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Selbsthilfeliteratur - was man zuerst gelesen haben muss. 

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Ich denke zu viel. Lieben heisst wollen. Nach der Trennung kommt das Glück. Männerseelen. Die Angst des Mannes vor der starken Frau. Männer, erfindet euch neu. Vom Jein zum Ja. Die Liebe – Psychologie eines Phänomens. Bestellungen beim Universum. Männer verstehen für Dummies. Change mich am Arsch.

Es gibt wenig Amüsanteres als ein vorweihnachtlicher Spaziergang durch die Ratgeberabteilung einer Buchhandlung. Selbsthilfebücher, soweit das Auge reicht.

Es ist ein rituell funktionierendes Geschäftsmodell: Gib dem Kunden das Gefühl, er habe ein Problem – möglichst kraft eines tiefschürfenden Buchtitels.

Schwupps kauft er dein Buch.

Die Dynamik ist betörend. Zwischen den Buchdeckeln winkt ein neues Leben. Ein anderes, ein besseres, ein glücklicheres. Das Leben der Person, die man gerne wäre.

Ob Esoterik oder Selbstbehauptung: Selbsthilfeliteratur ist die Illusion von Nahrung für die geschundene Seele. Und das alles, ohne einen Fuss in eine Kirche setzen oder sich auf eine Psychologencouch legen zu müssen.

Daran ist nichts auszusetzen. Grundvoraussetzung ist aber sicherlich, erst dieses Buch gelesen zu haben: «Selbsthilfeliteratur effektiver nutzen.»

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