Salzkorn
Zu den Bescheidenen wird hinaufgeschaut

Jo Siffert starb vor 50 Jahren. Die Schweiz verlor eine Sportikone.

Daniel Wirth
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Online - Leben - Kolumnen - Salzkorn

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Taulant Xhaka hat seinen Bruder Granit mit einem knallgelben Lamborghini ins Camp der Schweizer Fussballnationalmannschaft chauffiert. Als ob das interessierte, war es Anfang Woche eine Schlagzeile. Die Kicker fahren Boliden, die sich 99 von 100 Fans nie im Leben leisten können. Und sie zeigen sie stolz.

Ein Schweizer Sportler anderen Formats, der schnelle Autos und das Risiko geliebt hatte, verlor vor 50 Jahren sein Leben: Jo Siffert. Im Alter von 35 verunglückte der Rennfahrer in Brands Hatch. Die Schweiz war geschockt. Das Land verlor eine Ikone. «Seppi», wie er von Freunden genannt wurde, hatte zwei Formel-1-Rennen gewonnen. An seiner Beerdigung säumten über 50000 Menschen die Strassen seiner Heimatstadt Fribourg. Das Schweizer Fernsehen strahlte die Trauerfeier aus.

Jo Siffert war enorm populär. Der Spätbremser sah gut aus; nach hinten gekämmtes halblanges Haar, Schnurrbart, meist eine Pilotenbrille im lächelnden Gesicht. Doch nicht deswegen schaute man zu ihm hinauf. Jo Siffert war die Bescheidenheit in Person.