Glosse

Salzkorn

In der Sendung «10vor10» werden Interviews auf Schweizerdeutsch geführt. Das diskriminiert fremdsprachige Zuschauer.

Urs Bader
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Die meisten von uns sind im Hochdeutschen ein wenig geniert. Es ist halt eine Art Fremdsprache. Trotzdem, man versteht uns sogar jenseits des Rheins. Und mit unseren Tessiner und welschen Landsleuten verständigen wir uns in der Not auch auf Hochdeutsch (oder Englisch!), ebenso mit Fremden in unserem Land. Schweizerdeutsch, Hochdeutsch? Das News-Magazin «10vor10» hat in dieser Frage eine eigene Praxis, die immer wieder von neuem irritiert. Moderiert wird es auf Hochdeutsch, sodass wohl der Grossteil der Zuschauer versteht, worum es in den Beiträgen geht.

Stösst aber ein Interviewgast dazu, wird auf Schwizzertütsch in all seinen mehr oder weniger verständlichen Dialekten gewechselt. Warum? Traut man den ohnehin meist akademisch gebildeten Gästen Hochdeutsch nicht zu? Wäre ziemlich arrogant. Und was ist mit den Fremdsprachlern vor den TV-Geräten, die sich auch für den Weltenlauf interessieren? Wie meinte ein Nachbar kürzlich: «Weisch, wolle au verstehe, was sait Epidomologo. Hai capito?»