Rückfall in Sucht mit bösen Folgen: Frau wird wegen Drogenhandel und versuchter Erpressung vom Land verwiesen

Obwohl sie praktisch ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht hat, muss eine drogensüchtige Frau für fünf Jahre das Land verlassen. Die Frau ist immer wieder rückfällig und straffällig geworden. An der Berufungsverhandlung spricht sie das Kantonsgericht St. Gallen wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und der versuchten Erpressung schuldig.

Claudia Schmid
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Eine drogensüchtige Frau soll einem Bekannten, der sie bei der Polizei verpfiff, einen Erpresserbrief geschrieben haben.

Eine drogensüchtige Frau soll einem Bekannten, der sie bei der Polizei verpfiff, einen Erpresserbrief geschrieben haben.

Bild: Yulia Arsenova / iStockphoto

Am Kantonsgericht St. Gallen versuchte die Beschuldigte, ein milderes Urteil zu erwirken und die Landesverweisung abzuwenden. Die Vorinstanz am Kreisgericht St. Gallen sah es im August 2019 als erwiesen an, dass sie nicht nur mit Heroin gehandelt, sondern auch eine Erpressung begangen hatte. Das Gericht sprach damals Schuldsprüche wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und versuchter Erpressung. Es verurteilte die Frau zu einer unbedingten Freiheitsstrafe und ordnete zudem die Landesverweisung und eine vollzugsbegleitende Massnahme an.

Beschuldigte verneint Erpressung

Mit ihrer Berufung verlangte die Beschuldigte einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten Erpressung, eine mildere Strafe und den Verzicht auf die Landesverweisung. Vor dem Kantonsgericht erzählte sie, wie sie nach einem Selbstmordversuch in jungen Jahren in die Drogenabhängigkeit geriet. Mit 16 Jahren habe sie gekifft, mit 21 Heroin gespritzt.

In den folgenden drei Jahrzehnten mussten sich mehrfach die Strafbehörden mit der Beschuldigten beschäftigen. Die Delikte standen jeweils im Zusammenhang mit der Drogensucht. Mehrere Therapieversuche scheiterten. Nach der ersten Therapie sei sie ein Jahr lang clean geblieben und schliesslich doch wieder rückfällig geworden, erklärte sie an der Berufungsverhandlung. Weil sie gut arbeite und ihre Vorgesetzten mit ihrer Leistung zufrieden gewesen seien, habe sie aber immer sehr schnell wieder eine Arbeit gefunden.

Verlust der Freundin nicht verkraftet

Wie die Frau, die heute Mitte 50 ist, weiter berichtete, hatte sie in den letzten Jahren immer wieder versucht auf den richtigen Weg zu kommen. Kurz bevor sie erneut in eine Therapie hätte einsteigen können, sei ihre langjährige Freundin gestorben. Das habe sie völlig aus der Bahn geworfen.

Verhaftet wurde sie, als sie für sich und eine ebenfalls drogensüchtige Bekannte bei einem Drogenhändler Heroin kaufen wollte. Einer der Bekannten hatte sie der Polizei verraten. Es seien Eifersucht und Querelen im Spiel gewesen, weil sie sich ab und zu mit der Lebenspartnerin des Mannes getroffen habe, sagte sie.

Erpresserschreiben im Briefkasten

Einige Zeit später meldete sich der Bekannte erneut bei der Polizei und zeigte einen Erpresserbrief. Darin stand geschrieben, er solle 3600 Franken in den Briefkasten der Beschuldigten legen. Sie habe keine Ahnung, wer das Erpresserschreiben verfasst habe. Von ihr aber stamme es nicht, beteuerte die Frau vor dem Kantonsgericht.

Ihr Verteidiger verlangte einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten Erpressung und den Verzicht auf die Landesverweisung. Es sei keineswegs bewiesen, dass seine Mandantin die Urheberin des Schreibens sei. Da bei der Verhaftung das Geld für den Drogenkauf eingezogen worden sei, und es sich dabei um die geforderten 3600 Franken handle, könnten auch andere für den Erpresserbrief verantwortlich sein.

Landesverweis zerstört Perspektiven

Von einer Landesverweisung sei dringend abzusehen, betonte der Verteidiger. Die Frau sei seit ihrer letzten Verhaftung vor drei Jahren clean. Sie arbeite regelmässig und habe die Aussicht, dass der Job in eine Festanstellung umgewandelt werde. Müsse sie das Land verlassen, würden all ihre Zukunftsperspektiven zerstört. Als Kind von Deutschland in die Schweiz gekommen, sei ihr Lebensmittelpunkt stets hier gewesen.

Der Staatsanwalt plädierte für die Abweisung der Berufung. Auf dem Erpresserbrief seien die DNS-Spuren der Beschuldigten gefunden worden, was klar ihre Schuld beweise. Da sie immer wieder rückfällig und straffällig geworden sei, könne ihr keine gute Prognose gestellt werden.

Schuldspruch wegen versuchter Erpressung

Auch das Kantonsgericht St. Gallen kam in der Urteilsberatung zum Schluss, dass die Frau für den Erpresserbrief verantwortlich ist. Es erklärte sie der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der versuchten Erpressung und der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig. Als Strafmass sprach es eine Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten mit vollzugsbegleitenden Massnahmen und einer Busse von 300 Franken aus. Für die Dauer von fünf Jahren muss die Beschuldigte das Land verlassen.

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