Russen suchen Marken und Münzen

Heute beginnt in Wil die internationale Rapp-Auktion für Briefmarken, Münzen und Kunstobjekte. Erwartet werden vornehmlich reiche Russen, leidenschaftliche Sammler und hohe Gewinne.

Julia Barandun
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WIL. «Russen sind extrem patriotische Sammler», sagt Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsleiterin des Auktionshauses Rapp. Vergleichbar seien sie höchstens mit den Chinesen. Das Interesse der Russen an Russischem sei gross – egal, ob Briefmarken, Münzen oder Kunstobjekte. Vor allem Sammelobjekte im hohen und höchsten Preissegment seien sehr gefragt (Ausgabe vom 21.11., Seite Wirtschaft).

«Dieses Jahr werden es wohl über hundert russische Mitbieter sein.» Laut der Rapp-Geschäftsleiterin werden die meisten Sammler per Telefon oder übers Internet an der Auktion teilnehmen, aber viele werden auch persönlich anwesend sein. Dabei bieten sie dann und wann wohl auch bei Münzen oder Marken aus Nachbarländern mit, aber ihr Interesse gilt primär Objekten aus dem eigenen Land.

Schillernde Persönlichkeiten

Die Russen seien sowohl Sammler aus Leidenschaft als auch Kapitalanleger, sagt Marianne Rapp Ohmann. Das Wiler Auktionshaus kennt seit der Öffnung des Landes russische Kunden – vorher sei dies gar nicht möglich gewesen. Wenn sie ein wertvolles russisches Objekt im Angebot hatten, war das Interesse schon vor zehn Jahren gross. Inzwischen gibt es aber auch in Russland ein breiteres Publikum, das sich für Briefmarken und Münzen als Sammel- und Investitionsobjekte interessiert.

An ihren russischen Kunden fällt Marianne Rapp immer auf, wie «positiv und lebensfroh» diese seien. Es handle sich um angenehme, kultivierte, aber auch schillernde Persönlichkeiten. «Sie haben eine ausgeprägte Liebe zu schönen Sachen.» Diese Liebe merke man den Frauen auch an, die oft in luxuriösen Kleidern und Schmuck an die Auktion kämen. Auch in Zukunft dürfe man mit russischen Sammlern in Wil rechnen. Das Interesse werde anhalten, ist Rapp überzeugt: «Zum einen wegen der speziellen Beziehung der patriotischen Sammler zu schönen Dingen, zum anderen, weil die Nachfrage gross, das Angebot aber klein ist.»

Russische Marken mit Makeln

Es gebe wenige hochwertige russische Briefmarken auf dem Markt, und es sei schwierig, diese zu finden, sagt Marianne Rapp. Es sei ihnen aber gelungen, eine bedeutende Briefmarkensammlung aus der Sowjetunion zu finden. Darunter seien viele Briefmarken mit Makeln, etwa Fehldrucke oder fehlende Zähnungen, die sie umso kostbarer machten. Einzigartigkeit, die ihren Preis hat: Der Wert der Sammlung wird auf über 100 000 Franken geschätzt. Der künftige Besitzer dürfte dafür ein Vielfaches dieses Betrages bezahlen.

In den letzten 44 Jahren hat Auktionator und Hausgründer Peter Rapp Briefmarken und Münzen für insgesamt über eine halbe Milliarde Franken versteigert. So auch dieses Jahr: Unter seiner Leitung werden zahlreiche Briefmarken und Münzen den Besitzer wechseln.