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Säntis-Classic: «Gümmelen ist noch immer ein Volkssport»

Zum 20. Mal fuhren tausende Velorennfahrer durch die ganze Ostschweiz. Die Faszination für das Zweirad scheint ungebrochen. Bei den Fahrern war die Stimmung bestens - trotz einem Unfall und langer Wartezeit.
Raphael Rohner

Während andere Gipfeli und Zopf holen, drängen sich am Sonntagmorgen um acht Uhr in Weinfelden hinter der Eishalle schon hunderte Velofahrer um in den sommerlich-warmen Morgen zu starten. Es riecht nach Kettenöl, Perskindol und frischem Kaffee: Insgesamt rund 1500 Velofahrerinnen und Velofahrer wagen sich an diesem ersten Juni-Wochenende zur traditionellen Velorundfahrt «Säntis-Classic» von Weinfelden zur Schwägalp und wieder zurück. Die ersten Fahrergruppen stehen mit ihren Velos am Start und warten auf die Streckenfreigabe. Gestartet wird in Leistungsgruppen. Hier stehen Boliden aus Carbon, Aluminium und anderen High-Tech-Materialien Seite an Seite.

Wer sich die Eckdaten der mittlerweile 30. Rundfahrt ansieht, schluckt ziemlich sicher leer: 130 Kilometer Strecke mit rund 1800 Höhenmetern. Am Start wünscht kein geringerer als der Thurgauer Veloprofi Stefan Küng den Fahrern viel Glück. Auch er startet am Säntis Classic und wird mit der Spitzengruppe die restlichen Hobby-Athleten einholen.

Daniel Markwalder, Franco Marvulli und Stefan Küng vor dem Start. (Bild: Raphael Rohner)

Daniel Markwalder, Franco Marvulli und Stefan Küng vor dem Start. (Bild: Raphael Rohner)

Angefangen als Velotour unter Freunden

Vor 20 Jahren war nicht daran zu denken, dass hier einmal Teilnehmerrekorde erzielt werden, erinnert sich der 48-jährige OK-Präsident Daniel Markwalder: «Ich habe irgendwann damit begonnen, kleine Velotouren zu organisieren und dann kamen immer mehr Leute dazu.» Dieses Jahr waren einige Startkategorien schon mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Bei der Gesellschafskategorie ohne Zeitlimite wurden gar die Tricots knapp: «Gümmelen ist halt noch immer ein Volkssport», sagt Markwalder.

«Zudem verschwinden immer mehr Velo-Vereine und die Leute wollen gemeinsam ihr Hobby leben», Markwalder grüsst einen Velo-Kollegen aus seiner Vergangenheit und geht zum Start. Man müsse sich eben für seine Passion engagieren. Dieses Jahr habe man auch bewusst auf junge Radsport-Förderung gesetzt und extra Kinder-Velorennen ins Leben gerufen:

Wer am Säntis Classic startet, fährt in der Regel nicht das erste Mal: Einzelne Velofahrer reissen schon kurz nach dem Start aus den Grüppchen und ziehen davon. In den Gruppen wird gemütlich ausgetauscht darüber, wer woher ist und wer warum welches Velo fährt. Kilometer vergehen und es geht langsam in Richtung Wil.

Die ersten Kilometer führen durch das Thurgau. (Bild: Raphael Rohner)

Die ersten Kilometer führen durch das Thurgau. (Bild: Raphael Rohner)

Einige ambitionierte Fahrer legen die Rundfahrt in geführten Gruppen zurück, die eine strikte Minimalgeschwindigkeit verlangen. Die schnellste Gruppe fährt mit mindestens 26 Stundenkilometern dem Bergpass entgegen und wieder hinab. Auf der Strecke werden die Velofahrer von Motorrädern und Begleitfahrzeugen eskortiert. Unter anderem halfen Motorrad-Vereine und freiwillige Helfer mit. Diese stehen an gefährlichen Stellen in der Strasse und halten für kurze Momente den Verkehr auf.

Die Strecke führt durch die ganze Ostschweiz. (Bild: Raphael Rohner)

Die Strecke führt durch die ganze Ostschweiz. (Bild: Raphael Rohner)

Keine Scherze mehr und ein lockerer Küng

Mit den modernsten Geräten des Zweiradsports ausgerüstet, kämpfen sich die Fahrerinnen und Fahrer von Weinfelden über Wil, ins Toggenburg bis Krummenau und vo da an den Stutz hinauf zur Schwägalp. Während im Tal die Fahrer noch häufig miteinander redeten, wurde es beim Anstieg plötzlich sehr still. Nur noch das Schnaufen der Velofahrer und das Surren der Fahrräder auf dem Asphalt ist zu hören. Hinten macht jemand einen Scherz, niemand lacht wirklich.

Zu konzentriert sind die Gemüter, jetzt nicht schlapp zu machen. Während die Hobby-Gümmeler im Anstieg alle Kräfte mobilisieren, zieht Stefan Küng entspannt mit dem Velo vorbei, schaut kurz auf sein Mobiltelefon und verschwindet hinter der nächsten Kurve: «Bei dem sieht das schon mega locker aus», sackert ein Hobby-Rennvelofahrer und tritt wieder in die Pedale.

Zwischenposten Passhöhe Schwägalp auf 1300 Metern über Meer. (Bild: Raphael Rohner)

Zwischenposten Passhöhe Schwägalp auf 1300 Metern über Meer. (Bild: Raphael Rohner)

Endlich auf der Passhöhe der Schwägalp angekommen, müssen die Rennvelofahrer warten. Die Passstrasse musste wegen eines Unfalls gesperrt werden. Unbehagliches Warten bei den Hobby-Athleten und den Spitzengruppen, die mittlerweile aufgeholt haben. Die Veranstalter verteilen Getränke und Essen. Die verbissenen Fahrer tigern nervös mit ihren Klick-Schuhen auf dem Teer auf und ab. Dann geht es nach rund anderthalb Stunden weiter.

Zieleinfahrt nach 130 Kilometern im Sattel. (Bild:Raphael Rohner)

Zieleinfahrt nach 130 Kilometern im Sattel. (Bild:Raphael Rohner)

Ein grosser Erfolg – trotz einem Unfall

Die Tour führt von der Passhöhe der Schwägalp wieder zurück nach Weinfelden, wo im Ziel schon die Musik spielt. Während sich die Velofahrer zur geglückten Fahrt gratulieren, telefoniert der OK-Präsident Markwalder nervös mit der Polizei. Ein Velofahrer verunfallte am Sonntag auf der Passstrasse beim Rossfall, kurz vor Urnäsch. Als Markwalder das Telefon auflegt, ist er etwas erleichtert: «Der Fahrer hat Gott-sei-Dank nur eine Gehirnerschütterung und ist ausser Lebensgefahr.»

Die Sicherheit seiner Fahrer sei ihm enorm wichtig, sagt er. Darum habe man so ein grosses Sicherheitsdispositiv und mobile Sanitäter überall auf der Strecke. Trotz des Zwischenfalls zieht Markwalder eine positive Bilanz: «Es war ein traumhafter Tag, das Wetter hat ideal mitgemacht. Die Stimmung der Fahrerinnen und Fahrer ist wunderbar und ich bin froh, dass es so ein schöner Tag war.» Am Besucherrekord wie im vergangenen Jahr anknüpfen zu können, glaubt er nicht. Damals waren alle Kategorien restlos ausverkauft. Auch im nächsten Jahr soll das Säntis Classic in gewohnter Manier Muskelkater und ein unvergessliches Erlebnis in die Ostschweiz bringen.

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