Sarah Bösch kehrt der SVP den Rücken

Am Ende ist sich die Wiler SVP-Fraktion einig: Sie beschliesst einstimmig, Sarah Bösch auszuschliessen. Die Reaktion der Stadtparlamentarierin lässt nicht lange auf sich warten: Sie hat genug von der SVP – und tritt aus der Partei aus.

Regula Weik
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Mario Schmitt Wiler SVP-Fraktionschef (Bild: Philipp Haag)

Mario Schmitt Wiler SVP-Fraktionschef (Bild: Philipp Haag)

WIL. Ist die Wiler SVP-Fraktion prüde, gutgläubig oder gar naiv? Fraktionschef Mario Schmitt verneint – und er hält ganz klar fest: Sarah Bösch sei weder einzig über ihre Tiraden gegenüber der Polizei noch über die offenen Fragen rund um ihre frühere Tagesstätte für behinderte Kinder in Wädenswil noch über ihren Auftritt in den Boulevardmedien gestolpert. Grund für ihren Fraktionsausschluss sei einzig und allein: «Sarah Bösch hat keine internen Abmachungen, keine Zusagen und Auflagen eingehalten.» Ihr Ausschluss habe nichts mit den externen Vorwürfen und Anschuldigungen ihr gegenüber zu tun – «wir lassen uns dadurch nicht unter Druck setzen», sagt Schmitt.

Der Fraktionschef hatte Bösch lange gestützt. «Jeder hat eine zweite Chance verdient», sagt er. Sarah Bösch habe diese gehabt – und verspielt. «Die Vorkommnisse der vergangenen Wochen liessen eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zu. Unabdingbare Basis dafür ist ein ungestörtes Vertrauensverhältnis.» Dann verlässt Schmitt die Stimme. Erkältungsbedingt.

Rücktritt folgt auf Rücktritt

Die kritisierte Stadtparlamentarierin scheint ihr Schicksal geahnt zu haben: Kurz vor Beginn der Fraktionssitzung gab sie ihren Rücktritt bekannt. Das anschliessende Verdikt des Gremiums war eindeutig: Es beschloss einstimmig, sich von Sarah Bösch zu trennen. Die 33-Jährige war erst Anfang März zu den Wilern gestossen und hat inzwischen an zwei Parlamentssitzungen teilgenommen. Sie wolle aktiv politisieren und bei den drängenden Themen der SVP ein gewichtiges Wort mitreden – am liebsten an vorderster Front.

Das wird sie auch nach dem Fraktionsausschluss tun. Sie bleibt als Fraktionslose im Wiler Stadtparlament – und dies auch künftig kaum als «stille Hinterbänklerin», wie sie stets kundtat. «Für die Fraktion ist sie zwar verloren, als Stimme im Parlament aber nicht», sagt Schmitt. Sarah Bösch werde weiterhin «rechtsbürgerlich» politisieren, ist er überzeugt. «Sie ist eine Vollblut-SVP-Politikerin.»

Am Nachmittag hat sich dann auch das SVP-Kapitel für Sarah Bösch erledigt. Sie teilt ihren Austritt aus der SVP Wil und der kantonalen SVP mit. «Es gibt den Moment, wo man unabhängig, loyal und authentisch sein Leben weiter bestreiten möchte und muss.» Auf Rückfrage tönt sie munter wie eh und je: «Selbstverständlich» verbleibe sie im Wiler Stadtparlament – nun eben als Parteilose, als «rechte und liberale Politikerin».

«Nicht Detektiv spielen»

Die Wiler SVP-Fraktion hatte den Präsidenten der Kantonalpartei um Unterstützung in der vertrackten Situation gebeten, und so war Herbert Huser an der ausserordentlichen Fraktionssitzung als «Mediator» mit dabei. Nimmt die Kantonalpartei die Wiler nach den Vorfällen der vergangenen Wochen nun an die kürzere Leine? «Dazu besteht weder eine Möglichkeit noch eine Notwendigkeit», sagt Huser. Die Fraktion der Wiler SVP habe den Fall Bösch «sauber, fair und absolut sachlich» behandelt.

Auf die Frage, ob die Partei nun einen Kriterienkatalog für die Rekrutierung von politischem Personal erstelle, meint Huser: «Unsere Aufgabe ist, Politik zu machen, und nicht, Detektiv zu spielen.» Ein solcher Fall lasse sich kaum je ganz ausschliessen; als Partei müssten sie sich darauf verlassen können, von Bewerbern für politische Ämter korrekt und vollständig informiert zu werden. Hat der Fall Bösch der Politik oder gar der SVP geschadet? «Dummheit und Einfalt sind keine Privilegien von Politikern und kommen in allen Parteien vor», sagt Huser.

Sarah Bösch Wiler Stadtparlamentarierin (Bild: pd)

Sarah Bösch Wiler Stadtparlamentarierin (Bild: pd)

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