Ritter läuft bei St.Galler Bauern auf

Der nationale Bauernverband hat Stimmfreigabe für die beiden Agrar-Initiativen beschlossen. Präsident Markus Ritter findet nun ausgerechnet bei den Bauern im eigenen Kanton kein Gehör.

Regula Weik
Drucken
Teilen
«Es wäre falsch, das zu torpedieren»: CVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter. (Bild: Ralph Ribi)

«Es wäre falsch, das zu torpedieren»: CVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter. (Bild: Ralph Ribi)

Andreas Widmer (Bild: Regina Kühne)

Andreas Widmer (Bild: Regina Kühne)

Fast täglich flattern Parolen von Parteien und Verbänden zu den anstehenden Abstimmungen ­herein. Dabei herrscht in einem Punkt Einigkeit: Der 23. September wird ein entscheidender Sonntag für die Schweizer Bauern. Doch wie denken die St. Galler Bauern über die beiden AgrarVorlagen? Eine Stellungnahme fehlt bislang. Auf Nachfrage zeigt sich: Der Landwirtschaftsrat des St. Galler Bauernverbandes lehnt die beiden Agrar-Initiativen ab – «mit deutlicher Mehrheit», wie Andreas Widmer, Geschäftsführer des Verbandes, erklärt. Sie enthielten zwar «Kernanliegen, welche auch für die St. Galler Landwirtschaft zentral sind; doch diese sind mit der Abstimmung zur Ernährungssicherheit vom September 2017 bereits in der Verfassung verankert worden», so der CVP-Kantonsrat.

«Planwirtschaftliche Auswirkungen»

Die St.Galler Bauern befürchten mit der Fair-Food-Initiative «grössere Preisdifferenzen zu den Inlandprodukten» – wegen der Zollsenkungen. Sie müssten «mit dem inländischen Kostenniveau» arbeiten und könnten bei einer Zollsenkung nicht konkurrenzfähig produzieren. Die Initiative für Ernährungssouveränität ist ihnen «zu radikal». Sie habe «immense planwirtschaftliche Auswirkungen auf die Land- und Ernährungswirtschaft». Der Bund solle nämlich vermehrt eingreifen und lenken. «Das Unternehmertum wird dadurch eingeschränkt», so Widmer.

Der St.Galler Bauernverband geht mit seinen beiden Nein-Parolen weiter als der nationale Verband. An dessen Spitze steht ebenfalls ein St.Galler Bauer: der Rheintaler CVP-Nationalrat Markus Ritter. Der Schweizer Bauernverband hatte bereits im Frühling Stimmfreigabe beschlossen.

Prominente Bauern gegen Vorlagen

«Die Initiativen kommen von Menschen, die sich um die Landwirtschaft sorgen. Es wäre falsch, das zu torpedieren», begründete Ritter damals die Verbandshaltung. Die Tatsache, dass wichtige Punkte beider Initiativen bereits im Verfassungsartikel über die Ernährungssicherheit aufgenommen wurden, sei «zu wenig, um die Begehren abzulehnen», so Ritter weiter, der selber einen Biobetrieb führt und aus seinen Sympathien für die beiden Initiativen nie einen Hehl machte.

Die St.Galler Bauern sind nicht die einzigen, die sich gegen die Agrar-Initiativen und Ritter stellen. Ein überparteiliches Bauernkomitee aus Vertretern von CVP, FDP, SVP und BDP will die Vorlagen bekämpfen. Im Komitee sitzen unter anderem der St. Galler SVP-Nationalrat Toni Brunner, sein Berner Parteikollege Andreas Aebi und der Luzerner CVP-Nationalrat Leo Müller.


Regula Weik
regula.weik@tagblatt.ch