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Roger Federer aus Widnau: "Vorteile mit diesem Namen? Das können Sie vergessen!"

Text: Daniel Walt/Video: Ralph Ribi


SERIE: PROMINENTE NAMENSVETTERN. Roger Federer hat schon ab und an Tennis geschaut, bevor der Stern seines Namensvetters aufging. Dessen Erfolge spornten auch den Rheintaler an, etwas in seinem Leben zu wagen.

Der 48-jährige Roger Federer aus Widnau winkt ab. "Das können Sie vergessen!", antwortet er auf die Frage, welche Vorteile es habe, wie der Schweizer Nationalheld zu heissen. Im Leben gehe es um das, was man selbst leiste, sagt er. Und wenn man denselben Namen trage wie der grosse Star des Tennis der letzten 15 Jahre, müsse man höhere Erwartungen erfüllen. "Man macht sich sogar selber mehr Druck", sagt Federer, der als selbständiger Schlosser und Künstler in jenem Atelier arbeitet, welches sein Vater vor vielen Jahren aufbaute.

Nachts für Tennis aufgestanden

Schon in jungen Jahren verfolgte Roger Federer den einen oder anderen Tennismatch mit seinen Eltern vor dem Fernseher. "Jeder an der Weltspitze ist topfit – der Kopf entscheidet, wer gewinnt und wer verliert", sagt er. Björn Borg, Steffi Graf oder Tennis-Rüpel John McEnroe waren die Spieler, denen er gerne zuschaute. Martina Hingis hingegen tat es ihm weniger an, obwohl sie aus dem nahen Trübbach stammt.

Als der gelernte Metallbauschlosser vor rund 20 Jahren in Deutschland telefonisch ein Modellflugzeug bestellte, fragte ihn der Mann am anderen Ende der Leitung, ob er der Tennisspieler Roger Federer sei. Federer verneinte. In den nächsten Jahren verfolgte er aufmerksam, wie sein Namensvetter reifte, nach und nach die Tenniswelt eroberte und diese schliesslich dominierte. Er stand regelmässig auf, wenn Federer nachts einen wichtigen Match absolvierte. Wobei es irgendwann gar keine Rolle mehr spielte, dass der Superstar auf dem Tenniscourt gleich hiess wie er. "Da war einfach ein Schweizer, der auftrumpfte", sagt Federer.

"Hesch wieder gwonne?"

Seit vielen Jahren eilt Tennisstar Roger Federer von Sieg zu Sieg, ein Millionenpublikum bewundert ihn. Bei seinem Namensvetter aus dem Rheintal, der nach der Lehre jahrelang in verschiedenen Unternehmen als Metallbauschlosser arbeitete, tauchte irgendwann die Frage auf: "Und was ist mit mir? Ich will doch auch etwas aus meinem Leben machen!" Scherzhaft gemeinte Sätze von Kollegen wie "Hesch wieder gwonne?" hätten ihn in jener Phase teils sogar getroffen, blickt er zurück.

Schliesslich entschied er sich vor eineinhalb Jahren, sich als Schlosser und Künstler selbständig zu machen. "Man muss Chancen packen, solange das Feuer noch brennt", sagt er dazu. Früher habe er gedacht, aus dem Namen Roger Federer könne man nichts machen – der Tennisstar bewies ihm das Gegenteil.

Grenzwächter schauen zweimal hin

Den Vornamen "Roger" spricht der 48-jährige Rheintaler französisch und nicht englisch aus. Wie aber lebt es sich mit diesem Namen, Herr Federer? "Am Zoll schauen insbesondere die Schweizer Grenzwächter zweimal auf den Pass – sagen tun sie meist aber nichts", antwortet der Widnauer.
Das wohl speziellste Erlebnis mit seinem Namen machte Roger Federer, als er auf der Internet-Plattform Ricardo vor einiger Zeit Modelleisenbahn-Zubehör feilbot. "Der Käufer schrieb mir, ich solle die Schachtel doch bitte signieren", lacht er. Auch ein SRF-Moderator habe einmal in einer Meldung über den Tennisstar erwähnt, dass dieser auf Ricardo etwas anbiete – dabei war es der Mann aus Widnau.

Kurzes Treffen am Flughafen

Vor kurzem hatte Roger Federer die Gelegenheit, am Flughafen Zürich kurz mit seinem Namensvetter zu sprechen. Nach dessen Sieg am Australian Open begab sich Federer nach Zürich, um ihn mit vielen anderen Fans zu empfangen und ihm ein Kunstwerk aus Stahl zu zeigen, das er nach dem Abbild des Sportlers geschaffen hatte. Die aktuelle Weltnummer 1 lobte die Arbeit. Der Rheintaler seinerseits vergass vor lauter Aufregung, Federer zum Turniersieg zu gratulieren.

Den Status als Schweizer Ausnahmesportler trägt Roger Federer nach Ansicht seines Namensvetters zu Recht. "Ich würde es allerdings gut finden, wenn er etwas weniger kontrolliert wäre und nach einer Niederlage auch einmal seine negativen Emotionen rauslassen würde. Das würde ihn noch etwas menschlicher machen. Aber: Jeder Mensch ist, wie er ist", sagt Federer. Er steht nachts übrigens nicht mehr immer auf, wenn sein Vorbild spielt – "man muss etwas mehr auf sich achten mit zunehmendem Alter", schmunzelt er.

Scheitern und erneut angreifen

Erst vor ein paar Jahren hielt der Widnauer Roger Federer einmal zum Plausch einen Tennisschläger in der Hand. Er machte beim Spiel gegen einen Kollegen naturgemäss eine wesentlich schlechtere Falle als der Spitzensportler.

Und was sagt er zur Idee, als selbständiger Künstler im grösseren Stil Bilder des Tennisstars zu fertigen und diese an Fans zu verkaufen? "Das würde ich nur nach Absprache mit ihm machen – ich würde nichts tun wollen, was er nicht gut findet", antwortet der Rheintaler. Er verhehlt dabei nicht, dass er als Selbständiger schon viel Lehrgeld zahlt und dass seine Arbeitstage viel länger geworden sind. Doch scheitern, neuen Mut fassen, erneut angreifen: darum geht es laut Roger Federer im Leben. Genauso wie in einem Tennismatch - und in der Karriere seines Namensvetters.

Roger Federer, Tennisstar Roger Federer,
Schlosser und Künstler
Geburtsdatum 8. August 1981 22. November 1969
Geburtsort Basel Thal
Bürgerort Berneck Berneck
Aufgewachsen in Riehen und Wasserhaus in Münchenstein Widnau
Zivilstand verheiratet, Vater von vier Kindern ledig, keine Kinder
Spitznamen Federer-Express (FedEx), King Roger, Maestro Fedi, Rodsch
Spiele in der Karriere 1149 (251 davon verloren) "Mein ganzes Leben besteht aus Siegen und Niederlagen"
Grad im Militär dienstuntauglich dienstuntauglich
Besondere Merkmale Konnte mit elf Monaten laufen Konnte mit knapp zwölf Monaten laufen

Serie: Sie tragen einen bekannten Namen

In der Ostschweiz leben Menschen, die den Namen von Prominenten tragen. Wir porträtieren in loser Folge einige von ihnen und sprechen mit ihnen darüber, wie es ist, den Namen einer bekannten Persönlichkeit zu tragen. (dwa)

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