In Rorschach wird nicht mehr operiert — Die St.Galler SP reagiert geharnischt: «Das Spital wurde ausgesaugt»

Der Operationsbetrieb im Spital Rorschach wird nicht mehr hochgefahren. Das hat der St.Galler Verwaltungsrat entschieden. Die St.Galler SP reagiert geharnischt.

Regula Weik
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Wird nicht mehr genutzt: Operationssaal im Spital Rorschach.

Wird nicht mehr genutzt: Operationssaal im Spital Rorschach.

Bild: Urs Bucher (Rorschach, 8.September 2016)

«Das geht gar nicht.» Die Reaktion von Guido Etterlin kommt wie aus der Kanone geschossen. Der Spitalverwaltungsrat brüskiere einmal mehr die Bevölkerung. Dieser «ganze Schlamassel» nehme seinen Lauf, seit die Regierung aus dem Spitalverwaltungsrat verbannt worden sei. Seither betreibe der Verwaltungsrat die Spitäler «nach Belieben und mit maximaler Willkür». Was ist passiert? Was hat den Rorschacher Stadtrat und SP-Kantonsrat derart verärgert?

Der Operationsbetrieb im Spital Rorschach wird eingestellt. Diesen Beschluss hat der St.Galler Spitalverwaltungsrat am Montag mitgeteilt. In den vergangenen Monaten war Personal von Rorschach und Flawil ans Kantonsspital abgezogen worden – zur Bewältigung der Coronapandemie. Nun wird die temporäre Verschiebung nicht mehr aufgehoben, in Rorschach nicht mehr operiert.

Finanzielle Situation verschlechtert

Die «seit Jahren fortschreitende negative Entwicklung» in Flawil und Rorschach habe sich durch Corona noch einmal «stark beschleunigt», hält der Spitalverwaltungsrat fest. Für die beiden Standorte waren für das laufende Jahr Defizite von je sechs Millionen Franken prognostiziert worden. Treffen die Gerüchte zu, wonach sich die Verluste bis Ende Jahr verdoppelt haben werden?

Daniel Germann, CEO Kantonsspital St.Gallen.

Daniel Germann, CEO Kantonsspital St.Gallen.

Urs Jaudas

Chef über Flawil und Rorschach ist Daniel Germann, CEO des Kantonsspitals St.Gallen. Konkrete Zahlen kann er keine nennen. Die Halbjahresabschlüsse der Spitalverbunde liegen noch nicht vor. Doch so viel sagt Germann:

«Der budgetierte Verlust
von zehn Millionen Franken
über das Gesamtunternehmen
wird aus heutiger Sicht deutlich
überschnitten werden.»

Doch es seien nicht allein die betrieblichen Zahlen, welche zum OP-Entscheid in Rorschach geführt hätten, hält Germann fest. Und weiter:

«Die Coronasituation führte dazu,
dass wir versuchen mussten,
St.Gallen voll auszulasten.»

Die Spitalleitung sei gezwungen gewesen, das Personal am Zentrumsspital zu konzentrieren, um Operationen besser planen zu können. Das gelte auch in der jetzigen Krisenaufholphase.

Guido Etterlin, Rorschacher Stadtrat und SP-Kantonsrat

Guido Etterlin, Rorschacher Stadtrat und SP-Kantonsrat

Urs Bucher

«Das Personal trägt die schwierige Situation seit Monaten solidarisch mit», lobt Germann. «Doch das geht nicht ewig.» Es sei zunehmend schwieriger geworden, das Personal für einen Einsatz in Rorschach oder Flawil zu halten. Anders als in Rorschach soll in Flawil der Operationsbetrieb nach den Sommerferien «in reduzierten Umfang» wieder aufgenommen werden. Etterlin sagt:

«Das Spital Rorschach wird
ausgesaugt.»

Unbestritten ist: Baulich steht es um das Spital Rorschach nicht zum Besten. Und auch die Lage des Spitals ist nicht ideal. Regierung und Rorschacher Stadtrat waren sich schon früh einig: Die Gesundheits- und Notfallversorgung für die Rorschacher Bevölkerung gehört eigentlich ins Zentrum; die Rede war von einem Neubau in der Nähe des Stadtbahnhofs.

Germann äussert sich nicht zu derartigen Überlegungen. Doch er kontert die wiederholt geäusserten Ängste, das Kantonsspital werde für Rorschacher Patienten keinen Platz haben. «Wir schaffen dafür in St.Gallen Kapazitäten.» 19 Betten stünden bereits im neu erweiterten Haus 2 zur Verfügung, weitere 20 würden folgen. Es werde zu keinem Engpass kommen. «Das stationäre Angebot in Rorschach wird nicht heute und nicht morgen aufgehoben», sagt Germann. Wann dann? Der CEO spricht «von Monaten».

Der ursprüngliche Zeitplan der Regierung hatte vorgesehen, die Regionalspitäler Rorschach und Flawil 2021 zu schliessen. Inzwischen hat sich die politische Debatte über die regierungsrätliche Strategie wegen Corona verzögert. Das Kantonsparlament berät die Vorlage nun im September.

SP: «Die Regierung muss eingreifen»

Der Rorschacher Entscheid ist heikel. Das weiss auch der Spitalverwaltungsrat. Er sah sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, präjudizierende Entscheide zu fällen und den politischen Prozess zu unterlaufen. Er habe die Regierung vorgängig informiert, hält er denn auch fest.

Die Schliessung des OP in Rorschach sei «inakzeptabel», rügt wenige Stunden nach Bekanntwerden die kantonale SP. Und weiter:

«Für die Personalabgänge ist nicht
die Coronapandemie, sondern
der Verwaltungsrat selbst verantwortlich.»

Nun müsse die Regierung eingreifen. Dass sie vorinformiert wurde, helfe nicht. «Der Schaden ist bereits angerichtet», so die SP.