Romanshorn
Bereits vor Schlägerei bei A-Junioren-Spiel: FC Arbon war das unfairste Team der Juniorenliga

Am Montag vor einer Woche kam es zu einer Schlägerei zwischen A-Junioren des FC Arbon 05 und des FC Romanshorn. Danach musste ein Spieler des FC Romanshorn ins Spital. Auswertungen des Ostschweizer Fussballverbands zeigen, dass der FC Arbon 05 das unfairste Team der Juniorenliga ist.

Alain Rutishauser
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Die Sportanlage Weitenzelg in Romanshorn, wo nach einem Match der A-Junioren des FC Romanshorn und des FC Arbon eine Schlägerei ausbrach.

Die Sportanlage Weitenzelg in Romanshorn, wo nach einem Match der A-Junioren des FC Romanshorn und des FC Arbon eine Schlägerei ausbrach.

Bild: Mario Gaccioli

Es passierte am Montagabend, dem 21. Juni, um etwa 22 Uhr. Die A-Junioren, Spieler im Alter von 17 bis 19 Jahren, vom FC Arbon sind zu Gast beim FC Romanshorn auf der Sportanlage Weitenzelg.

Nach Abpfiff eskaliert das Spiel. Mehrere Spieler beider Mannschaften gehen aufeinander los. Eine Schlägerei bricht aus. Ein Spieler des FC Romanshorn erwischt es besonders schlimm: Er blutet aus dem Mund, ein Mitspieler muss ihm die Zunge aus dem Hals holen. Er muss mit der Ambulanz ins Spital, ist zwischenzeitlich im Koma. Mittlerweile sei der Spieler wieder zu Hause, wie sein Trainer Stefano Martinelli dieser Zeitung mitteilte. Für weitere Aussagen war Martinelli am Montag nicht erreichbar.

Im Telegramm des Spiels ist zu lesen, dass Martinelli in der 87. Minute mit Gelb verwarnt wurde. In der 92. Minute gab es ausserdem einen Penalty für den FC Arbon mit weiteren Verwarnungen. Ob der Penalty etwas mit der anschliessenden Schlägerei zu tun hatte, lässt sich nur vermuten.

Die A-Junioren des FC Arbon mit den Trainern Peter Kreis, Philipp Huber und Daniel Battanta (hinterste Reihe und vorne rechts)
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Die A-Junioren-Mannschaft mit Trainer Stefano Martinelli (dritte Reihe links)

Die A-Junioren des FC Arbon mit den Trainern Peter Kreis, Philipp Huber und Daniel Battanta (hinterste Reihe und vorne rechts)

Bilder: PD

Betroffene Spieler des FC Arbon suspendiert

Fabio Telatin, Sportchef des FC Arbon.

Fabio Telatin, Sportchef des FC Arbon.

Bild: Tobias Theiler

Beim FC Arbon hat man jedenfalls bereits Konsequenzen geplant und die betroffenen Spieler vorübergehend suspendiert. «Wir akzeptieren nicht, dass so etwas passieren konnte», sagt Fabio Telatin, Sportchef des FC Arbon. Wie der Vorfall genau ablief, würden die Ermittlungen zeigen.

Telatin widerspricht allerdings den Aussagen des Schiedsrichters der besagten Partie, der in seinem Bericht von einer «Schlacht» sprach.

«Die Aussagen des Schiedsrichters sind jenseits von Gut und Böse. Wir haben seine Aussagen in unserem eigenen Bericht korrigiert.»

Telatin schiebt aber nach, dass so ein Vorfall in keinem Fall auf den Fussballplatz gehöre und beschämend sei. «Schade ist auch, dass ein solcher Vorfall den ganzen Verein, auch die Unschuldigen, trifft. Nun müssen wir nach vorne schauen, mit den Konsequenzen leben und dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert.»

OFV-Präsident Stephan Häuselmann.

OFV-Präsident Stephan Häuselmann.

Bild: Reto Martin

Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbands (OFV), wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Auskünfte geben. Am Dienstag seien, wenn alles nach Plan verlaufe, erste Urteile möglich. «Danach werden aber zuerst die Vereine informiert, die dann eine Rekursfrist haben werden», sagt Häuselmann.

Bis der Fall abgeschlossen sei, seien beide Teams aus dem Spielbetrieb gesperrt.

FC Arbon ist das unfairste Team der Liga

Dass unsportliches Verhalten bei den beiden Vereinen scheinbar kein Einzelfall ist, zeigt das Fairplay-Ranking des Ostschweizer Fussballverbands (OFV). Auf dieser Rangliste belegt der FC Arbon den letzten Rang, ist also das unfairste Team der Junior League A. Der FC Romanshorn belegt immerhin den viertletzten Platz von insgesamt 13 Teams.

Der FC Arbon hat in 19 Spielen insgesamt 41 Strafpunkte geholt. Laut Bussenverzeichnis des OFV wird dem Verein für jede gelbe Karte ein Strafpunkt zugeschrieben, ab vier gelben Karten verdoppeln sich die Strafpunkte. Für eine rote Karte bekommt das Team gleich drei Strafpunkte, für die zweite rote Karte sechs Strafpunkte.

Gröbere Vergehen werden noch härter geahndet. So wird unsportliches Verhalten mit sechs Strafpunkten geahndet, beleidigende Äusserungen gegenüber dem Schiedsrichter mit zwölf Strafpunkten. Die Teilnahme am Raufhandel, also der tätlichen Auseinandersetzung von mindestens drei Spielern, wird mit 25 Strafpunkten geahndet. Die Höhe der Busse wird jeweils von der Wettspielkommission entschieden.

FC Arbon erhielt kürzlich einen Sportanerkennungspreis

Jörg Zimmermann, Stadtrat Arbon.

Jörg Zimmermann, Stadtrat Arbon.

Bild: Donato Caspari

Erst vor knapp zwei Wochen haben die A-Junioren des FC Arbon von der Stadt Arbon einen Sportanerkennungspreis erhalten für ihren Aufstieg in die Junior League. Überreicht wurde die Auszeichnung von Jörg Zimmermann, Stadtrat Arbon der Ressorts Freizeit, Sport und Liegenschaften. Dies alles vor dem Vorfall von vergangenem Montag.

«Überlegungen, ob dem Verein der Preis nun wieder entzogen werde, sind keine im Gange.»