Herbst, Regen, Wind. Ich bin alleine zu Hause. Dann plötzlich ein Knall. Ich gehe in die Küche, blicke zum Fenster und weiss Bescheid. Es fühlt sich an wie ein Stich in die Brust. Ich erstarre, bekomme kalte Finger, schwitze. Dann laufe ich die knarrigen Stufen im St.Galler Jugendstilwohnhaus runter. Nach vier Stockwerken komme ich zum Innenhof: Unser Basilikum hat das Dach eines parkierten BMW eingedrückt, die Scheiben sind zerschmettert. Der Tontopf ist in viele Teile zerschellt, nur das ausgeschossene Basilikum thront auf dem kaputten Auto.

Der Besitzer ist Pizzalieferant: Geschockt und voller Angst, er müsse den Schaden bezahlen. Zwei Passanten sind wütend:

«Spinnt ihr? Es hätte jemand verletzt sein können!»

Oder noch schlimmer, denke ich.

Wir hatten Glück. Riesiges Glück. Das sagt auch die Angestellte des Haftpflichtversicherers, nachdem sie die Bilder gesehen hat. Das weiss man doch! Man darf doch nicht. Das ist doch gefährlich, sagt sie.

Es ist ein Erlebnis aus WG-Zeiten, das mich klüger gemacht hat. Meine Erfahrung möchte ich deshalb zu Beginn der Topfpflanzen-, Balkon- und Terrassensaison weitergeben.

Haftpflichtversicherung kann sich lohnen

Urs Kröpfli ist Fachanwalt SAV Haftpflicht- und Versicherungsrecht bei den SEK Advokaten in Frauenfeld. Um beim Beispiel mit dem Blumentopf zu bleiben: Wer den Schaden am Auto übernimmt, ist nicht eindeutig zu beantworten und je nach Situation und Umständen unterschiedlich.

Urs Kröpfli, Fachanwalt Haftpflicht- und Versicherungsrecht in Frauenfeld.

Urs Kröpfli, Fachanwalt Haftpflicht- und Versicherungsrecht in Frauenfeld.

Bild: PD

Laut Kröpfli gilt es in einem solchen Fall, die Frage nach Haftung und Verschuldung zu klären. In der Regel haftet, wer anderen einen Schaden zufügt. Im Fall des zerstörerischen Basilikums gilt es zu klären, ob das Handeln des Mieters oder Eigentümers leicht oder grob fahrlässig war.

Wie sicher waren die Behältnisse befestigt? Stand der Topf hinter einem Geländer? Oder hätte ihn der kleinste Windstoss bereits umgekippt? Vielleicht war das Behältnis sogar mit dem Gebäude verbaut? Dann müsste allenfalls der Gebäudeeigentümer infolge Kausalhaftung aufkommen: Er muss die Haftung übernehmen, auch wenn er den Schaden nicht selbst verschuldet hat.

Ausserdem ist in diesem Beispiel vorstellbar, dass der Eigentümer selbst für den Schaden an seinem Auto aufkommt, sagt Urs Kröpfli. Wenn dieser zum Beispiel kaskoversichert ist. Gestützt wird dies durch den Rechtsgrundsatz «Casum sentit Dominus», was übersetzt so viel heisst wie «den Zufall trägt der Eigentümer» oder «wer den Schaden erleidet, muss ihn tragen».

Versicherung lohnt sich in jeder Lebenssituation

Eine Haftpflichtversicherung ist in der Schweiz nicht obligatorisch. «Eine Privathaftpflichtversicherung abzuschliessen, ist in jeder Lebenssituation empfehlenswert», sagt Kröpfli. Denn die Versicherung unterstützt nicht nur bei Schadensersatz, sondern auch bei der Abwehr, zum Beispiel, wenn man zivilrechtlich angeklagt wird. Das kann schnell ins Geld gehen.

Haftbar ist, wer jemandem gewollt oder ungewollt Schaden zufügt. Das gilt auch, wenn Personen, Tiere oder Sachen, für die man die Verantwortung trägt, einen Schaden gegenüber Dritten verursachen.

Bei der Entscheidung, wer für den Schaden verantwortlich gemacht wird, spielt die Schadenshöhe keine Rolle. Ob es nur um ein paar Franken geht oder gar jemand ums Leben gekommen ist, macht demnach keinen Unterschied. Bei besonders tragischen Vorfällen neige das Gericht jedoch eher dazu, auf der Seite der geschädigten Person zu stehen.

Befestigen Sie Ihre Terrassenmöbel, Töpfe und Grills

Ich hatte übrigens nicht nur Glück, dass unser Basilikumtopf niemanden verletzt hat. Sondern auch, dass ich nicht für den Schaden aufkommen musste – einzig einen Selbstbehalt von 200 Franken musste ich bezahlen. Die Versicherung setzte sich gleich am nächsten Morgen mit dem Geschädigten in Verbindung und kümmerte sich um alles.

Deshalb: Schliessen Sie eine Privathaftpflichtversicherung ab, falls Sie noch keine haben. Die gibt es schon für unter 100 Franken jährlich. Und: Befestigen Sie Ihre Töpfe und Gartenmöbel gut, vor allem, wenn Sturm angesagt ist.