Rot für das Rotlicht-Milieu

Rorschach will verhindern, dass sich das Erotikgewerbe in der Stadt ausbreitet – man wolle keine «Verhältnisse» wie in Romanshorn oder in Au. Doch dort ist das Milieu angeblich unter Kontrolle.

Adrian Vögele
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Die rosaroten Herzen an den Fensterscheiben lassen keinen Zweifel: Das «Blue Moon», das blaue Haus am nördlichen Ortseingang von Au, ist ein Erotikbetrieb. Wohl einer von jener Art, deren Zuwanderung der Rorschacher Stadtrat in seiner Innenstadt verhindern will – indem er diese zur Planungszone erklärt (siehe Kasten). Der Stadtschreiber teilte mit, man wolle in Rorschach «keine Rotlicht-Verhältnisse wie in Romanshorn oder Au».

Dass Au für das Erotikgewerbe offenbar interessant ist, bestätigt Gemeindepräsident Walter Grob: «Das hat vor allem mit der Nähe zur Grenze zu tun.» Doch Probleme mit dem Milieu gebe es nicht: «Das Gewerbe ist ruhiger als jede Beiz.» Die vier bestehenden Erotikbetriebe im Dorf werden laut Grob regelmässig von der Polizei kontrolliert – im Hinblick auf Arbeitsbewilligungen et cetera. Beschwerden aus der Bevölkerung gebe es kaum.

Gegen illegale Angebote

Trotzdem versucht man auch in Au, die weitere Ausbreitung des Rotlicht-Milieus zu verhindern. «Es kommt immer wieder vor, dass sich neue Betriebe hier niederlassen wollen», sagt Grob. Im Bewilligungsverfahren schöpft die Gemeinde ihre rechtlichen Mittel aus – zum Beispiel was die Anzahl Parkplätze, die korrekte Umnutzung eines bestehenden Gebäudes oder die Zonenkonformität des Betriebs betrifft.

Doch die Bordelle oder Clubs machen nur einen Teil des Milieus aus: «In Zusammenarbeit mit der Polizei gehen wir gezielt gegen illegale Erotikangebote in Privatwohnungen vor», erklärt der Gemeindepräsident. Im Gegensatz zu den bewilligten Betrieben sind sie schwieriger zu kontrollieren. Die Polizei macht sie oft über Inserate in den Medien ausfindig.

Zahl der Betriebe rückläufig

Punkto Erotikinserate in Print- und Onlinemedien waren in den letzten Wochen jedoch weder Au noch Romanshorn überdurchschnittlich oft vertreten. In Romanshorn schrumpfe das Gewerbe sogar, sagt Gemeindeammann Norbert Senn: «Die Zahl der Erotikbetriebe in Romanshorn ist rückläufig.» Projekte für neue Betriebe habe es schon länger keine mehr gegeben.

Ebenso wie in Au fällt auch das Milieu in Romanshorn wenig auf: «Das <stille Gewerbe> ist hier tatsächlich ein stilles Gewerbe», meint Senn. Zudem befinde es sich nicht im Kerngebiet der Gemeinde. Auch hier arbeiten die Behörden eng mit der Polizei zusammen und führen regelmässige Kontrollen durch. Die Aussage aus Rorschach, man wolle keine «Rotlicht-Verhältnisse in der Innenstadt wie etwa in Romanshorn oder Au», empfindet Senn als «Anmassung».

«Ideelle Immissionen»

Der Rorschacher Stadtrat will mit seinem Vorgehen die Innenstadt insbesondere vor «ideellen Immissionen (…), ausgelöst insbesondere durch Erotikbetriebe» schützen, wie es in einer Mitteilung heisst. Gemäss dem kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation verursachen «ideelle Immissionen» eine Verletzung des psychischen Empfindens von Nachbarn oder erzeugen unangenehme psychische Eindrücke bei diesen. Im Gegensatz dazu stehen materielle Immissionen wie beispielsweise Lärm oder Abgase.

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