«Roboter sind viel zu langsam»

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Pflege Auch Ostschweizer Alters- und Pflegeheime beobachten die Entwicklung der Robotik in Pflege und Betreuung, sagt Robert Etter, Präsident des Heimverbandes Curaviva St. Gallen. Doch die grösste Frage habe die Robotik noch nicht gelöst: «Wie bringt man Individuen und die Robotik zusammen? Der Roboter ist rational, logisch. Der Mensch, gerade eine demenzkranke Person, funktioniert oft irrational.» Das passe schlecht zusammen. Um die Funktion von Pflegepersonen zu übernehmen, müssten Roboter reagieren können, wenn Menschen unlogische Dinge tun. «Dafür sind sie viel zu langsam», sagt Etter. Selbst scheinbar einfache, repetitive Tätigkeiten seien schwer zu automatisieren. «Es gibt grosse und kleine, dicke und dünne Menschen. Das ist für Roboter eine riesige Herausforderung.»

Pflegenotstand droht auch der Schweiz

Allerdings droht auch in der Schweiz ­ ein Mangel an Personal, insbesondere in Alters- und Pflegeheimen. Auch deshalb lancierte der Verband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner eine Volksinitiative. «Ob es zu viel oder zu wenig Personal hat, hängt auch von den Ansprüchen der Betroffenen und ihrer Angehörigen ab», sagt Etter. «Früher wohnten die Grosseltern auch noch mit der Familie zusammen.» In der heutigen Gesellschaft, wo die meisten Menschen ausser Haus arbeiten, sei dies kaum sinnvoll. Aber eine Rückkehr zu solchen Modellen könnte die Folge davon sein, wenn das Pflegepersonal knapper wird.

Denn der Leiter zweier Pflegeheime und der geriatrischen Klinik St. Gallen sieht durchaus Handlungsbedarf. «Man sollte auch Alters- und Pflegeheime verpflichten, eine gewisse Zahl an Fachleuten auszubilden», sagt Etter. «Bei den Spitälern macht das Departement Druck.» Für Altersheime gebe es zwar Richtlinien, doch «es fehlt eine gesetzliche Grundlage, damit diese wirksam durchgesetzt werden könnten».

Per Funk ins Zimmer

Doch auch wenn Roboter noch Zukunftsmusik sind: Alters- und Pflegeheime nutzen die technische Entwicklung durchaus. In einem der Heime der Ortsbürgergemeinde St. Gallen zum Beispiel ist es bereits möglich, von der Zentrale aus mit allen Zimmern zu reden. «So wissen wir schon beim Ruf, was los ist. So sparen wir Zeit und doppelte Wege.» Für Menschen mit Herzproblemen hingegen gibt es Armbänder, die automatisch den Arzt über Rhythmusstörungen oder Puls informieren, bevor er beim Patienten ist. Nicht nur die Heime gehen mit der Zeit, auch die Bewohner. «Wer neu eintritt, fragt nach WLAN. Heute skypen die Enkel mit den Grosseltern im Heim.» Statt nur auf Roboter zu setzen, sollte man auch darauf hinarbeiten, die aktuelle Technik altersgerecht zu gestalten. «Ein Handy zum Beispiel ist für ältere Menschen oft schwer zu bedienen. Es gibt nur eine Firma aus Korea, die extra Telefone mit grossen Tasten herstellt. Solche Dinge müsste es mehr geben», sagt Etter. (ken)