Salzkorn
Die Big-Air-Schanze in Peking: Endzeitdystopie oder Symbol für Nachhaltigkeit?

Sie steht mitten in einem Industrieviertel vor vier gigantischen Kühltürmen: Die Big-Air-Schanze in Peking. Wie die einigermassen spezielle Szenerie aufgefasst wird, ist auch eine Frage der Perspektive.

David Grob
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Illustration: Corinne Bromundt

Die Big-Air-Schanze an den Olympischen Spielen in Peking bot ein einigermassen absurdes Bild: im Vordergrund Freeskier, die durch die Luft wirbeln, im Hintergrund vier gigantische Kühltürme aus Beton. Gesteigert wurde der Gesamteindruck nur noch aus der Vogelperspektive: dürre Schornsteine, rostige Lagerhallen, braune Brachflächen und dazwischen die weisse Schanze – ein Bild wie aus einer Endzeitdystopie. Die Szenerie im Industriepark Shougang wirkt wie die Fotomontage eines Konzeptkünstlers, der die olympische Nachhaltigkeit parodieren will.

Die Schanze steht mitten im Industriepark Shougang. (Bilder: Screenshot ORF/Salvatore di Nolfi, Keystone)

Doch wie so oft ist alles eine Frage der Perspektive und der Narrative: Es gibt auch jene Bilder, welche die Schanze farbig beleuchtet zeigen, die Kühltürme als imposante Hintergrundkulisse inszeniert. Olympia als Industrial Design. Die Organisatoren betonen denn auch, die Schanze stehe für Nachhaltigkeit. Schliesslich werde ein Industriegelände zum Freizeitort umfunktioniert. Die Schanze soll auch nach den Spielen fortbestehen. Spätestens dann wird sich zeigen, wie nachhaltig der Bau tatsächlich ist.