Ritter punktet mit Fremdstimmen

ST.GALLEN. Die St.Galler Nationalräte Markus Ritter, Jakob Büchler und Walter Müller haben den höchsten Anteil an Stimmen erzielt, die von Wahlzetteln mit fremder Parteibezeichnung stammen. Das haben sie vor allem SVP-Wählern zu verdanken.

Adrian Vögele
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Markus Ritter (CVP) ist der St.Galler Nationalrat mit den meisten parteifremden Stimmen. (Bild: Ralph Ribi)

Markus Ritter (CVP) ist der St.Galler Nationalrat mit den meisten parteifremden Stimmen. (Bild: Ralph Ribi)

Landwirt Toni Brunner (SVP) hat bei der Nationalratswahl einmal mehr am meisten Wählerstimmen geholt. Geht es aber um Stimmengewinne über die eigene Partei hinaus, läuft ihm Berufskollege und Bauernverbandspräsident Markus Ritter (CVP) den Rang ab: Einen Drittel seiner Stimmen hat Ritter von Wahlzetteln mit fremder Parteibezeichnung gewonnen und liegt damit an der Spitze aller St.Galler Nationalräte. Toni Brunner kommt auf 8,59 Prozent und liegt damit sogar noch knapp hinter Parteikollege Lukas Reimann.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die weiteren St.Galler Landwirte im Nationalrat: Jakob Büchler (CVP) und Walter Müller (FDP). Alle drei Bauern erhielten ausserhalb ihrer Partei vor allem Unterstützung von rechts: Ritter bekam über 6600 Stimmen von SVP-Listen, bei Büchler und Müller sind es über 5400. Walter Müller erzielte ausserdem von allen Gewählten – abgesehen von den CVP-Kandidaten – am meisten CVP-Stimmen, bei Ritter gilt dasselbe für die FDP-Stimmen. Für diese hohen Fremdstimmen-Anteile dürften vor allem Wähler aus der Landwirtschaft verantwortlich sein, die nebst ihrer bevorzugten Partei noch Vertreter ihrer Branche auf ihre Listen setzten.

Heimvorteil hat gewirkt

Auch der neue FDP-Nationalrat Marcel Dobler hat über 2200 Stimmen von SVP-Listen erhalten. Dies spiegelt auch einzelne seiner politischen Positionen. So unterstützte der Digitec-Gründer die SVP-Initiative gegen die Zuwanderung, wie er vor einem Jahr gegenüber der «Bilanz» sagte.

In mehreren anderen Fällen scheint vor allem der Heimvorteil gewirkt zu haben. Das zeigt sich insbesondere in Wil: So hat Barbara Gysi (SP), obwohl sie eine dezidiert linke Politik verfolgt, beachtliche Anteile aus der Mitte vorzuweisen: Von CVP-Listen erhielt sie über 2000 Stimmen – mehr noch als von den Grünen, mit denen die SP in einer Listenverbindung zu den Wahlen angetreten war.

Bei Lukas Reimann hat vermutlich die lokale Verankerung in Wil dazu geführt, dass er von den fünf SVP-Nationalräten, die allesamt vergleichsweise wenig parteifremde Stimmenanteile ausweisen, noch am besten abschneidet. Er bekam über 2500 Stimmen von FDP-Listen und über 1500 von CVP-Listen.

Gilli kommt auf fast 60 Prozent

Die Grüne Yvonne Gilli hat zwar die Wiederwahl nicht geschafft, schlägt aber die Gewählten in der Fremdstimmen-Statistik bei weitem. Fast 60 Prozent ihrer Stimmen stammen von Listen anderer Parteien – von der SP bis zur SVP. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Yvonne Gilli in Wil eine Arztpraxis betreibt; ausserdem hat sie als Gesundheitspolitikerin auch über die klassischen Themen der Grünen hinaus Eindruck hinterlassen.

Ähnlich liegt der Fall bei Margrit Kessler (GLP). Sie erzielte ebenfalls über die Hälfte ihrer Stimmen ausserhalb der eigenen Partei. Viele St. Galler wählten sie wohl nicht deshalb, weil sie eine Grünliberale ist, sondern wegen ihres Engagements als Patientenschützerin.

816 CVP-Stimmen für Müller

CVP-Nationalrat Thomas Ammann kommt auf einen Fremdstimmen-Anteil von knapp 18 Prozent. Das könnte mit dem hohen SVP-Wähleranteil im Rheintal, etwa in Rüthi und Oberriet, zusammenhängen. Von SVP-Listen erhielt Ammann am meisten parteifremde Stimmen – über 1300.

Thomas Müller (SVP) liegt in der Statistik auf dem zweitletzten Platz. Seine Einschätzung, dass er trotz seines Parteiwechsels nach wie vor Unterstützung in CVP-Kreisen geniesse, bewahrheitet sich nur sehr bedingt: Am meisten Fremdstimmen erhielt er von FDP-Seite, von CVP-Listen sind es 816 – eine kleine Zahl angesichts von Müllers 57 124 Stimmen. Sogar SVP-Kollege Roland Büchel hat mehr Stimmen von CVP-Listen geholt.