SALZKORN
Wenn der Goalie mit der Regenbogenbinde durch den Strafraum hechtet

Politische Statements auf dem Fussballplatz sind hierzulande verpönt. Die Schweizer Natikicker haben subtilere Methoden, um ihre Meinung auszudrücken.

David Angst
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Politische Statements von Fussballerinnen und Fussballern finden alle super und mutig, solange sie gleicher Meinung sind. Wenn ein Goalie mit einer Regenbogenbinde durch den Strafraum hechtet, ist dies mehrheitsfähig. Offenbart er aber eine Haltung, die der Community gegen den Strich geht, wird er öffentlich grilliert. Die Schweizer haben sich wenigstens diesbezüglich zurückgehalten.

Das war 1995 noch anders, als Sutter und Co. vor dem Spiel ein Leintuch mit der Aufschrift «Stop it Chirac» entrollten. Heute ist die Nati neutral. Es sei denn, man würde ihr demonstratives Nichtsingen der Landeshymne als politisches Statement interpretieren.

Andere Nationalteams singen jeweils lauthals mit, weil sich das einfach so gehört. Ein Volkskundler äusserte am Radio sogar die Vermutung, dass es sich die Spieler einiger Länder gar nicht leisten könnten, nicht zu singen. Der Druck sei viel zu gross. Die Schweizer widerstehen diesem Druck. Und setzen damit ein Zeichen für ein Grundrecht eines freien Menschen in einem freien Land. Für das Recht, nicht zu singen.