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SBB-Chef Andreas Meyer am St.Galler Bahnhofsfest: «Wenn die Passagierzahlen stimmen, kommt die Bahn automatisch in Fahrt»

Die Visitenkarte der Stadt St.Gallen, der neue Bahnhof, ist eingeweiht. Die Behörden wünschen sich in einem nächsten Schritt den 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn auf Stadtgebiet, doch dafür ist das Passagieraufkommen noch zu klein. Beobachtungen am Sofa-Talk mit «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid und prominenten Gästen.
Christoph Zweili

Die binäre Uhr, das illuminierte Kunstwerk am Tor zum wichtigsten Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz, mag polarisieren. Für Stadtpräsident Thomas Scheitlin gehört sie mit zum Schönsten am neuen Bahnhof St.Gallen. Das verrät er Tagblatt-Chefredaktor Stefan Schmid auf dem Sofa inmitten einer illustren Gästeschar in der alten Schalterhalle. Die St.Galler Bauchefin Maria Pappa ist erst ein Jahr im Amt und schon kann sie «dank zehn Jahren Vorlauf» den neuen Bahnhof einweihen. «Wir sind urban, eine gute, schöne Stadt mit Ausstrahlung», sagt sie und verweist auf andere sehenswerte «Kleinigkeiten» wie den Roten Platz mit dem verdeckten Ferrari und andere «textile Dinge», die es zahlreich in der Gallusstadt zu entdecken gibt. Und wer hätte es gedacht?

SBB-CEO Andreas Meyer (Bildmitte) am Sofa-Gespräch zur Bahnhofseröffnung mit der St.Galler Bauchefin Maria Pappa und Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

SBB-CEO Andreas Meyer (Bildmitte) am Sofa-Gespräch zur Bahnhofseröffnung mit der St.Galler Bauchefin Maria Pappa und Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Andreas Meyer ist bratwurstaffiner als man meinen möchte: Der SBB-Chef ist zwar stolz auf seinen 80-Millionen-Bahnhof an der wichtigsten West-Ost-Verbindung in der Schweiz mit der neuen, lichtunterstützten Unterführung, privat hat es ihm aber der neue Wurststand «im Herzen der Stadt» am meisten angetan, wie er in der Talkrunde zur Bahnhofseröffnung am Freitag verrät. «Lieblingsbahnhöfe» hat er schon mehr als ihm lieb ist.

Damann: «Der Vollknoten ist enorm wichtig»

Mit der warmen Wurst im Papiersack reist Meyer von St.Gallen nach Zürich, wenn er sich denn hier dem Dialog mit der Bevölkerung einmal stellt. Das dauert zwar schon seit den 1970er-Jahren noch immer über eine Stunde, wie ihm Schmid mehrere Male vorhält, für den SBB-CEO ist das aber hauptsächlich eine Frage der Frequenzen. «Fahren Sie mehr Zug», fordert er unverblümt. Und: «Wenn die Passagierzahlen stimmen, kommt die Bahn automatisch in Fahrt.»

Auf diese vage Zusage vertraut Volkswirtschaftschef Bruno Damann lieber nicht: Er erinnert in der Bahnhofshalle an die schon mit Bahn 2000 versprochenen schnelleren Verbindungen aus der Ostschweiz Richtung Zürich, «ein Versprechen, das nie eingelöst wurde. Für uns ist der Vollknoten enorm wichtig», betont er. Verkehrsministerin Doris Leuthard habe ihm verbindlich zugesagt, das St.Galler Anliegen im Ausbaupaket 2035 aufzunehmen. «St.Gallen ist kein Endbahnhof», wird Meyer von der vereinten St.Galler Fraktion in Erinnerung gerufen. «Wir sind die Drehscheibe Richtung München.»

Die Stadtbahnhöfe besser anbinden

Meyer räumt zwar ein, dass diese West-Ost-Achse wichtig ist, «die wegen der Anbindung an das Hochgeschwindigkeitsnetz wichtigste Verbindung der Schweiz», aber es harze mit der Elektrifizierung auf der deutschen Seite. Dann wagt sich der SBB-Chef noch weiter vor: «Es sind fünf Konzernmitglieder hier – wir wären sogar beschlussfähig», sagt er. Flugs will Chefredaktor Stefan Schmid daraufhin die Veranstaltung für fünf Minuten unterbrechen, damit Meyer die Stadtbahnhöfe besser mit der S-Bahn St.Gallen erschliessen und sich für das dritte Gleis zwischen Gossau und St.Gallen, massgebend für den 15-Minuten-Takt, entscheiden kann. Unter dem Druck der St.Galler knickt Meyer dann aber ein: Er verweist auf eine «Milchbüchleinrechnung» und eine Gesamtsicht, die er in den nächsten Monaten zuerst machen will.

Die Zugfrequenzen sind auch Bruno Damann ein Anliegen: «Der Deckungsgrad ist ein verbindlicher Indikator beim öffentlichen Verkehr im Kanton.» Die S-Bahn entwickle sich positiv, «aber nicht im erhofften Tempo». Und an die Adresse von Maria Pappa sagt der Volkswirtschaftschef klar: «Für ein drittes Gleis ist das Passagieraufkommen heute noch zu klein.»

Für Stadtpräsident Thomas Scheitlin ist die Stossrichtung klar: «Wir müssen die Stadtbahnhöfe besser mit dem Hauptbahnhof verbinden. Nur so können wir das Busnetz entlasten.» Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Heute passieren täglich 80 000 Passagiere den Bahnhofplatz. Im Jahr 2030 werden 110 000 Passagiere erwartet und es werden täglich 70 Züge der Appenzellerbahn und 2300 Busse über die grösste Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz verkehren.

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