RÜSTUNGSINDUSTRIE: Feuer im Dach

KREUZLINGEN. Die Schweizer Rüstungsindustrie schlägt Alarm. Besonders die Mowag in Kreuzlingen fürchtet sich vor einem Exportverbot für Rüstungsgüter.

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Ein Schweisser bei der Arbeit an einer Panzerwanne. In der Mowag arbeiten über 500 qualifizierte Facharbeiter. (Bilder: Reto Martin)

Ein Schweisser bei der Arbeit an einer Panzerwanne. In der Mowag arbeiten über 500 qualifizierte Facharbeiter. (Bilder: Reto Martin)

In anderen Zeiten suchen solche Firmen die Öffentlichkeit nicht. Werbung machen sie sparsam, und nur selten lassen sie fremde Leute in ihre Produktionsräume. Aber jetzt geht es ums Überleben: Die Mowag lebt ausschliesslich von der Produktion von Panzerfahrzeugen. Damit wäre Schluss, sollte am 29. November die GSoA-Initiative angenommen werden. Und deshalb ist hier zurzeit jeder Besuch willkommen. Selbst aus der Westschweiz reisen Journalisten nach Kreuzlingen.

Hier stieben die Funken

Die Thurgauer Wagenschmiede ist durchaus eine Reise wert. Schon in der ersten Montagehallen, stieben die Funken, wohin man auch schaut. Hier werden die Panzerwannen geschweisst und geschliffen. Hoch oben auf einem der stählernen Ungetüme kniet ein Arbeiter und schleift die Kanten. Der Mann trägt ein Gstältli, das mit Karabinerhaken und Drahtseil an einem Kran angebunden ist. Er sieht aus wie eine Marionette.

Im Raum nebenan wird einem richtig futuristisches Spektakel geboten. Männer in Overalls und Helmen mit heruntergeklapptem Visier bearbeiten mit dem Schweissbrenner rohe Stahlplatten. Die Schweisser erinnern ein wenig an Astronauten. Dazu passt auch der Schlauch, den sie am Rücken tragen. Er kommt aus einem Kästchen, das hinten am Gürtel hängt, und mündet am Hinterkopf in den Helm: die Frischluftzufuhr.

Das tonnenschwere Stahlgehäuse, das der Mann bearbeitet, ist an einem mächtigen Roboterarm befestigt und lässt sich vom Schaltpult aus bequem nach allen Seiten drehen. Das blaue Licht des Schweissbrenners macht das Schauspiel perfekt.

540 qualifizierte Facharbeiter

Unter den 850 Mowag-Mitarbeitern sind 540 qualifizierte Facharbeiter: Schweisser/Schlosser, Fahrzeugelektriker, Mechaniker, Monteure, aber auch diverse andere handwerkliche Berufsleute (etwa Sattler und Schreiner).

Diese Männer haben alle eine abgeschlossene Berufsausbildung und verstehen ihr Handwerk. «Trotz ihrer hohen Kompetenz fänden die meisten von ihnen keinen vergleichbaren Job, wenn die Mowag ihre Tore schlösse», sagt Heinz König, Mitglied der Direktion am Standort Kreuzlingen. Die Schweizer Rüstungsindustrie kämpft mit einer PR-Offensive um ihre Zukunft.

Der Appell ist eindringlich: «Es gibt zwar in der Schweiz nur wenige grosse Exporteure im Rüstungsbereich. Aber wir sind längst nicht die einzigen, die von einem Verbot betroffen wären. Nach einer Erhebung von Swissmem wären rund 550 Schweizer Firmen mit insgesamt 10 000 Mitarbeitern betroffen», erklärt Heinz König den Besuchern. Die Mowag träfe es besonders hart.

«Wenn das Exportverbot angenommen wird, gehen in Kreuzlingen auf einen Schlag 850 Arbeitsplätze verloren.» Von einer «Zwangsumnutzung» des Betriebes für zivile Produkte, wie es die GSoA vorschlägt, hält König gar nichts. «Das ist eine Utopie», sagt er, «wir müssten in einen Markt eindringen, der schon gesättigt ist. Es fehlt die Nachfrage.»

Und König warnt: «Unser Know-how, unser Fachwissen und unser Entwicklungsgeist gingen dem Werkplatz Schweiz verloren. Unsere Arbeitsplätze würden unweigerlich ins Ausland abwandern. Denn es ist undenkbar, dass wir nur für die Schweizer Armee entwickeln und produzieren können.»

Fertig für die Bundeswehr

Beim Gang durch den Betrieb kommt man schliesslich in die Hallen, wo die Gehäuse – mittlerweile grün gespritzt – auf das Fahrwerk kommen. Und in der nächsten Halle wird alles andere montiert, was noch fehlt.

Wenn die Eagle und Duro diesen Raum verlassen, sind sie fertig für die Lieferung an die Deutsche Bundeswehr. Auf diesen Auftrag ist die Mowag besonders stolz – konnte sie doch mit ihrer Offerte im Jahr 2008 einen internationalen Konkurrenten auf den zweiten Platz verdrängen.

220 Eagle IV haben die Deutschen mittlerweile bestellt. Damit hat die Mowag-Belegschaft in der Eagle-Fertigung noch mindestens bis nächstes Jahr zu tun.

Seit Mai 2009 fahren die Patrouillen- und Verbindungsfahrzeuge aus Kreuzlingen übrigens auch in Afghanistan. David Angst

Grosse Motoren für schwere Brummer.

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Der Piranha III in seiner Version als Kommandofahrzeug.

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Ein Eagle bekommt seine Räder.

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