ROMANSHORN
Wut und Trauer: «Wir halten das nicht mehr lange aus» – Der Inhaber des «Panem» macht seinem Unmut über die Coronarichtlinien auf Facebook Luft

Moez Ourfelli fehlt so einiges: Die Struktur im Alltag, das Organisieren von Veranstaltungen, und vor allem sein Dasein als Gastgeber. Aus diesem Grund hat er einen Social-Media-Eintrag geschrieben. Zusammen mit Schauspieler Florian Rexer erzählt er von seiner aktuellen Situation.

Saskia Ellinger
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Floran Rexer (links) und Moez Ouerfelli (rechts) im Restaurant Panem. Die Adventswünsche stehen noch immer auf der Tafel – so lange hat das Restaurant nun schon geschlossen.

Floran Rexer (links) und Moez Ouerfelli (rechts) im Restaurant Panem. Die Adventswünsche stehen noch immer auf der Tafel – so lange hat das Restaurant nun schon geschlossen.

Bild: PD

«Wir halten das nicht mehr lange aus», schrieb Moez Ouerfelli am Dienstag auf Facebook. Er ist Inhaber des Restaurants Panem in Romanshorn. Seine 12 Mitarbeitenden und er sind seit Ende Dezember zu Hause. Darunter alleinerziehende Mütter und ein ambitionierter Vollblut-Koch. «Der schreit jetzt zu Hause im Keller», meint Ouerfelli schmunzelnd.

Da das «Panem» eine GmbH ist, hat Ouerfelli kein Recht auf Kurzarbeit und bekommt als Arbeitgeber kein Arbeitslosengeld. Das Härtefallprogramm greift bei ihm erst, wenn fast jeder mühsam gesparte Rappen aufgebraucht ist. Und auch monatliche Zahlungen wie die Miete machen die finanzielle Lage nicht besser. Doch das Geld ist nicht der Grund, warum Ouerfelli den Eintrag auf Facebook verfasst hat.

Gäste bewirten – für Ouerfelli wichtiger als Geld

Am Montag ist Moez Ouerfelli am «Panem» vorbeigelaufen. Das imposante Eisentor war geschlossen, die Lichter aus. Ein schmerzhafter Moment für Ouerfelli:

«Das tat weh, ich arbeite und lebe hier.»

Seit 13 Jahren führt er das Lokal, hat sein Herzblut hineingesteckt. Mit der Schliessung des «Panem» wurde Moez Ourfelli vor allem eines genommen: Die Möglichkeit, seine Leidenschaft als Gastgeber auszuleben. Und das wollte er kundtun.

Florian Rexer, der seit Jahren das «Panem» bei seiner kulturellen Arbeit unterstützt, versinnbildlicht das: «Das ist, als ob man meine Frau wegnähme und mir dafür monatlich Geld zahle.» Kein Ersatz, zumindest, falls man eine glückliche Beziehung führt.

Das Panem in der Sommerzeit und ohne Pandemie: Gäste geniessen auf der Terrasse die Sonne und den Blick auf den Bodensee.

Das Panem in der Sommerzeit und ohne Pandemie: Gäste geniessen auf der Terrasse die Sonne und den Blick auf den Bodensee.

Bild: Reto Martin

Die Situation belaste ihn psychisch. Wut und Trauer seien seine vordergründigen Gefühle, sagt Ouerfelli. «Eine Rechnung vom Psychologen könnte ich trotzdem nicht an den Bund schicken», meint er. Die Reaktionen auf Facebook lassen ihn jedoch ein wenig aufblicken - er hat viel Mitgefühl und Zuspruch erfahren. «Bitte gebed nöd uf, mir vermissed eu», schreibt eine Nutzerin.

Gastronomie soll wieder öffnen

«Der Bund vergisst die Emotionen», meint Florian Rexer. Zwar seien Härtefallprogramme, Statistiken und Verordnungen durchaus von Wichtigkeit, aber die Gefühlslage der Bürger und Bürgerinnen eben auch. Mit der Schliessung der Gastronomie sei nicht nur die finanzielle Existenz vieler Menschen gefährdet, sondern auch die psychische Gesundheit. Rexers Wunsch:

«Die vom Bund geforderte Solidarität sollte grösser sein als die Angst.»

Seine Lösung wäre, die Restaurants für Geimpfte, Menschen mit Antikörpern oder negativ Getestete mit dem passenden Schutzkonzept zu öffnen. So wäre ein hohes Mass an Sicherheit gegeben. Zudem könne man so nicht nur den staatlichen Geldbeutel entlasten, sondern auch die psychische Gesundheit der Menschen fördern.

Der Frühling bringt die Hoffnung

Aus den Augen, aus dem Sinn – eben das soll laut Rexer nicht mit der Gastronomie und der Kultur passieren. An jeder Tür von Beizen sieht man beim Vorbeilaufen ein Schild hängen, und zusammen damit hängt mindestens ein Leben.

Ouerfelli fehle vor allem die Perspektive – eine planbare Zukunft würde ihm mehr Hoffnung geben. «Langsam fange ich an, zu zweifeln.» Der einzige Ausblick im Stillstand ist für Ouerfelli der nahende Frühling. Mit der Wärme würden die Infektionen hoffentlich weniger werden und den Gastronomen wieder freie Bahn lassen.

Online-Show im «Panem»

Am nächsten Mittwoch, dem 17. Februar, wird das Format «Alive» von Florian Rexer aus dem Restaurant Panem ausgestrahlt. Die Online-Show beginnt um 20 Uhr.