Am Bahnhof Romanshorn sind insgesamt 11 Kameras installiert.

Am Bahnhof Romanshorn sind insgesamt 11 Kameras installiert.

Bild: Ralph Ribi

Romanshorn
Ja zu Kameras: Dank Videoüberwachung am Bahnhof Romanshorn fühlt sich die Bevölkerung sicherer

Ein Vorfall schreckte kürzlich die Stadt Amriswil auf. Ein Jugendlicher wurde abends am Bahnhof Amriswil zusammengeschlagen. Die CVP Amriswil möchte nun für mehr Sicherheit, Kameras im öffentlichen Raum aufstellen. Die Stadt Romanshorn macht es seit zehn Jahren vor.

Theepan Ratneswaran
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Romanshorner Stadträtin Melanie Zellweger.

Romanshorner Stadträtin Melanie Zellweger.

Bild: Donato Caspari

«Für die Stadt Romanshorn ist es der richtige Weg», sagt Melanie Zellweger. Die Bevölkerung wisse, dass der Bahnhofsbereich überwacht werde und dadurch fühle sie sich sicherer, so die Stadträtin, die in Romanshorn dem Ressort Ordnung und Sicherheit vorsteht. Die Kameras hälfen zudem der Polizei bei den Ermittlungen, um Diebstähle oder Sachbeschädigungen oder Delikte gegen Leib und Leben noch schneller aufzuklären. Könnte Romanshorn somit für die Stadt Amriswil als Vorbild dienen?

Anfang August wurde ein 16-jähriger Teenager auf dem Heimweg vom Training beim Amriswiler Bahnhof am späten Abend von mehreren Tätern überfallen und verprügelt. Der gewaltsame Übergriff wurde nicht festgehalten. Auf dem Amriswiler Bahnhof gibt es keine Videoüberwachung. Ein Versäumnis, wie die örtliche CVP findet. Auch wenn die Polizei die Täter nach der Anzeige des Opfers relativ zügig ausfindig machen konnte.

Die CVP Amriswil macht nun Nägel mit Köpfen und lanciert eine Initiative. Diese soll die Stadt Amriswil verpflichten, die Gemeindeordnung zu ergänzen und ein Reglement auszuarbeiten, das die Videoüberwachung auf öffentlichem Grund möglich machen soll.

Bevölkerung gibt das Einverständnis

Bereits im Jahr 2009 wurde eine Gruppe bestehend aus Vertretern des Bahnhofs, der SBB, der Kantonspolizei Thurgau, der Bahnpolizei und der Stadt Romanshorn mit der Analyse der Situation rund um den Romanshorner Bahnhof beauftragt. Der Anstoss dazu kam von der Bahnpolizei, welche von positiven Erfahrungen aus anderen Orten berichtete. Aufgrund zusätzlicher Mitteilungen aus der Bevölkerung wurde das Projekt «Videoüberwachung» gestartet.

Die Romanshorner Bevölkerung wiederum verabschiedete an der Gemeindeversammlung vom 16. November 2009 das sogenannte Videoreglement, welches am 1. Januar 2010 in Kraft trat. In Artikel 1, Absatz 1, steht: Die Videoüberwachung bezweckt die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Sie erfolgt ausschliesslich zur Verhinderung und Ahndung von strafbaren Handlungen. In diesem Sinne wurden bereits im Jahr 2010 die ersten Kameras am Romanshorner Bahnhof installiert.

Seit 2010 gibt es am Bahnhof Romanshorn eine Videoüberwachung.

Seit 2010 gibt es am Bahnhof Romanshorn eine Videoüberwachung.

Bild: Ralph Ribi

Aufgrund der kürzlich durchgeführten Einwohnerzufriedenheitsanalyse stellten wir jedoch fest, dass sich die Romanshorner Bevölkerung am Bahnhof teilweise immer noch unsicher fühle, sagt Melanie Zellweger. Dies war der Grund, dass Gelder ins Budget eingestellt wurden, um dieses Jahr die Videoüberwachung am Bahnhof auszubauen. «Die Zustimmung der Bevölkerung zum Budgetposten ‹Ausweitung der Videoüberwachung› an der Gemeindeversammlung 2020 werteten wir als Einverständnis der Einwohnerinnen und Einwohner.»

Sachbeschädigungen an der Primarschule

Am Romanshorner Bahnhof befinden sich aktuell 11 Kameras. Werden Schwachpunkte festgestellt, könnte die Überwachungsanlage durch weitere Kameras ergänzt werden. Die Stadt Romanshorn hat ausser am Bahnhof keine weiteren Kameras für die Überwachung des öffentlichen Raums installiert. Es gäbe momentan auch keine Beweggründe, weitere öffentliche Räume mit einer Videoüberwachung auszustatten, sagt Melanie Zellweger. Anders sieht es in der Schulgemeinde Romanshorn aus.

Romanshorner Primarschulpräsident Hanspeter Heeb.

Romanshorner Primarschulpräsident Hanspeter Heeb.

Bild: Reto Martin

Seit letztem Jahr sind an der Primarschule Romanshorn sechs Kameras installiert. Rund um das Schulareal gab es immer wieder Nachtruhestörungen, Sachbeschädigungen und Littering. Dank der Videoüberwachung liessen sich Probleme an einzelnen Orten lösen und konkret zwei Straftaten aufklären, sagt Primarschulpräsident Hanspeter Heeb.

Romanshorner Sekundarschulpräsident Walo Bohl.

Romanshorner Sekundarschulpräsident Walo Bohl.

Bild: Andrea Stalder

An beiden Romanshorner Sekundarschulen hingegen gibt es aktuell keine festen Überwachungsanlagen, obwohl auch die Sek von der Littering-Problematik betroffen ist. Die Mitarbeitenden der Sekundarschulen versuchen einen anderen Ansatz. Tags und gelegentlich auch abends suchen sie das Gespräch mit den Jugendlichen. Walo Bohl, Präsident der Sekundarschule Romanshorn-Salmsach sagt:

«Dabei zeigen wir unsere Haltung auf: ‹Verlasst diesen Platz bitte so, wie ihr ihn gerne antreffen würdet.›»

Jugendarbeit sucht das Gespräch

Mit einem guten Einbezug der Jugendlichen lasse sich hoffentlich mehr erreichen als mit Repression, sagt auch Hanspeter Heeb. Er begrüsse deshalb den Ausbau der aufsuchenden Jugendarbeit in Romanshorn, die seit dem 1. September verstärkt eingesetzt wird. Für die Jugendpolitik in Romanshorn zuständig ist Tamara Wiedermann-Gambarte. Die Stadträtin, die dem Ressort Sport und Freizeit vorsteht, sagt: Sehr wichtig sei es, zuzuhören, hinzusehen und hinzugehen.

Romanshorner Stadträtin Tamara Wiedermann-Gambarte.

Romanshorner Stadträtin Tamara Wiedermann-Gambarte.

Bild: Reto Martin

Es sei zwar nicht Aufgabe der Jugendarbeitenden, regulierende Aufgaben wahrzunehmen. Auch durch klärende Gespräche könne das Zusammenleben im öffentlichen Raum verbessert werden. Nur schon durch die Kontaktaufnahme der Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter können die Einstellungen der Jugendlichen zur Gewalt oder das Verhalten betreffend Littering positiv beeinflusst werden, so Tamara Wiedermann-Gambarte.

«Durch die personelle Aufstockung im Bereich aufsuchender Jugendarbeit wurden in der Stadt Romanshorn bereits Verbesserungen erzielt.»

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