Salzkorn
Ein Hobby für Faule

Gartenprofis tun so, als müsse man keinen Finger rühren, um ein grünes Paradies zu schaffen.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Wer einen wildromantischen Garten will, muss nicht viel tun. Es reicht, in der Hängematte zu dösen, den Panamahut nonchalant über die Stirn gezogen. Das suggerieren Gartenprofis wie der Teufner Remo Vetter in seinem Buch «The Lazy Gardener». In der aktuellen «Coop-Zeitung», die ihn als «Kräuter-Papst» feiert, posiert er beim Gärtnern im weissen Anzug im Kräutergarten vor dem «Hof Weissbad».

Auch Naturschützer raten, das Gartenwerkzeug öfter an den Nagel zu hängen und weniger zu tun. Es sei ein ideales Hobby für Faule. Wenn man der Natur freien Lauf lasse, würden Igel, Distelfink und Blindschleiche von allein in den Hausgarten kommen. Das ist etwa so, wie wenn ein Bäcker einem Stubenhocker ein Fitnessbrot verkauft und verspricht, er werde davon fit.

Auch ein buntes, scheinbar wildes Insektenparadies muss man bändigen. Aus einem eintönigen Rasen wird nicht automatisch eine blühende Magerwiese. Wer ernten will, muss gegen Schnecken und Wühlmäuse vorgehen. Wenn man die invasive Ackerwinde nicht jätet, überwuchert sie den ganzen Garten im Nu und erstickt alle anderen Pflanzen. Vielleicht hat der «Lazy Gardener» ein paar fleissige Heinzelmännchen.

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