Sargans wächst am stärksten

Die Bevölkerung in Kaltbrunn oder Sargans wuchs seit 2010 um über acht Prozent. Die Gründe für diese Entwicklung liegen ausserhalb des Kantons St. Gallen. Der Siedlungsdruck aus Zürich hat einen starken Einfluss.

Andreas Kneubühler
Drucken
Teilen

Dass die Bevölkerung stetig wächst, ist fast schon ein Gemeinplatz. Im Kanton St. Gallen zeigt sich die Entwicklung seit 2007 ausgeprägt: Seither waren es jährlich stets mindestens 3500 Personen mehr; den grössten Zuwachs gab es 2008 mit 5215 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Neue Überbauungen

2013 dürfte die Grenze von einer halben Million überschritten werden, Ende 2012 lebten 498 412 Personen im Kanton. Welches sind die Gründe für den Zuwachs? Fragt man bei zwei Gemeinden nach, die in den letzten beiden Jahren überdurchschnittlich gewachsen sind – Kaltbrunn und Sargans – zeigt sich zumindest eine Erklärung: der Siedlungsdruck aus Zürich.

In Sargans wuchs die Wohnbevölkerung von 2010 auf 2012 um 8,3 Prozent an. In konkreten Zahlen bedeutet dies eine Zunahme um 451 Personen auf nun 5887 Einwohnerinnen und Einwohnern. Allein von 2011 auf 2012 lag das Wachstum bei 5,9 Prozent. In den Auflistungen des kantonalen Amts für Statistik ist dies der höchste Wert aller St. Galler Gemeinden. Die Erklärung für die Entwicklung hat Gemeindepräsident Jörg Tanner: «Es wurde sehr viel gebaut.» Unter anderem seien die Pensionskassen sehr aktiv gewesen und hätten in Immobilien investiert.

Startschuss für die Entwicklung waren die beiden Überbauungen Bahnhofpark und Bushof. Sie haben das Gesicht der Gemeinde verändert – «der erste Eindruck ist heute viel urbaner», sagt Tanner. Vorher sei einem Besucher vor allem die alte Markthalle aufgefallen, wenn er am Bahnhof ausgestiegen sei. Zu den Vorteilen von Sargans zählt – neben den Bodenpreisen – vor allem die gute Verkehrsanbindung. 58 Minuten dauert die Bahnfahrt zum Zürcher Hauptbahnhof. Die Gemeinde spüre denn auch den Siedlungsdruck aus Zürich, sagt Tanner. Er vermutet, dass sich der Pendlerstrom in den letzten Jahren verändert habe: Weniger nach St. Gallen, mehr nach Zürich.

Raumplanung gibt Takt vor

Geht das Wachstum der Gemeinde so weiter? «Nein», sagt Tanner, «die Raumplanung gibt uns den Takt vor». Es werde kein weiteres Land mehr eingezont. «Wir sind rasant gewachsen.» Diese Entwicklung müsse nun zuerst konsolidiert werden. Eine weitere Bevölkerungszunahme würde zusätzliche Investitionen verlangen: für die Schulen und für die Bewältigung des Individualverkehrs innerhalb der Gemeinde. Bei den Schülerzahlen sei bereits 2011 der prognostizierte Stand von 2015 erreicht worden, illustriert der Sarganser Gemeindepräsident die Entwicklung.

Zuzüger aus Schwyz

Einen ähnlichen Wachstumsschub erlebte in den letzten beiden Jahren Kaltbrunn. Von 2010 bis 2012 legte die Wohnbevölkerung um 8,6 Prozent zu. Ist ebenfalls der Siedlungsdruck aus Zürich der Grund dafür? «Nur indirekt», sagt Gemeindepräsident Markus Schwizer. «Es gab vor allem viele Zuzüger aus dem Kanton Schwyz, die sich dort das Wohnen wegen der hohen Bodenpreise nicht mehr leisten konnten.» In Kaltbrunn seien viele Eigentumswohnungen gebaut worden, inzwischen aber auch Mietwohnungen. Die Bodenpreise seien bereits angestiegen, die Entwicklung werde deshalb kaum so weitergehen. Bisher habe der Boom wenig Auswirkungen gezeigt, sagt Schwizer. Die Käufer von Eigentumswohnungen seien nicht Familien mit den vielen Kindern.

Die Verlierer

Vergleicht man die Bevölkerungsentwicklung der St. Galler Wahlkreise fällt eine Region auf: Zwar ist auch die Bilanz des Wahlkreises Toggenburg für 2010 bis 2012 positiv: Die Zunahme beträgt aber nur 0,4 Prozent. Sie ist vor allem der Entwicklung in Kirchberg zu verdanken, wo 348 Zuzügerinnen und Zuzüger für ein Wachstum von 4,2 Prozent sorgten. Von den zwölf Gemeinden des Wahlkreises weisen sieben einen negativen Saldo aus. Im ganzen Kanton gibt es 14 Gemeinden mit abnehmender Bevölkerungszahl – die Hälfte davon liegt im Toggenburg.