Romanische, romantische Ufenau

Die Insel bei Rapperswil erwacht dieser Tage aus dem Dornröschenschlaf. Die Kursschiffe legen an, das Wirtshaus geht wieder auf. Ein eben erschienener Kunstführer erschliesst die kürzlich renovierten Kirchen mit Bezug zu St. Gallen.

Josef Osterwalder
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Blick auf die Insel Ufenau von Süden – links die Kapelle St. Martin, rechts die Kirche St. Peter und Paul. (Bilder aus: Die Sakralbauten auf der Insel Ufenau)

Blick auf die Insel Ufenau von Süden – links die Kapelle St. Martin, rechts die Kirche St. Peter und Paul. (Bilder aus: Die Sakralbauten auf der Insel Ufenau)

RAPPERSWIL. «Die Insel Ufenau ist ein Juwel im Zürichsee» sagt der Abt von Einsiedeln; nicht ohne Stolz. Denn das Kloster hat als Eigentümerin der Insel dafür gesorgt, dass das Eiland ein beschaulicher Ort geblieben ist. Rapperswil, das die Nachbarinsel Lützelau unter die Fittiche nahm, ist mit dieser unzimperlicher umgesprungen. Erst wurde in grossem Masse Sandstein abgebaut und dadurch die Fläche der Insel verkleinert; später wurde sie dem Tourismus geöffnet, als Campingplatz.

Im frühen Mittelalter gehörten die beiden Inseln der «Landolt-Sippe», die im Zürcher Oberland zahlreiche Güter besass. Beata, die Tochter Rachinberts und Oberhaupt der Sippe, verkaufte 744 die Insel Lützelau dem Galluskloster. In der im St. Galler Stiftsarchiv erhalten gebliebenen Urkunde wird die Nachbarinsel Ufenau («Ubinauvia») erwähnt. Es handelt sich um die zweite Erwähnung der Insel, wobei auch die erste in einer St. Galler Urkunde (als «Hupinauia») erfolgte.

Dies ist aber nicht der einzige Bezug zu St. Gallen. Die einfache Anlage der beiden romanischen Kirchen zeigt, wie man sich das erste Galluskloster vorzustellen hatte: als einfachen, mit Malereien aber reich verzierten Bau. Die grössere Kirche ist St. Peter und Paul geweiht. Sie diente als Pfarreikirche für ein weites Gebiet des Oberen Zürichsees. Der See war ein gebräuchlicher Verbindungsweg, der Kirchgang mit einer Seefahrt verbunden.

Am Chorbogen von St. Peter und Paul gibt es ein Bild der Schwabenherzogin Reginlinde. Sie war Äbtissin am Fraumünster in Zürich, erkrankte um 950 an Aussatz und zog sich auf die Insel zurück. Sie wurde von ihrem Sohn Adalrich begleitet, der bis zu seinem Tod 973 als Leutpriester auf der Insel wirkte und später heiliggesprochen wurde. Während seiner Zeit schenkte Otto I. die Insel dem Kloster Einsiedeln.

Der neue Kunstführer zeichnet die Geschichte der Insel nach. Hauptaugenmerk liegt auf der Kirche St. Peter und Paul und der Martinskapelle. In der grösseren Kirche liegen fünf Malschichten übereinander. Manches ist zwar nur noch schwach erkennbar, wirkt aber umso geheimnisvoller. Zum Beispiel die Gegenüberstellung der weihnachtlichen Maria, die das Jesuskind in den Amen hält, und die apokalyptische Madonna, die ihr Kind gegen den feuerspeienden Höllendrachen verteidigt.

Aus urgeschichtlicher Zeit

Wobei diese beiden romanischen Kirchen nicht die ersten Gotteshäuser auf der Insel sind. Bei Ausgrabungen im Jahr 958 wurden unter St. Peter und Paul die Grundrisse eines gallorömischen Tempels aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Bei jüngsten taucharchäologischen Forschungen stiess man zudem auf ur- und frühgeschichtliche Kulturlandschaften von unerwartetem Ausmass; sie reichen ins 14. bis 13. Jahrhundert vor Christus zurück.

Die Sakralbauten auf der Insel Ufenau, Schweizerischer Kunstführer GSK, Nr. 856, Fr. 11.–

Reginlinde hält als Stifterin die beiden Sakralbauten der Ufenau auf ihren Händen.

Reginlinde hält als Stifterin die beiden Sakralbauten der Ufenau auf ihren Händen.