Ruhe vor dem Sturm der Marktöffnung

Immer mehr Ostschweizer Elektrizitätswerke treten Energieplattformen bei, um für die vollständige Liberalisierung des Strommarktes gerüstet zu sein. Es geht um den Gewinn von Know-how – und um den Einkauf von günstigem Strom.

Adrian Vögele
Drucken

Wer oder was ist Abonax? Schon manch ein Ostschweizer wird sich die Frage gestellt haben. Der Name hat zweifellos etwas mit Energie zu tun, treten doch immer mehr lokale Elektrizitätswerke (EW) der Organisation bei, die dahinter steht.

Abonax, ein schweizweit tätiges Unternehmen, verkauft Dienstleistungen rund um die Energieversorgung. Es bietet eine Plattform für Stromversorger, die sich für die vollständige Liberalisierung des Strommarktes fit machen wollen.

Seit drei Jahren ist Abonax in der Ostschweiz aktiv und hat bereits elf lokale Elektrizitätswerke – so genannte Endversorgungsunternehmen (EVU) – als Partner gewonnen.

Ihr Hauptkonkurrent in der Ostschweiz ist die Energieplattform der st. gallisch-appenzellischen Kraftwerke (SAK) – mit mittlerweile 14 EVU.

EVU brauchen Marketing

Interessant sind die Angebote der Energieplattformen nicht zuletzt für kleinere Stromversorger. Wird der Strommarkt 2014 vollständig geöffnet, ist es definitiv vorbei mit Monopolstellungen – spätestens dann müssen die EVU ihre Stromprodukte vermarkten und um den Kundenstamm kämpfen. Dazu kommen etwa technische Herausforderungen, zum Beispiel Neuerungen im IT-Bereich, oder neue administrative Pflichten, die die Stromversorger mit der Liberalisierung zu meistern haben. Das Know-how dazu bieten den EVU diese Energieplattformen.

Stromeinkauf im Hinterkopf

Dass es aber um mehr geht als nur um fachlichen Beistand, lässt die Tatsache vermuten, dass sich hinter den Energieplattformen grosse Stromproduzenten gegenüberstehen: Abonax arbeitet mit den Bernischen Kraftwerken (BKW) zusammen, die SAK mit der Axpo. Abonax-Geschäftsführer Romano Zgraggen beteuert: «Unsere Partner sind völlig frei, von welchem Lieferanten sie ihren Strom beziehen wollen.

» Und Adriano Tramèr, Leiter Energiewirtschaft und Vertrieb bei den SAK, meint: «Der Wettbewerb zwischen den beiden Plattformen spielt sich momentan nur im Bereich der Dienstleistungen ab.» Es gehe aber mittelfristig auch darum, dass die EVU im Plattform-Verbund günstig Strom einkaufen könnten – vorzugsweise beim Produzenten, mit dem die Plattform zusammenarbeitet.

Bis anhin spielt der Markt in diesem Bereich kaum. Seit 2009 können Grosskunden ihren Stromlieferanten selber wählen, doch kaum jemand wechselt den Anbieter – zu gering sind die Anreize. Doch Tramèr ist überzeugt: «Der Wettbewerb auf dem Ostschweizer Strommarkt wird sich verschärfen.»

Aktuelle Nachrichten