Rossrüter Transportunternehmen sucht Eidgenossen, der Cervelat und Schweinssteak isst – Rassismus-Kommission:«Inserat ist diskriminierend»

Ein Stelleninserat der Schärer Transport AG aus Rossrüti sorgt in den sozialen Medien für Aufregung. Darin sucht die Firma einen «teamfähigen Eidgenossen». Man setze sich ausserdem «gerne einmal zu Schweinssteak und Cervelat» zusammen, heisst es im Inserat weiter. Die SP Migranten St.Gallen sind entsetzt, die Geschäftsführerin der Firma weist den Rassismus-Vorwurf vehement von sich.

Luca Ghiselli
Drucken
Teilen
Dieses Inserat sorgt für Empörung. (Screenshot: PD/Wiler Nachrichten)

Dieses Inserat sorgt für Empörung. (Screenshot: PD/Wiler Nachrichten)

Die Stellenanzeige lässt wenig Zweifel offen, welches Profil man mitbringen muss, um bei der Schärer Transport AG aus Rossrüti als Lieferwagen-Chauffeur anzuheuern: «Wir suchen einen teamfähigen Eidgenossen aus der Region Wil oder näheren Umgebung», heisst es in einem Inserat, das vergangenen Mittwoch in den «Wiler Nachrichten» publiziert wurde. Und weiter: «Abgeschlossene Schweizer-Schulbildung» (sic!) ist Pflicht.

Zwischen den Zeilen lesen muss der Betrachter des Inserats dann im Text unter dem Anforderungsprofil:

«Als Familienbetrieb legen wir Wert auf ein gutes Miteinander und setzen uns am Feierabend auch gerne einmal zu Schweinssteak und Cervelat zusammen. Falls Sie zu uns passen, freuen wir uns auf Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen (...)»

Für alle App-User: Tippen Sie auf «Dieses Element anzeigen», um zur Abstimmung zu gelangen.

«Inserat sendet klares Signal»

Zusammenfassend sucht das Transportunternehmen also jemanden, der Eidgenosse ist und gerne mal zum Schweinssteak- und Cervelatfestmahl zusammensitzt. Das stösst den SP Migranten St.Gallen mehr als nur sauer auf. In einem Facebook-Post meldete sich deren Präsident Bujar Zenuni am Dienstagabend zu Wort.

Er schreibt: «Das ist wahrscheinlich das erste Stelleninserat, das explizit erwähnt, was am Feierabend zu essen sei. Es sendet das klare Signal an jüdische, muslimische oder vegetarische Menschen, ob sie nun ‹Eidgenossen› sind oder nicht, dass von ihnen erwartet wird, das gleiche zu essen.»

Und weiter: «Wir fordern die Geschäftsleitung der Schärer Transport AG auf, sich zum Stelleninserat öffentlich zu äussern und sich für den diskriminierenden Text zu entschuldigen. Weiter soll das Stelleninserat sofort gestoppt werden. Die ‹Wiler Nachrichten› tun gut daran, solch diskriminierende Texte nicht mehr zu publizieren.»

Geschäftsführerin: «Alles andere als Rassistin»

Petra Schärer, Co-Geschäftsführerin der Schärer Transport AG, wehrt sich auf Anfrage gegen den Rassismus-Vorwurf. «Ich bin alles andere als eine Rassistin!» Im Familienunternehmen seien in der Vergangenheit  Arbeiter aus Bosnien, Portugal, Serbien und einer ganzen Reihe anderer Nationen engagiert gewesen. Auch heute greift Schärer auf die Dienste eines Rumänen und eines Südtirolers zurück.

Sie habe ausländischen Mitarbeitern auch schon privat geholfen, als sie in finanziellen Nöten waren. «Zeigen Sie mir einen Chef, der das macht!» Und weiter: «Meine Coiffeuse ist Türkin, eine meiner besten Freundinnen ist Polin. Ich habe mit Rassismus absolut nichts am Hut.»

«Formulierung ist aus Jux entstanden»

Wie ist dann die Formulierung im Stelleninserat entstanden? «Der Lieferwagenchauffeur muss eng mit dem Vorarbeiter zusammenarbeiten, die Kommunikation muss reibungslos funktionieren. Deshalb haben wir uns gefragt, welcher Typ am besten ins Team passt.» Die Formulierung «Eidgenosse» sei «aus Jux» entstanden und nicht ernst gemeint.

Und die Cervelats und Schweinssteaks? «Damit wollten wir signalisieren, dass wir gerne in gemütlichem Rahmen als Familienbetrieb zusammensitzen», sagt Schärer. Cervelats und Schweinssteaks seien nun einmal das, was dann auf den Grill komme. Ausschliessen wolle man damit niemanden.

«Bestimmte Gruppen werden ausgeschlossen»

Für Alma Wiecken, Geschäftsführerin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), ist der Inhalt der Stellenanzeige problematisch. «Durch die Betonung, dass ausschliesslich Eidgenossen gesucht werden, die Anforderung einer Schweizer Schulbildung und den Hinweis auf gemütliches Beisammensein bei Schweinesteaks und Cervelat, kann davon ausgegangen werden, dass bestimmte Gruppen der Bevölkerung von diesem Inserat ausgeschlossen werden sollen.» Wiecken sagt:

«Das ist diskriminierend und sachlich nicht gerechtfertigt.»

Die EKR-Geschäftsführerin weist darauf hin, dass Stelleninserate, die bestimmte Gruppen wegen ihrer Ethnie, Religion oder Hautfarbe ausdrücklich ausschliessen, gegen die Rassismusstrafnorm verstossen. «In diesem Fall kann jede Person Anzeige bei der zuständigen Strafverfolgungsbehörde einreichen.» Zivilrechtlich sei es hingegen schwierig, gegen diskriminierende Stelleninserate vorzugehen. «Eine Persönlichkeitsverletzung liegt erst dann vor, wenn sich eine Person auf das Stelleninserat bewirbt und dann aus diskriminierenden Gründen abgelehnt wird.»

Generell hält Alma Wiecken fest, dass Diskriminierungen bei der Stellensuche und allgemein im Arbeitsverhältnis der EKR regelmässig gemeldet werden. Der Bericht des Beratungsnetzes für Rassimusopfer zeige, dass die Arbeitswelt der am stärksten von Diskriminierung betroffene Lebensbereich sei.