Glosse

Salzkorn

Die Asiatische Körbchenmuschel hat es bis in den Bodensee geschafft. Eine St.Galler Künstlerin sammelt die schädlichen Exotinnen ein - und erschafft damit etwas Betörendes.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Am Bodensee breiten sich Fabeltiere aus. Kinder reiten auf aufblasbaren Einhörnern, auf fetten Riesenenten, Flamingos und anderen Gummiviechern über den Wellen. Stand-up-Paddler pflügen über den See, so viele wie noch nie, und bedrohen mit ihren sperrigen Brettern die Vögel im Schilf.

Auch unter Wasser gibt es Neuzuzüger, die anderen den Platz streitig machen. Die Asiatische Körbchenmuschel ist als blinde Passagierin mit Frachtschiffen eingereist und bedrängt einheimische Arten.

Die St.Galler Künstlerin Andrea Vogel hat am Bodenseeufer in Arbon Tausende Körbchenmuscheln eingesammelt. Und die sogenannten Neozoen zu einem riesigen Teppich zusammengefügt – derzeit in der sehenswerten Ausstellung «Geiler Block» in Arbon zu bestaunen. Das faszinierende Gebilde schimmert sandfarben, grau, oliv und schokoladenbraun. Der Muschelteppich hat eine meditative Wirkung wie ein buddhistisches Mandala. Ein schädliches Geschöpf fügt sich zu einem ästhetischen Bild. So schön kann die Zerstörung sein.