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Römische Blütezeit am Bodensee

Die Römer bescherten dem Bodenseeraum Aufschwung und Wohlstand, wie die wandernde Sonderschau «Stadt, Land, Fluss» zeigt. In St. Gallen wird sie mit frischen Funden vom Zürichsee ergänzt.
Marcel Elsener
Die Seeschlacht zwischen Römern und Vindelikern (Kelten) 15 v. Chr. auf dem Bodensee – visualisiert von Roland Gäfgen. (Bild: Bilder: PD)

Die Seeschlacht zwischen Römern und Vindelikern (Kelten) 15 v. Chr. auf dem Bodensee – visualisiert von Roland Gäfgen. (Bild: Bilder: PD)

Die Römer im Bodenseeraum? Das verspricht Action, werden sich jüngere und ältere «Asterix und Obelix»-Fans denken. Und tatsächlich bietet die internationale Sonderausstellung «Stadt, Land, Fluss», die nach Frauenfeld und Vaduz nun in St. Gallen Station macht, eine spektakuläre Kampfszene: Ein wissenschaftlicher Zeichner hat die Seeschlacht der Römer gegen die Vindeliker um 15 v. Chr. visua­lisiert, Blut und Feuer inklusive.

Wo und wie das Wassergefecht der römischen Truppen gegen den am Bodensee ansässigen keltischen Stamm verlief, bleibt allerdings reine Spekulation. Eine einzige (griechische) Textzeile in den Schriften des Geografen Strabo lässt auf eine Schlacht vermutlich in der Nähe der Mainau schliessen: Auf dem Bodensee hatte Tiberius, ein Neffe von Kaiser Augustus, eine Flottille von Transportschiffen bauen lassen. Laut Strabo sei «dort eine Insel, die Tiberius als Stützpunkt bei seinem Seegefecht gegen die Vindeliker nutzte».

«Roman way of life» mit Delfin und Austern

Nun bietet die Ausstellung beispielsweise noch einen Legionärshelm (eines Pomponius) und – für Kinder – eine Legionärsausrüstung zum Dreinschlüpfen. Doch die wenigen kriegerischen Einzelstücke sind Randerscheinungen in einer Schau, die mit gut 200 Objekten vor allem eines feststellt: Die drei Jahrhunderte, in denen die Römer mit ihrem Weltreich auch den Boden­seeraum beherrschten, waren eine grösstenteils friedvolle, ruhige Epoche innovativen Aufschwungs und blühenden Wohlstands. Am Lacus Brigantinus (lateinisch für Bodensee) mit seiner wichtigsten römischen Stadt Brigantium (Bregenz) fand die vormals keltische Bevölkerung anscheinend schnell Gefallen an den Besetzern: Innert kurzer Zeit übernahm sie in zahlreichen Siedlungen wie Eschenz oder Arbon und auf rund 120 Gutshöfen im fruchtbaren Umland den «Roman way of life», wie die St. Galler Kuratorin Sarah Leib erklärt. «Man genoss sogar einen Hauch von Luxus».

Belegen lässt sich dies etwa mit Fundstücken aus Sargans: Gebrannte Ziegel verweisen auf den Fortschritt im Bauwesen mit rauchfreien Heizungen, Badeanlagen und Abwasserleitungen. Zur prosperierenden Zeit trugen der Ausbau von Handelsstrassen, die Amtssprache Latein und die zunehmend verbreitete Schriftlichkeit wesentlich bei. Nun verschickten sogar Privatpersonen ihre Briefe oder formulierten Wünsche an die Götter.

Das Glückssymbol eines Delfins, wie er auf dem Plakat und dem übrigens sehr empfehlenswerten Buch zur Ausstellung prangt, bringt die römische Blütezeit auf den Punkt: Es ist die Galionsfigur eines damaligen Reisewagens, quasi eine Art Kühlerfigur der Antike, gefunden bei Ausbaggerungen am Alten Rhein zwischen Rheineck und St. Margrethen, also auf dem Gebiet der noch wenig erforschten Siedlung Ad Rhenum. Die St. Galler Kantonsarchäologie hat es sich nicht nehmen lassen, die Wanderausstellung mit sozusagen «grabungsfrischen» Objekten und Forschungsresultaten aus Kempraten (Lindomagus, heute Rapperswil-Jona) zu ergänzen.

Eine Römerstadt, als St. Gallen noch Wildnis war

In der bisher einzig bekannten römischen Kleinstadt auf St. Galler Kantonsgebiet am Zürichsee mit Wohn- und Handwerksquartieren und öffentlichen Bauten gab es mehrere Tempel, darunter sogar ein Mithras-Heiligtum, 2015 als erst drittes in der Schweiz entdeckt. Ein Highlight der St. Galler Ergänzung sind die in Kempraten gefundenen Austern, die vom Atlantik oder Mittelmeer in die Innerschweiz transportiert wurden und damit das dichte Verkehrsnetz und den Handelsaustausch ebenso belegen wie die luxuriösen Genüsse zumindest der römischen Oberschicht. Delikatessen wie Wein aus Spanien, Olivenöl aus Griechenland und Gewürze aus dem asiatischen Raum waren weit verbreitet in einer Zeit, als die heutige Kantonshauptstadt lange vor der Ankunft der irischen Mönche um Gallus noch menschenleere Wildnis war. Auch ­darüber lässt sich in dieser kantons- und länderübergreifenden Ausstellung sinnieren. Die Vorstellungskraft ist angeregt: Lässt sich die römische Epoche denn mit der US-amerikanischen vergleichen? Wo zeigen sich Parallelen zur EU oder zur jüngsten Migration? Wer waren damals, wer wären heute die Barbaren? Und von wegen Action: Eine Veranstaltungsreihe animiert zum Fluchen wie die Römer und, besser noch, zum Kochen, mit Rezepten wie dem Legionärsgetreidebrei «Puls» oder der Käse-Kräuter-Paste «Moretum». Schön eingerollt zum Mitnehmen.

Hinweis

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen, bis 17. März 2019, Vernissage Freitag, 26. Oktober, 18.30 Uhr mit römischem Apéro; Begleitpublikation «Stadt – Land – Fluss. Römer am Bodensee», Amt für Archäologie Kanton Thurgau (Hg.), Frauenfeld 2017, 168 S., 15 Fr.

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