Salzkorn

«Esst mehr Fritten!», heisst es in Pommes-enthusiastischen Belgien. Die Aufforderung hat einen traurigen Hintergrund.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Wer gute Pommes frites essen will, muss nach Belgien reisen, wo die Frittenbuden zum Kulturgut gehören. Die Kartoffelstäbchen, die dort in Papiertüten geschaufelt werden, sind dicker und haben eine sattgoldene Kruste. Sie zu essen, gilt im frittenversessenen Land als Akt der Solidarität. Denn wegen des Coronavirus ist der Absatz zusammengebrochen. Die Bauern bleiben auf hunderten Tonnen Erdäpfeln sitzen, denen nun die Vernichtung droht. Ihr Aufruf an die Bevölkerung: «Esst mehr Fritten!» Eine Spezialdiät in besonderen Zeiten.

Den Herdöpfel zu Diätzwecken zu verwenden, ist nicht einmal so abwegig. Die Österreicherin Ulrike Haunschmid verwandelte ihr Gasthaus 1989 in eine Kartoffelpension, in der sie Kartoffeldiäten anbot. Wie sie in ihrem Buch «Erdapfel – das Universalgenie» darlegt, hilft die Kartoffel gegen Bluthochdruck, Migräne und Herzerkrankungen. Zudem hat sie schon Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt. Ob als Rösti, Gschwellti oder Gratin: Höchste Zeit, die tolle Knolle zu würdigen.

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