Rossrüti bei Wil: Wolf reisst Schaf und Reh – und tappt kurz darauf in eine Fotofalle +++ Abschuss könnte bald Thema werden

Der St.Galler Wildhüter hat am vergangenen Wochenende gleich zwei Meldungen aus Rossrüti erhalten. Ein Reh und ein Schaf wurden mutmasslich von einem Wolf getötet. In der folgenden Nacht tappte der Wolf dann in eine Fotofalle beim Kadaver. Die Verantwortlichen vermuten, dass es sich um denselben Wolf handelt, der vor Wochenfrist in Thundorf und Tägerschen mehrere Schafe gerissen hat.

Luca Ghiselli
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Kurz nach 7 Uhr morgens tappte der Wolf in die Fotofalle.

Kurz nach 7 Uhr morgens tappte der Wolf in die Fotofalle.

Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei SG

Bei Rossrüti auf Gemeindegebiet von Wil sind am Wochenende ein Rehbock und ein Lamm von einem Wolf gerissen worden. Wie die St.Galler Staatskanzlei mitteilt, habe der Wildhüter am Samstag innert kurzer Zeit zwei Meldungen aus dem Dorf bei Wil erhalten. Zunächst sei ein toter Rehbock und wenig später ein totes Lamm mit den für einen Wolfsriss charakteristischen Bissverletzungen aufgefunden worden.

In der darauffolgenden Nacht habe man beim Kadaver des Rehbocks eine Fotofalle installiert. Die Aufnahmen bestätigten den Verdacht, dass es sich bei den tödlichen Verletzungen um einen Wolfsriss handelte: Ein Wolf kehrte zum Kadaver zurück, schreibt die Staatskanzlei weiter.

Nicht der erste Wolfsriss in der Region

Bereits im Verlauf des Samstags wurden die Schafhalter in der Gegend um Wil mittels SMS-Alarmdienst informiert. Bei den Wolfsrissen vom Samstag handelt es sich nicht um die ersten Angriffe in der Region Wil. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2019, wurden bei Oberrindal zwei Lämmer von einem Wolf gerissen. Auch im Kanton Thurgau kam es in den vergangenen Wochen zu mehreren Rissen.

Es sei nicht immer so, dass Wölfe nach einem Riss zu ihrer Beute zurückkehren. In diesem Fall haben wir mit der Fotofalle Glück gehabt, sagt Dominik Thiel, Leiter des St.Galler Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, auf Anfrage.

Dominik Thiel, Leiter des Amtes Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen.

Dominik Thiel, Leiter des Amtes Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen.

Bild: Coralie Wenger

Es sei aber nur schon aufgrund der Verletzungen der gerissenen Tiere ersichtlich gewesen, dass es sich um einen Wolf handeln müsse. «Er hat ganze Röhrenknochen zertrümmert, dazu ist beispielsweise ein Hund nicht in der Lage.»

Es dürfte der Wolf aus dem Thurgau sein

Jetzt werden die DNA-Spuren des Wolfes mit jenen von Rissen im Kanton Thurgau abgeglichen. Sie dürften die Vermutung bestätigen, dass es sich um dasselbe Tier handelt. Zum Wolf, der in Rossrüti in die Fotofalle getappt ist, sagt Thiel: «Vom Gesamterscheinungsbild her gehen wir davon aus, dass es sich um einen Rüden handelt.» Und zwar nicht um ein Jungtier, sondern um einen ausgewachsenen Wolf.

Bald könnte ein Abschuss Thema werden

Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die Risse in Rossrüti und jene in Thundorf und Tägerschen vom gleichen Tier stammten, könnte ein Abschuss des Wolfes bald ein Thema werden. Damit ein Abschuss geprüft wird, müssen diverse Kriterien erfüllt sein. «Dem Wolf müssen 35 Risse in zwei Monaten oder 25 Risse innert eines Monats nachgewiesen können», sagt Dominik Thiel. Dann prüfe das Amt für Natur, Jagd und Fischerei in Absprache mit den Nachbarskantonen einen Abschuss.

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