Glosse

Salzkorn

Über die Globalisierung, des Reisenden stete Begleiterin - und was das mit Matthias Claudius zu tun hat. 

Urs Bader
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(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

«Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen», dichtete Matthias Claudius vor über 200 Jahren. Doch schon sein Reisender kehrte desillusioniert heim. Er «fand es überall wie hier» und hat nur Menschen angetroffen «grade so wie wir, und ebensolche Narren».

Diese Erkenntnis hat die Reiselust der Menschen bisher nicht gebremst, die Herbstferien machen es erneut deutlich. Dabei wusste der Dichter noch nichts von Globalisierung. Der heutige Reisende kann vor allem dies vermelden: Ja, sie hat stattgefunden – und schreitet weiter voran. Die Welt wird uniform. Wer eine abgelegene Ecke zum touristischen Geheimtipp erklärt, macht sich zum Mittäter der Globalisierung. Weil der privilegiertere Teil der Weltgesellschaft sich dort bald auch auf den Zehen herumtrampelt – mit allen Begleiterscheinungen.

Vielleicht wird uns die Einsicht des Reisenden von Matthias Claudius gelegentlich aber doch eher zur Raison bringen als die Flugscham: «Narren.»