Rolf Erb zieht sein Urteil weiter

Der ehemalige Winterthurer Unternehmer Rolf Erb wurde gestern vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung zu acht Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Caspar Hesse
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Rolf Erb auf dem Weg zu seinem Urteil am Bezirksgericht Winterthur. (Bild: ky/Walter Bieri)

Rolf Erb auf dem Weg zu seinem Urteil am Bezirksgericht Winterthur. (Bild: ky/Walter Bieri)

WINTERTHUR. Gestern um 10 Uhr hätte das Urteil im Strafprozess gegen Rolf Erb fallen sollen. Es wurde später Nachmittag, bis es so weit war. Die Verteidigung hatte nochmals alle Register gezogen, um den Prozess aufzuhalten. Wenn es direkt nicht geht, dann halt über einen Nebenschauplatz. Die Lebenspartnerin und die gemeinsamen Kinder hätten auch noch angehört werden sollen, bevor man ihnen Schloss Eugensberg entzieht. Diese und weitere Liegenschaften sowie weitere Vermögenswerte hatte Erb ihnen übertragen, als der Privatkonkurs sowie der Firmenzusammenbruch schon absehbar waren, wie das Gericht befand.

«Grosse kriminelle Energie»

Der Winterthurer Bezirksgerichtspräsident Bernhard Sager war sichtlich genervt von der «offensichtlichen Obstruktion», die betrieben werde. Er kämpfte dafür, rund zehn Jahre nach der Firmenpleite endlich ein Urteil zu fällen und zu verhindern, dass sich Rolf Erb in die Verjährung retten könnte. Da hinderte ihn auch ein Fax vom Obergericht nicht daran, das eine Viertelstunde vor der Urteilsverkündung bei ihm einging und das der Verteidigung recht gab. Sager sah sich lediglich gezwungen, einen Nebenaspekt aus dem Urteil auszugliedern und auf später zu vertrösten.

Doch die Beweislage in der Hauptsache – gewerbsmässiger Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und mehrfache Gläubigerschädigung – war erdrückend, wie immer wieder von verschiedenen Personen betont worden war. Das Mosaik ergab ein klares Bild, nichts blieb unstimmig, wie das Gericht festhielt. Da sei grosse kriminelle Energie von Rolf Erb persönlich dahintergestanden, weshalb er in allen Punkten schuldig gesprochen wurde.

Von der beantragten Höchststrafe sah das Gericht ab, weil «nur» finanzieller Schaden entstanden sei. Erb habe keine Existenz zerstört, die Opfer seien Banken und ein grosser Autokonzern, die dadurch nicht in ihrer Substanz erschüttert worden seien.

Feudalen Lebensstil erhalten

Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt, die Staatsanwaltschaft zehn Jahre Haft, das Gericht verhängte acht Jahre. Als schlimmstes Vergehen wertete das Gericht den gewerbsmässigen Betrug. Von 1998 bis 2002 habe Rolf Erb systematisch mit gefälschten Bilanzen die Banken dazu gebracht, ihm aufgrund der geschönten Zahlen weiterhin Kredit zu gewähren. Damit sei die Gläubigerschädigung beabsichtigt gewesen – mit dem Ziel, den feudalen Lebensstil weiterführen zu können. Das Gericht sah bei Erb ein «sehr schweres Verschulden». Er habe vorsätzlich gehandelt, um sich zu bereichern.

Berufung ist schon angekündigt

Deshalb hat das Gericht die von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafe auch nur geringfügig reduziert. Strafmindernd wirkte sich die lange Verfahrensdauer aus, wobei aber auch die Verteidigungsstrategie auf eine Verlängerung abgezielt habe. Weiter wurde der Gesundheitszustand von Rolf Erb berücksichtigt. Er war während des Prozesses schwer am Herz erkrankt. Ausdrücklich als nicht strafmindernd anerkannte Richter Sager den angeblichen «medialen Druck».

Die Verteidigung kündigte noch vor Schranken an, Berufung vor dem Zürcher Obergericht einzulegen. Vor den Medien gab sich Erb im nachhinein «tief betroffen und schockiert» über das Urteil. Er habe keinerlei buchhalterische Kenntnisse und wäre folglich nie zu den ihm vorgeworfenen Taten fähig gewesen.