Rotweinmusik und Regentänze am Arboner «Summerdays»

Regen und Wind können der Jubiläumsausgabe des Summerdays-Festivals in Arbon dessen volksfestartigen Charme nicht austreiben. Im Gegenteil, das Publikum erscheint nicht nur fast so zahlreich wie in den hochsommerlichen Vorjahren, sondern amüsiert sich bei rund 200 Jahren Banderfahrung erneut köstlich.

Michael Hasler
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Der Auftakt zum Summerdays-Festival in Arbon war gut besucht. Selbst zeitweiser Regen konnte die Stimmung nicht trüben. (Bild: Andrea Stalder)

Der Auftakt zum Summerdays-Festival in Arbon war gut besucht. Selbst zeitweiser Regen konnte die Stimmung nicht trüben. (Bild: Andrea Stalder)

Es ist punkt 18.08 Uhr als sich der Hochsommer erst zögerlich, dann immer trotziger und schliesslich unwiederbringbar von seinem Publikum verabschiedet. Kitschig genug, dass just in jenem Moment die Band «10cc» «Walking in the rain...» mehrkehlig von der Bühne intoniert. Die ersten Regentänzer beginnen sich freudig um sich selbst zu drehen, parallel flüchten Besucherinnen und Besucher ins Trockene. 10cc, die seit nunmehr 46 Jahren die Bühnen der Welt bespielen, spielen nun all ihre Routine aus. Die Songauswahl ist perfekt und die Stimmen dieser altgedienten Musiker sind kein wenig brüchig geworden. Nur wenn die Kamera genauer hinzoomt, sind Spuren eines gelebten Lebens sichtbar: wässrig gewordene Augen, die dann und wann etwas müde in die Scheinwerfer blinzeln. Noch immer wirkt ihr Treiben auf der Bühne verspielt und beseelt. Mit einem A-capella-Song verabschieden sie sich von ihrem Publikum. Würdig – nein grossartig.

Einmal durch die Popgeschichte

Überhaupt hat die Festivalleitung den Freitag auch beim Zehn-Jahr-Jubiläum des Summerdays-Festivals erneut in die Hände von Pop-und Rockmonolithen gelegt. Das mag nicht besonders originell sein – nur muss es das? Wer den gesamten Tag von «The Sweet» bis zu «The Gipsy Kings» durchsteht, wird dafür Chronist von rund 200 Jahren Bühnenerfahrung. Die Bands umrahmen rund sechs Jahrzehnte der populären Musikgeschichte, inklusive 60er- und 7oer-Jahre. Für die Festivalbesucher wird dies zu einem kurzweiligen Trip durch die Vergangenheit. Fast einen Drittel der Bühnenerfahrung der 200 Jahre vereint der in wenigen Tagen 73-jährige Nordire Van Morrison auf sich. Rund 60 Jahre steht der Frühstarter nunmehr auf der Bühne und rackert sich auch in Arbon abwechselnd am Saxophon, der Mundharmonika und auch am Stagepiano durch sein Programm.

Überzeugte am Starttag des Festivals in Arbon: der mittlerweile schon 73-jährige Van Morrison. (Bilder: Andrea Stalder)

Überzeugte am Starttag des Festivals in Arbon: der mittlerweile schon 73-jährige Van Morrison. (Bilder: Andrea Stalder)

Die Hymnen des Maestros

Der Himmel erbarmt sich bei soviel Hingabe prompt für den Maestro und als jener «Have I told you lately that I love you» in den symphonisch rosa-orange gefärbten Himmel wehklagt, scheint die Welt für einen Moment lang ein besserer Ort zu sein. Im wenig bekannten Film «Beautiful Girls» hatte die damals erst 26-jährige Uma Thurman Van Morrisons Musik wunderbar treffend als den einzig möglichen Background für einen perfekten Sonntagmorgen nach einem Sommerregen beschrieben. Sein Auftritt in Arbon ist vielleicht genau das – so unaufdringlich wie Backgroundmusik und so bezaubernd wie ein sorgenfreier Sonntagmorgen. Van Morrison schafft es, sein Publikum mit einer nie dem Spektakel verpflichteten Mélange aus Jazz, Blues und Gospel zu bannen. Ausharrend versammelt sich jenes vor der Bühne, auch wenn seine Musik weder zum Mitklatschen, noch zum Mitsingen und schon gar nicht zur Kollektivekstase taugt. Stattdessen vertraut dieser kauzige Ausnahmekönner auf die Kraft seiner wunderbaren Melodien und der Eigenwilligkeit seiner Stimme.

(Bild: Donato Caspari)
175 Bilder
Amy Macdonald (Bild: Donato Caspari)
Amy Macdonald (Bild: Donato Caspari)
Konzert Lo und Leduc. (Bild: Donato Caspari)
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Konzert Lo und Leduc. (Bild: Donato Caspari)
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Seven. (Bild: Donato Caspari)
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Seven. (Bild: Donato Caspari)
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Dabu Fantastic. (Bild: Donato Caspari)
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Dabu Fantastic. (Bild: Donato Caspari)
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(Bild: Andrea Stalder)
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Arbon TG - Summerdays Festival 2018. Stimmung vom Freitagabend. Der Regen hat eingesetzt.
(Bild: Andrea Stalder)
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(Bild: Donato Caspari)

Gut möglich, dass es seine Rotweinmusik bei knapp 30 Grad wie im Vorjahr schwerer gehabt hätte. Aber hier und jetzt passt diese zeitlose Klangwelt perfekt. Und auch wenn die Stimme manchmal nicht mehr gegen die Zeit ankommt und sein Saxophonsound mitunter etwas überholt wirkt, so ist es doch ein ganz Grosser, der dem Starttag des aktuellen Festivals bei seinem Geburtstag den Stempel aufdrückt.

Ein würdiges Jubiläum

Mittlerweile ist es 21 Uhr und kaum jemand hat das Gelände trotz Nässe verlassen. Der neu konzipierte Foodcorner füllt sich und lädt mit seinem überdachten Zelt zur Zwischenpause ein. Alles scheint zum Jubiläum nochmals einen Tick aufwändiger inszeniert zu sein, auch wenn die Feuer auf den liebevoll im See installierten Seerosen aktuell nicht brennen. Aber wer braucht Feuer, wenn noch 50 Jahre Rockgeschichte warten? Ein würdiges Jubiläum. Trotz oder gerade wegen des Regens.