Kantone haben wenig zu sagen: So fährt die Bahn ihr Angebot in der Ostschweiz wieder hoch

Der komplexe Bahnfahrplan muss sich erst wieder einpendeln: Die Regionalbahnen fahren ihr Angebot ab heute wieder hoch.

Christoph Zweili
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Die Regionalbahnen gehen zurück zum Normalfahrplan: Ab 11.Mai gibt es ein Schutzkonzept für Reisende und Mitarbeiter – Details werden diese Woche bekannt.

Die Regionalbahnen gehen zurück zum Normalfahrplan: Ab 11.Mai gibt es ein Schutzkonzept für Reisende und Mitarbeiter – Details werden diese Woche bekannt.

Bild: Ralph Ribi

Frohe Kunde für die Pendler: Die SBB fahren ihr in Zeiten von Corona ausgedünntes Angebot ab heute Montag etappenweise wieder hoch. Nachdem Gartencenter, Coiffeursalons oder Blumenläden wieder öffnen dürfen und zwei Wochen später die Mittel-, Berufs- und Hochschulen folgen werden, müssen laut der Vorgabe des Bundes ab 11. Mai alle Bahnbetreiber wieder ihr normales Angebot fahren.

Es gibt allerdings Ausnahmen: sogenannte taktüberlagernde Verbindungen in der Hauptverkehrszeit, der internationale Personenverkehr, touristische Verkehre und Nachtkurse. Warum der IC1, der derzeit nur zwischen Zürich und Freiburg fährt, ab heute Montag zwar wieder zwischen Zürich und Genf Flughafen verkehrt, nicht aber im Abschnitt Zürich–St.Gallen, bleibt offen. Umgekehrt wird das Angebot zwischen Zürich HB und Kreuzlingen, der Interregio IR75, wieder gefahren. Die SBB bleiben die Begründung schuldig: Die Fachleute seien mit der Umsetzung des Angebotsausbaus beschäftigt, für Abklärungen sei keine Zeit, heisst es auf Anfrage.

Die Kantone, die am Dienstag über das gestaffelte Hochfahren informiert wurden, haben wenig zu sagen. Aufgrund der ausserordentlichen Lage sind die SBB bei der Schiene und die Postauto AG bei der Strasse die Systemführer. «Wir können lediglich Anträge stellen, über die dann SBB oder Postauto zusammen mit dem Bundesamt für Verkehr entscheiden», sagt Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen. Unschön sei, dass es in der Ostschweiz – «anders als auf nationaler Ebene» – keine zentrale Ansprechorganisation gebe. Die einzelnen Transportunternehmen informierten alle für sich.

Regionalbahnen fahren ab 11. Mai wieder das volle Programm

Die Regionalbahn Thurbo wartet mit dem Hochfahren noch zu: «Wir haben aber die wichtigsten Linien auch nicht reduziert», sagt Werner Fritschi, Bereichsleiter Markt. Für den Thurgau wichtig sei, dass der IR75 wieder verkehre: «Dieser Zug hat in Weinfelden einen guten Anschluss nach Amriswil–Romanshorn–Arbon–Rorschach (S7) und in Kreuzlingen an die Seelinie auf beide Seiten (S8).» Die Hauptetappe sei der 11. Mai, sagt Fritschi: «Ab diesem Tag fahren wir Montag bis Freitag wieder das volle Programm, Samstag und Sonntag bleibt es reduziert, da von Ausflügen nach wie vor abgeraten wird.» Auch an den Wochenenden gibt es eine Ausnahme: Die S35 zwischen Winterthur und Wil fährt schon ab 16./17. Mai das volle Programm. «Voraussichtlich ab Montag, 8. Juni, fahren wir dann Montag bis Sonntag wieder alles.»

«Mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen gehen wir am 11. Mai in einem Schritt wieder in den Vollbetrieb», sagt Christopher Hug, Mediensprecher bei der Südostbahn. Während man bei Thurbo davon ausgeht, mit dem etappierten Hochfahren über genügend Personal zu verfügen, reagiert die SOB vorsichtig: «Das ist abhängig davon, ob sämtliche Mitarbeitenden, die zur Risikogruppe gehören, für den Betrieb wieder vollständig zur Verfügung stehen», sagt Hug. Nur mit dem vollständigen Personalbestand könne man den Vollbetrieb sicherstellen.

Ab 8. Juni fahren Appenzellerbahnen wieder den üblichen Fahrplan

Mit 200 Mitarbeitenden können die Appenzellerbahnen in der Krise rasch reagieren. Für das «relativ überschaubare Unternehmen» sei das in Zeiten von Corona ein Vorteil: «Wir haben es in kurzer Zeit geschafft, das Angebot aufgrund der gesunkenen Nachfrage anzupassen», sagt Mediensprecherin Erika Egger. In einem ersten Schritt bieten die Appenzellerbahnen ab heute Montag während der Hauptverkehrszeiten einzelne zusätzliche Verbindungen auf der Linie Trogen–St.Gallen an. «Ab 11. Mai fahren wir auf den Hauptlinien wieder den Halbstundentakt», sagt Egger. Ab 8. Juni werde wieder «der übliche Fahrplan mit den Verbindungen im Viertelstundentakt» angeboten. Aber: Das Nachtangebot und die Erlebnisfahrten seien bis zum 8. Juni gestrichen.

Die Umstellung in den Städten könnte noch schneller gehen, wie das Beispiel St.Gallen zeigt. Dort will Ralf Eigenmann, Leiter der Verkehrsbetriebe, bereits voraussichtlich ab 4. Mai wieder zurück zum normalen Fahrplan finden, sagte der Unternehmensleiter, gegenüber dieser Zeitung (Ausgabe vom 22. April).

Fahrplanwechsel 2021 mit Einschränkungen

Bis im Juni will die öV-Branche kommunizieren, wann und wie der Fahrplanwechsel 2021 ablaufen soll, denn der Fahrplan kann im Coronajahr nicht in vollem Umfang wie üblich Mitte Dezember gewechselt werden. «Die notwendige Infrastruktur für den Fahrplan 2021 steht noch nicht überall zur Verfügung», sagt Amtsleiter Ruggli. «Der Baubetrieb war zum Teil eingeschränkt oder unterbrochen.» Ferner könne neues Rollmaterial, das für den Fahrplan 2021 nötig sei, nicht oder nur verzögert abgeliefert werden. Zum Teil hätten Testfahrten nicht stattgefunden oder es hätten die Personalschulungen für das neue Rollmaterial nicht stattfinden können.