«Rössli am Kaien»: Ein neuer Stern am Gastrohimmel

Eine Lichtergirlande zieht sich die Fassade herunter, vor den Fenstern hängen Laternchen. Weisse Tischtücher signalisieren, dass dies keine gewöhnliche Wirtschaft auf dem Lande ist. Kerzenlicht und das viele Holz verleihen dem kleinen Restaurant eine schöne Stimmung. Gemütlich knarren die Böden.

Drucken

Eine Lichtergirlande zieht sich die Fassade herunter, vor den Fenstern hängen Laternchen. Weisse Tischtücher signalisieren, dass dies keine gewöhnliche Wirtschaft auf dem Lande ist. Kerzenlicht und das viele Holz verleihen dem kleinen Restaurant eine schöne Stimmung. Gemütlich knarren die Böden.

Fruchtig-schöne Weine

Noch nicht lange steht Gino Kobi im «Rössli am Kaien» am Herd. Er hat zuvor in St. Gallen bei Köbi Nett und im «Ekkehard» gearbeitet, an guten Adressen also. Hildegard Hämmerle, die den Service besorgt, tut dies auf das zuvorkommendste und mit grosser Sachkenntnis, insbesondere was die Weine angeht. Der von ihr aus der reichbestückten Weinkarte empfohlene spanische Basa (Weingut Telmo Rodriguez, 5.80 der Deziliter) mundet wundervoll fruchtig, während der anschliessend servierte Zweigelt aus dem Südburgenland (Weingut Jalitz, 5.80 pro Deziliter) so leicht und dezent schmeckt, wie wir uns das gewünscht haben.

Von vielem etwas

Die Karte des «Rössli am Kaien» ist klein, aber exquisit. Mittags bereitet Gino Kobi einen Business-Lunch zu und offeriert wenige Gerichte. Die Abendkarte ist umfangreicher und bietet in den Hauptgängen von vielem etwas: Rind (Rindfiletmedaillon zu 46.90, Rindsentrecôte zu 39.80), Geflügel (Maispoulardenbrust, 34.80), Fisch (Zanderfilet im Kartoffelmantel zu 42.80, gebratene Riesencrevetten zu 45.80), Lamm (Lammcarré 46.80) und einen «Suure Mocke» genannten Braten (35.80). Neben der Blume von Blattsalaten mit Honig-Nüssen (9.80) findet sich eine weitere Vorspeise, die uns neugierig stimmt: Aber eigentlich sind die zarten und lauwarmen Kalbskinnbacken mit einer Salatblume an Olivencrème (19.80) schon eine kleine Hauptmahlzeit – und sicherlich der perfekte Einstieg.

Fleisch – sehr, sehr zart

Ihm folgt eine Suppe – das exquisite Schaumsüppchen vom Jaipur-Curry mit gebratener Jakobsmuschel (15.80) und die kräftige Rindsbouillon mit Portwein und Flädli (11.80) –, bevor mit dem Rindsfiletmedaillon an Morchelrahmsauce und dem Lammcarré an leichter Pommerysenfrahmsauce zwei perfekt zubereitete und vor allem rosa-zarte Fleischgerichte nahen. Sie lassen uns wunschlos zurück, auch wenn sich der Koch am Ende noch freundlich erkundigt, ob wir auch wirklich genug gehabt hätten.

Eine Dessertkarte gibt es nicht, was aber keineswegs heisst, dass es im «Rössli am Kaien» keine Nachspeisen gäbe. Sie werden uns mündlich vorgestellt. Mehrerlei Sorbets stehen da zum Beispiel zur Wahl, weiter dreierlei Mousse au Chocolat oder die hausgemachte Sauerrahmglace, die auf der Zunge zergeht und hervorragend zum fruchtigen Mandarinensorbet passt (beides zusammen 7.–). Dieselbe Verbindung von zart und zitronig findet sich in der Kombination von dreierlei Mousse und Cassissorbet (16.80).

Unser Eindruck: Schon früher haben im «Rössli am Kaien» die Liebhaber anspruchsvoller Küche ein behagliches Plätzchen gefunden. Gino Kobi setzt diese ehrenwerte Tradition fort, indem er frische, qualitativ herausragende Zutaten zu originell komponierten Gerichten verarbeitet – wobei dies natürlich seinen durchaus akzeptablen Preis hat. Auch an den Desserts ist nichts zu kritisieren. Doch vielleicht wäre da ein wenig mehr kreative Phantasie zu wünschen. (R.A.)


Visitenkarte

Rössli am Kaien, Rehetobel

Nasenstr. 2, Gino Kobi, Ramona Eigenmann, Hildegard Hämmerle, Tel. 071 870 00 57, Fax. 071 870 00 58, E-Mail roessli.kaien@bluewin.ch.

Öffnungszeiten: Offen ab 11 Uhr ausser Samstag (ab 15 Uhr) und Mittwoch (Ruhetag)

Karte: Hauptgänge 34.80 bis 46.90